Kanzler zu US-Angriff auf Iran:Merz: Welt ohne Mullah-Regime "ein bisschen besser"
Bundeskanzler Merz gibt sich nach dem Treffen mit US-Präsident Trump im ZDF-Interview optimistisch: Es gebe die gemeinsame Hoffnung, den Terror des iranischen Regimes zu beenden.
Hier das Interview mit Bundeskanzler Friedrich Merz in voller Länge.
03.03.2026 | 7:03 minNach dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zuversichtlich gezeigt, mehr über die Ziele der USA im Krieg gegen Iran in Erfahrung gebracht zu haben. Im ZDF heute journal sagte Merz nach den Gesprächen in Washington D.C.:
Nach meinem Eindruck ist der feste Wille der amerikanischen Regierung darauf gerichtet, das gesamte Militärpotential, insbesondere die Raketenarsenale und die Möglichkeiten zur atomaren Bewaffnung, zu zerstören. Und auf diesem Weg scheinen sie weit vorangeschritten zu sein.
Friedrich Merz
Offensichtlich gebe es eine "Arbeitsteilung" zwischen Israel und den USA, so Merz weiter. Israel greife die Kommandozentrale des Mullah-Regimes an, während sich die USA auf die Waffen konzentrierten. Die gemeinsame Hoffnung sei - und diese teile er - "dass es aufhört mit dem Terror im Iran, mit der Finanzierung des Terrors aus dem Iran heraus".
Iran sei für "ganz große Teile" des internationalen Terrorismus verantwortlich, auch für die Unterstützung Russlands in der Ukraine.
Und insofern ist das hier schon ein Platz, an dem man wirklich sagen kann - wenn der so nicht mehr existiert, wenn dieses Regime so nicht mehr existiert, dann gehts der ganzen Welt ein bisschen besser.
Friedrich Merz
Kanzler Merz hatte mehrere Themen zu besprechen: Was sind Ziele und Strategien der USA im Iran-Krieg und wie geht es weiter im Zollstreit und mit der Unterstützung der Ukraine?
03.03.2026 | 2:14 minMerz: Unsicherheit bei der Frage nach dem "Danach"
Er habe bei Trump aber auch darauf gedrängt, Antworten auf die Fragen nach dem "Danach" zu bekommen, so Merz. Dies sei vielleicht sogar die wichtigere Phase der Auseinandersetzung: "Wenn die Waffen schweigen, was kommt dann?"
Bei dieser Frage habe er eine "relativ große Unsicherheit" gesehen, aber auch Hoffnung, dass es dann Menschen in Iran oder "von außerhalb" geben werde, die dann eine Führung übernehmen, "die sich auch den völkerrechtlichen Gepflogenheiten zuwendet, die wir alle doch so sehr erhoffen", sagte Merz.
Bundeskanzler Merz sprach mit US-Präsident Trump im Weißen Haus über das geplante Vorgehen der USA im Krieg gegen den Iran. Wulf Schmiese mit einer Einschätzung.
03.03.2026 | 1:48 minMerz sieht "Dilemma" bei völkerrechtlichen Fragen
Auch die völkerrechtliche Grundlage für die Intervention habe er thematisiert, sagte Merz auf eine weitere Nachfrage. Er sehe aber ein "gewisses Dilemma", da es in der Vergangenheit keinen Mangel an Diplomatie, sondern mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens Iran gegeben habe. Die Entwicklung "hin zur Atomwaffe" sei "sehr weit vorangeschritten" gewesen.
Und irgendwann muss man dann auch mal Stopp sagen.
Friedrich Merz
An diesem Punkt seien nun offensichtlich alle gewesen, Israel und die USA hätten die Konsequenzen daraus gezogen.
Mit neuen schweren Luftangriffen in Iran hat Israel erneut auf den Führungsapparat im Land abgezielt. Auch Iran setzte seine Angriffe in der Golfregion fort.
03.03.2026 | 2:48 minDie Frage, ob Deutschland bei der Frage nach einer möglichen Beteiligung am Krieg herumdruckse, verneinte Merz und verwies auf ein gemeinsames Statement mit seinem britischen Amtskollegen Keir Starmer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vom Samstag. Alle drei Länder sähen die Gefahren des Einsatzes und hofften auf Frieden in der Region - einer "sehr empfindlichen Region" mit der für die Öl- und Gasversorgung wichtigen Straße von Hormus.
Hier geht es in der Tat um die Lösung eines seit Jahrzehnten schwelenden Konfliktes.
Friedrich Merz
Kanzler sieht Bewegung in Handelspolitik
Neben der Gas- und Ölversorgung sei beim gemeinsamen Essen auch über ein weiteres Wirtschaftsthema gesprochen worden: die Zollpolitik. Merz betonte, er habe den amerikanischen Gesprächspartnern, zu denen auch Trumps Handelsbeauftragter zählte, gesagt, dass "jetzt wirklich" der Zollvertrag abgeschlossen werden sollte, über den die EU bereits im Juli mit den USA verhandelt hat. "Ich habe ihm (Trump) deutlich gemacht, dass die Unsicherheiten für die Industrie auf beiden Seiten des Atlantiks schwer erträglich sind."
Mehr Zugeständnisse als "15 Prozent gegen Null für die Amerikaner" seien für die EU dabei nicht drin, auch das habe er klargemacht. Er habe den Eindruck, dass sich bei diesem Thema "doch ein bisschen was bewegen konnte".
Das Interview führte heute journal-Moderatorin Marietta Slomka. Zusammengefasst hat es Anja Engelke.
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