Erste Ankündigungen zu Gaza:Trumps "Friedensrat" tagt erstmals - Konkurrenz zur UN?
von Katharina Schuster & Beatrice Steineke, Washington D.C.
Trumps "Friedensrat" soll weltweit Konflikte lösen. Heute hat er erstmals getagt. Welche Länder sind dabei? Was sind die Ziele? Und welche Kritik gibt es?
In Washington, D.C. kommt erstmals das von Donald Trump initiierte "Board of Peace" zusammen. Im Fokus stehen eine Schutztruppe und de Wiederaufbau im Gaza-Streifen.
19.02.2026 | 1:33 minEin Sitz soll eine Milliarde US-Dollar kosten, ein Großteil der Befugnisse liegt bei Donald Trump. Bei der ersten Sitzung des sogenannten "Friedensrats" zum Gazastreifen ("Board of Peace") verkündete der US-Präsident Hilfszusagen in Höhe von insgesamt mehr als 17 Milliarden US-Dollar und hob hervor:
Die Vereinigten Staaten leisten einen Beitrag von zehn Milliarden Dollar zum "Friedensrat".
Donald Trump, US-Präsident
Dies sei eine sehr geringe Summe, so Trump, verglichen mit den Kosten des Krieges. "Gemeinsam können wir den Traum verwirklichen, dauerhafte Harmonie in eine Region zu bringen, die seit Jahrhunderten von Krieg, Leid und Blutvergießen heimgesucht wird."
Trump gab zudem bekannt, dass mehrere Länder planen, mehrere tausend Soldaten für die Stabilisierungstruppe bereitzustellen, die in den kommenden Monaten im Gazastreifen stationiert werden soll.
Um einen dauerhaften Frieden zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen zu sichern, wollen laut US-Präsident Trump fünf Staaten Soldaten in den Küstenstreifen schicken. Es handele sich um Marokko, Albanien, Kosovo, Kasachstan und Indonesien.
Der Friedensrat soll die sogenannte internationale Stabilisierungstruppe (ISF) aufbauen, die die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Bereits zuvor hatten mehrere mehrheitlich muslimische Länder die Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu stellen, eine konkrete Ankündigung machte bislang aber nur Indonesien.
Das südostasiatische Land hat die Entsendung von 5.000 bis 8.000 Soldaten in Aussicht gestellt. Wie viele Soldaten die anderen Länder schicken wollen, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Der ISF-Generalmajor Jasper Jeffers sagte in Washington, langfristig sollen 12.000 Polizisten und 20.000 Soldaten im Einsatz sein. Zunächst sollen Einsatzkräfte demnach in Rafah im Süden des Gazastreifens stationiert werden, später in weiteren Gebieten. Jordanien und Ägypten hätten zugesagt, Polizisten für den Gazastreifen auszubilden. Die internationale Truppe soll Trump zufolge auch die Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der Hamas sichern und einen dauerhaften Frieden gewährleisten.
Quelle: dpa, AP
Was will der Friedensrat?
Ursprünglich sollte Trumps "Friedensrat" die Nachkriegsordnung im Gazastreifen überwachen. In der 13 Kapitel umfassenden "Charta" wird Gaza jedoch nicht erwähnt. Stattdessen heißt es in der Präambel, viele Ansätze der Friedensförderung schafften Abhängigkeiten und institutionalisierten Krisen, statt Menschen aus ihnen herauszuführen.
Der "Friedensrat" definiert sich als internationale Organisation zur Stabilisierung von Krisengebieten, zur Wiederherstellung rechtmäßiger Regierungsführung und zur Sicherung dauerhaften Friedens. Staaten können sich laut Charta einen unbefristeten Sitz sichern, wenn sie innerhalb eines Jahres eine Milliarde US-Dollar zum Budget beitragen.
Trump selbst habe keine Vision für den Frieden, kritisiert Nahost-Experte Sina Azodi gegenüber ZDFheute. Während seiner zweiten Amtszeit habe er sieben Länder bombardiert und einen ausländischen Staatschef entführt.
Ich denke, dass er, basierend auf dem Muster seines Handelns während dieser Präsidentschaft, letztendlich Anerkennung und Ruhm will - und im Idealfall den Friedensnobelpreis erhalten möchte.
Sina Azodi, Juniorprofessor für Nahost-Studien an der George Washington University
US-Präsident Trump hat in Davos offiziell seinen sogenannten Friedensrat gegründet. Das neue Gremium soll nach seiner Vorstellung künftig bei internationalen Konflikten eine Rolle spielen.
22.01.2026 | 1:37 minWer gehört zum Friedensrat?
Diese Länder sind beigetreten: Israel, Vietnam, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Türkei, Saudi-Arabien, Katar, Paraguay, Pakistan, Marokko, Mongolei, Kuwait, Kosovo, Kasachstan, Jordanien, Indonesien, Ägypten, El Salvador, Kambodscha, Belarus, Bahrain, Albanien, Aserbaidschan, Armenien, Argentinien.
Ungarn und Bulgarien sind bislang die einzigen Mitglieder, die auch in der Europäischen Union sind.
Zum ersten Treffen kamen auch Vertreter von fast 50 Staaten, die als Beobachter am Donnerstag dabei waren - darunter auch Deutschland.
