Krieg gegen Iran:Nahost-Experte: US-Administration "ziemlich strategielos"
Der US-israelische Krieg gegen Iran geht mit unverminderter Härte weiter. Auch Iran setzt seine Gegenschläge fort. Nahost-Experte Busse zu möglichen Zielen der Kriegsparteien.
"Ich glaube, man hat gemerkt, dass man durch reine Luftbombardierung keinen Regimewechsel herbeiführen kann", sagt der Nahost-Experte Jan Busse zur US-Strategie im Iran-Krieg.
03.03.2026 | 4:59 minDie Eskalationsspirale in der Golfregion dreht sich weiter. Die israelische Armee flog nach eigenen Angaben am frühen Dienstagmorgen Luftangriffe auf Ziele in Beirut und Teheran. Iran setzt seine Gegenschläge auf mehrere Golfstaaten fort. In der saudischen Hauptstadt Riad wurde die US-Botschaft mit Drohnen angegriffen. US-Präsident Donald Trump kündigte Vergeltung an.
Tag 4 des Krieges im Nahen und Mittleren Osten: US-Präsident Trump schließt Bodentruppen nicht aus. Während die Gefechte andauern, erreicht eine iranische Drohne Zypern.
03.03.2026 | 2:09 minWelche Ziele und Strategien die USA und Iran mit Blick auf aktuelle Angriffsmuster haben und welche Rolle pro-iranische Milizen im Kriegsgeschehen spielen, ordnet Nahost-Experte Jan Busse von der Universität der Bundeswehr München im heute journal update ein.
Lesen Sie das Interview hier in Auszügen oder sehen Sie es oben im Video.
Was bezweckt Iran mit Angriffen auf zivile Einrichtungen der Golfstaaten?
Iran greift neben US-Militärbasen auch zivile Einrichtungen wie Flughäfen und Hotels in anderen Golfstaaten an. Iran versuche damit im Grunde, "indirekt Druck auf die USA auszuüben", sagt Busse. Die arabischen Golfmonarchien seien "grundsätzlich enge Verbündete der USA". Aber: "Sie leiden natürlich viel, viel stärker unter diesen Bombardierungen."
Als Reaktion auf die Angriffe übt Iran auch an arabischen Verbündeten der USA Vergeltung. Insgesamt acht Länder in der Golfregion sind von Gegenangriffen betroffen.
02.03.2026 | 1:59 minDiese Staaten funktionierten größtenteils nach dem Modell, "dass es dort ruhig ist und dass sie natürlich auch mit einer glamourösen Atmosphäre für sich werben". Das stehe jetzt auf der Kippe, so Busse. Gleichzeitig versuchten sie, "sehr große sozioökonomische Entwicklungsprojekte voranzutreiben. Und das geht natürlich nicht, wenn sie angegriffen werden".
Iran geht davon aus, dass diese Staaten das viel, viel weniger aushalten können als vielleicht Israel und auch die USA.
Jan Busse, Nahost-Experte
Einige Berichte ließen darauf schließen, so Busse, dass Trump in diesem Punkt unter Druck gerate. Demnach sollen sich sowohl Katar als auch die Vereinigten Arabischen Emirate an Trump gewandt und darauf gedrängt haben, "dass es zu einem Ende des Krieges kommt". Dahinter stecke die Logik, wer am Ende den längeren Atem habe.
"Die USA können dem eigenen Anspruch nicht gerecht werden", sagt ZDF-Korrespondent David Sauer aus Washington.
03.03.2026 | 6:46 minWelche Strategien verfolgt die US-Administration?
US-Präsident Trump hat zuletzt einmal mehr klargemacht, dass die Zeichen auf Eskalation stehen. In einem CNN-Interview sagte er, die große Welle stehe Iran erst noch bevor. Gegenüber der "New York Post" erklärte er, dass er Bodentruppen momentan nicht ausschließen könne. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wiederum betonte, dass die USA keinen Regime-Change wollten und dieser Krieg nicht ewig dauern würde. Nahost-Experte Busse kann im Vorgehen der USA und den Verlautbarungen keine klare Strategie erkennen:
Mein Eindruck ist, dass die US-Administration ziemlich strategielos unterwegs ist und selber noch nicht so genau weiß, was tatsächlich die Kriegsziele sein sollen.
Jan Busse, Nahost-Experte
Man habe offenbar gemerkt, "dass man durch reine Luftbombardierung keinen Regimewechsel herbeiführen kann". Es gebe aus historischer Perspektive "so gut wie keinen Fall, wo das mal funktioniert hat". Hinzu komme, dass das Regime "nicht so wackelig und nur auf eine einzelne Person zugeschnitten" sei, "wie das vielleicht im Irak unter Saddam Hussein oder in Libyen unter Gaddafi der Fall gewesen ist".
Die USA melden im Krieg gegen den Iran erste Tote. US-Basen stehen unter schwerem Beschuss. Und: US-Kampfjets wurden versehentlich von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen.
02.03.2026 | 2:38 minIn den Aussagen von US-Verteidigungsminister Hegseth sieht der Experte "ein Stück weit Zurückrudern, weil sie merken, dass die eigentlichen Ziele nicht erreicht werden können". Trumps Aussage bezüglich möglicher Bodentruppen wertet Busse zunächst vor allem als Drohung:
Denn einerseits sind die gar nicht wirklich vor Ort und einsatzbereit und andererseits wäre das tatsächlich ein kompletter Bruch mit der Stammwählerschaft von Trump.
Jan Busse, Nahost-Experte
Das MAGA-Lager lehne "solche außenpolitischen Abenteuer, bei denen eben auch US-Soldaten ums Leben kommen können", kategorisch ab. Daher sei davon auszugehen, dass Trump von diesem Schritt wieder Abstand nehmen werde.
"Die USA können dem eigenen Anspruch nicht gerecht werden", sagt ZDF-Korrespondent David Sauer aus Washington.
03.03.2026 | 6:46 minWelche Rolle spielen pro-iranische Milizen wie die Hisbollah?
"Mein Eindruck ist, dass die Hisbollah durch den Krieg im September 2024 erheblich geschwächt werden konnte und dadurch keine existenzielle Bedrohung mehr für Israel darstellt, wie das vielleicht vorher der Fall war", sagt der Nahost-Experte.
Dennoch seien die Angriffe der libanesischen Hisbollah-Miliz auf Israel und die israelischen Gegenangriffe im Libanon als Herausforderung zu bewerten. Es sei zu befürchten, dass es dort "zu einer Bodenoffensive kommen könnte".
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Doch der Schiffsverkehr kam weitgehend zum Erliegen, weil Iran drohte, auf Schiffe zu feuern.
03.03.2026 | 0:16 minDarüber hinaus werde man "es mit schiitischen Milizen im Irak zu tun haben und mit den Huthis". Diese stellten aber eher eine Bedrohung für die US-Streitkräfte in der Region dar und weniger für Israel. Die Huthis seien zudem - wie schon in der Vergangenheit - eine Gefahr für die zivile Frachtschifffahrt.
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Nazan Gökdemir. Zusammengefasst hat es Laura Marie Mertes.