Nahost-Eskalation: Bedrohungslage auch in Deutschland?

Sicherheitsexperte mahnt im ZDF:Nahost-Eskalation: Bedrohungslage auch in Deutschland?

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Nach dem Angriff auf Iran wächst in Deutschland die Sorge vor Anschlägen. Kanzler Merz sieht aktuell keine "sehr große Gefährdung". Ein Sicherheitsexperte mahnt im ZDF dennoch.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußert sich im Bundeskanzleramt zum Angriff auf den Iran.

In Berlin hat sich der Nationale Sicherheitsrat mit der Eskalation im Nahen Osten befasst. Im Anschluss betonte Merz, dass das "Terroregime der Mullahs" eine Bedrohung für die Sicherheit ist.

01.03.2026 | 0:21 min

Nach der Eskalation im Nahen Osten gibt es auch in Deutschland Sorgen um die Sicherheitslage. Die Gefahr von Terroranschlägen hierzulande sei "grundsätzlich schon ernst zu nehmen", erklärt der Sicherheitsexperte Peter Neumann im ZDFspezial.

Gerate das Regime in Iran unter Druck, könnten Anschlagsversuche intensiviert werden, so Neumann. "Das ist nicht komplett unrealistisch." In der Vergangenheit hätten dabei iranische Dissidenten, jüdische Gemeinden und israelische Botschaften im Visier gestanden.

Gefahr von Terroranschlägen: Antisemitismusbeauftragter warnt

Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, warnt vor der Gefahr von Anschlägen:

Den Mechanismus zwischen erhöhten Spannungen im Nahen Osten und verstärkten Angriffen auf jüdisches Leben in Europa haben wir in der Vergangenheit immer wieder gesehen.

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter

Thomas Reichart

Die iranischen Gegenangriffe haben massive Auswirkungen auf Israel, erklärt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart. Die Zeichen stünden "eher auf weiterer Eskalation und weiteren Angriffen".

01.03.2026 | 1:29 min

Nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran müsse man von einer "gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland ausgehen", sagte Klein den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Insbesondere nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ali Chamenei sei damit zu rechnen, dass der Iran seine Netzwerke hierzulande für Terroranschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen nutze.

Verfassungsschutz: Jüdische Einrichtungen im Visier

Ähnlich äußerte sich auch das Bundesamt für Verfassungsschutz. "Es muss angenommen werden, dass auch jüdische Einrichtungen des öffentlichen Lebens wie Schulen oder Synagogen als Angriffsziele für etwaige Vergeltungsmaßnahmen infrage kommen", sagte eine Sprecherin der "taz".

Iranische Bürger nehmen an einer Demonstration zur Unterstützung der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran vor dem Brandenburger Tor in Berlin, Deutschland.

Es besteht eine hohe Gefahr für jüdische Einrichtungen und diplomatische Vertretungen, die den USA oder Israel nahestehen. In Deutschland gingen auch heute Tausende Exil-Iraner auf die Straße.

01.03.2026 | 1:26 min

Der Verfassungsschutz geht laut der Sprecherin zudem davon aus, dass exil-iranische Oppositionelle im Visier iranischer Geheimdienste seien.

Merz: Keine Erkenntnisse über "große Gefährdung"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte, Deutschland tue alles, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. "Das betrifft insbesondere den Schutz jüdischer, israelischer und amerikanischer Einrichtungen", sagte er vor Journalisten im Kanzleramt. "Wir werden antisemitische oder antiamerikanische Angriffe auf deutschem Boden nicht dulden."

Militärschlag gegen den Iran

In Teheran sortiert sich das Regime nach den Angriffen auf die Führung neu. Und geschlagen sind diejenigen, die Iran seit Jahrzehnten mit brutaler Härte regieren, noch nicht.

01.03.2026 | 2:03 min

Eine konkrete Gefahr sieht der Kanzler aber nicht: "Es gibt im Augenblick keine Erkenntnisse, dass wir von einer sehr großen Gefährdung ausgehen müssten."

Aber wir behalten die Lage insgesamt auch über unsere Nachrichtendienste und über die Polizeidienste im Blick.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Merz verwies darauf, dass es in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Anschläge in Deutschland und Europa gegen Iraner im Exil gegeben habe. "Wir wissen, dass iranische Nachrichtendienste in Europa und in Deutschland tätig sind."

Deswegen sei sofort nach den Angriffen darüber beraten worden, wie Sicherheitsvorkehrungen verbessert werden könnten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) habe darüber auch mit den Landesinnenministern beraten.

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Quelle: KNA, dpa, ZDF
Über dieses Thema berichteten am 01.03.2026 unter anderem die heute-Nachrichten ab 19:00 Uhr und ZDFspezial ab 19:16 Uhr.
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