Im Vorstand des neuen Gremiums sitzen:
- Marco Rubio, US-Außenminister
- Steve Witkoff, Sondergesandter für Friedensmissionen
- Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
- Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister
- Nickolay Mladenov, Hoher Vertreter für Gaza im Friedensrat
- Marc Rowan, CEO von Apollo Global Management (Private-Equity-Firma)
- Ajay Banga, Präsident der Weltbank
- Robert Gabriel, Trump-Berater
Wer hat abgesagt?
Zuletzt gab der Vatikan bekannt, sich nicht zu beteiligen. Zum neuen "Friedensrat" gebe es einige "ungeklärte Punkte", so Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Internationale Krisen sollten die Vereinten Nationen bewältigen.
US-Präsident Trump hat den sogenannten Friedensrat gegründet. Welche Ziele verfolgt er damit und welche Strategie steckt dahinter? Dazu ZDF-Korrespondentin Claudia Bates.
22.01.2026 | 0:56 minAuch Vertreter der Europäischen Union sagten ab, könnten allerdings als Beobachter teilnehmen. Diesen Status möchte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auch für Italien. Sie versucht so einen Drahtseilakt zwischen Trump, zu dem sie einen guten Kontakt hat, und anderen europäischen Staats- und Regierungsvertretern, die sich gegen den "Friedensrat" entschieden haben. Darunter: Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika sagten ebenfalls ab. Auch China und Russland bleiben dem Rat fern. Staatspräsident Wladimir Putin hatte Ende Januar eine Spende an den "Friedensrat" in Aussicht gestellt. Konkret bezog er sich allerdings auf die unter Ex-Präsident Joe Biden eingefrorenen russischen Vermögenswerte in den USA.
Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU) besucht trotz Warnungen des Auswärtigen Amts auf ihrer Israel-Reise den Gazastreifen, in Begleitung Israels Armee - und erntet dafür Kritik.
12.02.2026 | 2:10 minWelche Befürchtungen gibt es?
Viele europäische Staaten - auch Deutschland - sehen im "Friedensrat" eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Der konservative Politikwissenschaftler Peter Rough sieht darin auch eine Chance. Der neue Rat würde nicht existieren, so Rough gegenüber ZDFheute, wenn die UN reibungslos funktionieren würde.
Der Friedensrat umgeht das strukturelle Problem des Vetorechts im UN-Sicherheitsrat, welches Russland und China ausüben können.
Peter Rough, Senior Fellow und Direktor des "Center on Europe", Hudson Institute
In erster Linie gehe es US-Präsident Trump um einen politischen und rechtlichen Rahmen, analysiert Rough - um "die Entsendung von mehrheitlich muslimischen Staaten nach Gaza als Teil der Entwaffnung und des Übergangs weg von der Hamas zu erleichtern".
Nahost-Experte Sina Azodi verweist darauf, dass eine nachhaltige und gerechte Lösung schwer vorstellbar sei, wenn diejenigen, die unmittelbar betroffen sind, nicht am Verhandlungstisch sitzen. "Im Friedensrat sind keine palästinensischen Vertreter dabei", so der Politikwissenschaftler.
Solange die Frage der Selbstbestimmung der Palästinenser nicht gelöst ist, wird die eigentliche Ursache des Problems nicht angegangen.
Sina Azodi, Juniorprofessor für Nahost-Studien an der George Washington University
"Trump hat überhaupt kein Interesse, in den bestehenden multilateralen Strukturen mitzuarbeiten", sagt Prof. Daniela Schwarzer, Politologin, über den "Friedensrat" von Trump.
20.01.2026 | 5:45 minWas plant der "Friedensrat" zu Gaza?
Seit Oktober 2025 gilt ein Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas. Beide Seiten warfen sich seitdem mehrfach vor, diesen zu verletzen. Sollte er nicht halten, so Nickolay Mladenov, der neue Hohe Vertreter für Gaza im "Friedensrat", auf der Münchner Sicherheitskonferenz, werde der Krieg weitergehen.
Der Plan, alle Gruppen - nicht nur Hamas - zu entwaffnen, sei alternativlos, sagte er. Erst dann sei ein Rückzug von israelischen Truppen und ein Wiederaufbau denkbar.
In Gaza beginnt Phase 2 des US-Friedensplans: Der Leichnam der letzten Geisel wurde nach Israel zurückgebracht. Doch im Gazastreifen herrschen weiter Not, Unsicherheit und politische Spannungen.
29.01.2026 | 46:55 minAuch Jared Kushner sprach auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos von einem Masterplan, der ohne die Demilitarisierung der Hamas nicht funktioniere. Mehr als 500.000 Jobs könnten in Gaza entstehen, doch private Investments bräuchten Sicherheit in der Region.
Nicht nur Siedlungen, ein Flughafen, ein Hafen, Hotelkomplexe an der Küste und Sportanlagen sind bereits geplant, sondern auch Industrieparks und Rechenzentren.
Wir haben sehr eng mit Israel zusammengearbeitet, um einen Weg zur Deeskalation zu finden. Der nächste Schritt ist die Zusammenarbeit mit der Hamas und die Demilitarisierung.
Jared Kushner, 22.01.2026
Katharina Schuster und Beatrice Steineke berichten aus dem ZDF-Studio in Washington D.C.
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