Merz zu Iran: "Schwelle in eine ungewisse Zukunft überschritten"

Angriffe auf Iran:Merz: "Schwelle in eine ungewisse Zukunft überschritten"

von Stefanie Reulmann

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Friedrich Merz zeigt sich in Berlin angesichts der Eskalation in Nahost besorgt über die Stabilität in der Region. AfD, Grüne und Linke stellen klare Forderungen an den Kanzler.

Friedrich Merz (CDU, Bundeskanzler) zur aktuellen Lage im Nahen Osten

Sehen Sie hier das Pressestatement von Bundeskanzler Friedrich Merz zur aktuellen Lage im Nahen Osten in voller Länge.

01.03.2026 | 16:11 min

Die Welt erlebe derzeit eine "einzigartige Dichte an Kriegen und Umbrüchen", sagt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) heute in Berlin. Bei den Militärschlägen der USA und Israels seien zahlreiche prominente politische Führer in Iran, darunter der geistige Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, getötet worden.

Damit ist die Schwelle in eine ungewisse Zukunft überschritten.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Merz verurteilt die Angriffe Irans auf andere Staaten in der Region. Deren Sorgen nehme man "sehr ernst", sagt er. Gleichzeitig zeigt er sich skeptisch, "ob der Plan aufgeht", durch Militärschläge von außen, einen Wandel von innen heraus zu ermöglichen.

Israelische Ersthelfer treffen am Schadensort in Tel Aviv ein, nachdem iranische Raketen für koordinierte US-amerikanisch-israelische Luftangriffe Teile der Stadt getroffen haben.

Das iranische Militär greift weiterhin Ziele in Israel und in den Golf-Staaten an. Im Visier sind vor allem US-Stützpunkte. Israel und die USA attackieren weiter Ziele in Iran.

01.03.2026 | 1:44 min

Kanzler will Partner "nicht belehren"

Appelle aus Europa, Verurteilungen von Rechtsbrüchen und Sanktionen gegen Iran hätten über Jahre hinweg nichts bewirkt. Das läge auch daran, dass man diese nicht mit militärischen Mitteln durchgesetzt habe. Mit Blick auf die USA sagt der Kanzler:

Deshalb ist jetzt nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren. Bei allen Zweifeln teilen wir viele ihrer Ziele, ohne selbst imstande zu sein, sie auch tatsächlich zu erreichen.

Friedrich Merz, Bundeskanzler

Die Militärschläge gegen das iranische Regime folgten kurz nach neuen Verhandlungen zwischen den USA und Iran über Teherans umstrittenes Atomprogramm und dem Vorgehen des Mullah-Regimes gegen die Menschen im eigenen Land.

Auf diesem Foto, das von der offiziellen Website des Büros des iranischen Obersten Führers veröffentlicht wurde, spricht Ajatollah Ali Chamenei , Oberster Führer des Iran, in einer Sitzung.

Seit 1989 war Chamenei die höchste Autorität der Islamischen Republik. Er entschied über politische und religiöse Fragen. Bei den Angriffen wurden weitere hochrangige Regime-Vertreter getötet.

01.03.2026 | 1:49 min

CDU-Politiker Hardt: "Ein grauenhaftes Regime"

"Offensichtlich ist der Iran nicht bereit, auf dem Verhandlungswege abzugehen von seinem Atomprogramm und er ist auch nicht bereit, im Inneren etwas zu ändern", sagt der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, im ZDF. Hardt verweist auf die etlichen Toten bei der Niederschlagung der Proteste Anfang Januar.

Ein grauenhaftes Regime, wie es auch im 21. Jahrhundert seinesgleichen sucht.

Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion

Dass dort etwas habe geschehen müssen, wisse "jeder Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat", sagt der CDU-Politiker.

Phoebe Gaa

Irans geistliches Oberhaupt Ali Chamenei ist tot. "Das Regime verliert ganz klar den Mann, der alle Fäden der Macht in der Hand hatte", erklärt ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.

01.03.2026 | 2:12 min

SPD: Trump geht es um einen "Regime-Change"

In der SPD betrachtet man den neuen Krieg im Nahen Osten mit "großer Sorge". Außenpolitiker Adis Ahmetovic fordert eine Deeskalation. Die angespannte Lage in der Region werde durch die Angriffe Israels und den USA "noch größere Kreise ziehen", denn der Krieg begrenze sich nicht auf das Territorium Irans, sondern beziehe weitere Staaten in der Region, etwa die Golfstaaten mit ein, sagt er. Alle "handelnden Akteure" müssten "zurück an den Verhandlungstisch", um eine "Lösung abseits von militärischer Gewalt" zu finden.

Doch US-Präsident Donald Trump verfolge mit seinem militärischen Eingreifen ganz andere Ziele, sagt Ahmetovic im ZDF:

Ihm geht es nicht um eine Lösung in Fragen von Nuklearabkommen, sondern hier geht es darum, einen politischen Regime-Change durch militärische Gewalt herbeizurufen.

Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag

Irans Präsident Massud Peseschkian

Der Tod von Chamenei stellt Teheran vor Herausforderungen. Präsident Peseschkian, Justizchef Mohseni-Edschehi sowie ein Mitglied des Wächterrats sollen Iran vorübergehend führen.

01.03.2026 | 2:06 min

Linken-Chef van Aken: Verstoß gegen Völkerrecht kritisieren

"Kreuzgefährlich" nennt Linken-Parteichef Jan van Aken die Angriffe auf Iran und fordert im ZDF:

Friedrich Merz muss jetzt doch klipp und klar mal sagen, dass was Israel und die USA dort gemacht haben, ist völkerrechtswidrig.

Jan van Aken, Linke-Parteichef

"Wir alle wollen, dass die Unterdrücker im Iran endlich wegkommen. Das lässt sich aber nicht von außen herbeibomben", so van Aken.

António Guterres

Die Eskalation in Nahost löst vielerorts Besorgnis aus. In einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor unvorhersehbaren Folgen.

01.03.2026 | 1:35 min

In der Vergangenheit hätten "Regimewechsel von außen mit Gewalt" nicht funktioniert. Im Irak und in Libyen habe "es jahrelang blutigste Bürgerkriege" gegeben, nachdem die Diktatoren gestürzt worden seien, sagt der Politiker der Linken. Das sei "die schlimmstmögliche Situation" für die Menschen in Iran. Ein Regimewechsel müsse "immer von innen kommen", sagt er.

Hardt: Angriff "vom Völkerrecht gedeckt"

Einen Verstoß gegen das Völkerrecht seitens Israels und den USA sieht CDU-Außenpolitiker Hardt nicht:

Wenn es um die unmittelbare Abwehr einer Bedrohung, wie einem Atomprogramm gegen Israel und andere Staaten der Region, geht, dann ist das präventive Selbstverteidigung und damit meines Erachtens völkerrechtlich gedeckt.

Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion

Aber ein "Regime-Change in der klassischen Form wäre es vielleicht nicht", räumt der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion ein. Diese Fragen müssten in den nächsten Tagen noch einmal explizit erörtert werden. Trotzdem hätten sich viele Menschen in Iran Unterstützung von außen gewünscht. "Viele Iraner werden, anders als das vielleicht in früheren Jahren der Fall war, diesen Militärschlag begrüßen", glaubt Hardt.

ZDF-Korrespondent Thomas Reichart

Auch heute habe es in Israel "ständig Luftalarm" gegeben, berichtet Thomas Reichart. "Wir sind auch heute wieder aus dem Bunker herausgekommen, dann wieder zurück in den Bunker."

01.03.2026 | 1:43 min

Grüne fordern Schutz der Zivilbevölkerung

Kritik an den Militärschlägen von Israel und den USA kommt auch von den Grünen. Fraktionschefin Katharina Dröge fordert Kanzler Merz im ZDF auf, mit US-Präsident Trump zu sprechen. Der Schutz der Zivilbevölkerung in Iran, aber auch in Israel, müsse oberste Priorität haben, sagt sie:

Es besteht die Gefahr, dass es zu einer Destabilisierung kommt und auch zu einer Gefahr, dass das iranische Regime mit noch größerer Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vorgeht.

Katharina Dröge, Grüne-Fraktionschefin

Für die Angriffe gebe es kein völkerrechtliches Mandat, sagt Dröge. Dazu dürfe ein deutscher Bundeskanzler nicht schweigen.

Sven Rieken Standbild

Das System ist darauf ausgelegt, dass die Bevölkerung bis in kleine Nachbarschaften kontrolliert werden kann. Nun komme es auf den Mut der Bürger an, sagt Nahost-Expertin Sommerfeld.

01.03.2026 | 10:07 min

AfD warnt vor Eskalation und "Migrationsbewegungen"

Vor möglichen Folgen des Angriffs für Deutschland warnt die stellvertretende AfD-Fraktionschefin Beatrix von Storch im ZDF. "Wir betrachten die Situation mit großer Sorge, vor allem die Eskalation", sagt sie. Sie fordert die Bundesregierung auf, Vorkehrungen gegen mögliche "Migrationsbewegungen" zu treffen, die "auf jeden Fall nicht in Deutschland ankommen" dürften. Auch im Hinblick auf die Sicherheitslage in Deutschland müsse die Bundesregierung handeln, sagt von Storch:

Der Terror aus dem Nahen Osten darf sich nicht hier widerspiegeln, insbesondere wenn die Lage da unten eskaliert.

Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Fraktionschefin

Stefanie Reulmann berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Aktuelle Meldungen zu den Entwicklungen in Nahost finden Sie in unserem Liveblog:

Über das Thema berichteten am 01.03.2026 mehrere Sendungen, etwa ZDFheute live ab 12 Uhr, heute spezial ab 15:17 Uhr und die heute-Nachrichten ab 17 Uhr.

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