Erste Ankündigungen zu Gaza:Trumps "Friedensrat" tagt erstmals - Konkurrenz zur UN?
von Katharina Schuster & Beatrice Steineke, Washington D.C.
Trumps "Friedensrat" soll weltweit Konflikte lösen. Nun hat er erstmals getagt. Welche Länder sind dabei? Was sind die Ziele? Und welche Kritik gibt es?
Erstmals ist der von Donald Trump gegründete "Friedensrat" mit rund zwei Dutzend Teilnehmern zusammengekommen. Deutschland schickte einen Beobachter nach Washington.
20.02.2026 | 2:35 minEin Sitz soll eine Milliarde US-Dollar kosten, ein Großteil der Befugnisse liegt bei Donald Trump. Bei der ersten Sitzung des sogenannten Friedensrats zum Gazastreifen ("Board of Peace") verkündete der US-Präsident Hilfszusagen in Höhe von insgesamt mehr als 17 Milliarden US-Dollar.
Dies sei eine sehr geringe Summe, so Trump, verglichen mit den Kosten des Krieges. "Gemeinsam können wir den Traum verwirklichen, dauerhafte Harmonie in eine Region zu bringen, die seit Jahrhunderten von Krieg, Leid und Blutvergießen heimgesucht wird."
Was wir tun, ist ganz einfach: Frieden.
Donald Trump, US-Präsident
Es sei einfach zu sagen, aber schwierig zu liefern. "Aber wir werden es schaffen." Trump gab zudem bekannt, dass mehrere Länder planten, Soldaten für die Stabilisierungstruppe bereitzustellen, die in den kommenden Monaten im Gazastreifen stationiert werden soll.
Um einen dauerhaften Frieden zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen zu sichern, wollen laut US-Präsident Trump fünf Staaten Soldaten in den Küstenstreifen schicken. Es handele sich um Marokko, Albanien, Kosovo, Kasachstan und Indonesien.
Der Friedensrat soll die sogenannte internationale Stabilisierungstruppe (ISF) aufbauen, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Bereits zuvor hatten mehrere mehrheitlich muslimische Länder die Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu stellen, eine konkrete Ankündigung machte bislang aber nur Indonesien.
Das südostasiatische Land hat die Entsendung von 5.000 bis 8.000 Soldaten in Aussicht gestellt. Wie viele Soldaten die anderen Länder schicken wollen, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Der ISF-Generalmajor Jasper Jeffers sagte in Washington, langfristig sollen 12.000 Polizisten und 20.000 Soldaten im Einsatz sein. Zunächst sollen Einsatzkräfte demnach in Rafah im Süden des Gazastreifens stationiert werden, später in weiteren Gebieten. Jordanien und Ägypten hätten zugesagt, Polizisten für den Gazastreifen auszubilden. Die internationale Truppe soll Trump zufolge auch die Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der Hamas sichern und einen dauerhaften Frieden gewährleisten.
Quelle: dpa, AP
Was will der Friedensrat?
Ursprünglich sollte Trumps "Friedensrat" die Nachkriegsordnung im Gazastreifen überwachen. In der 13 Kapitel umfassenden "Charta" wird Gaza jedoch nicht erwähnt. Stattdessen heißt es in der Präambel, viele Ansätze der Friedensförderung schafften Abhängigkeiten und institutionalisierten Krisen, statt Menschen aus ihnen herauszuführen.
Der "Friedensrat" definiert sich als internationale Organisation zur Stabilisierung von Krisengebieten, zur Wiederherstellung rechtmäßiger Regierungsführung und zur Sicherung dauerhaften Friedens. Staaten können sich laut Charta einen unbefristeten Sitz sichern, wenn sie innerhalb eines Jahres eine Milliarde US-Dollar zum Budget beitragen.
17 Milliarden Dollar an Hilfszusagen seien eine beachtliche Summe, sagt der Nahost-Experte Daniel Gerlach. Doch es sei daran zu zweifeln, ob das wirklich aufgebracht werde.
20.02.2026 | 5:02 minWas will US-Präsident Donald Trump?
Trump selbst habe keine Vision für den Frieden, kritisiert Nahost-Experte Sina Azodi gegenüber ZDFheute. Während seiner zweiten Amtszeit habe er sieben Länder bombardiert und einen ausländischen Staatschef entführt.
Ich denke, dass er, basierend auf dem Muster seines Handelns während dieser Präsidentschaft, letztendlich Anerkennung und Ruhm will - und im Idealfall den Friedensnobelpreis erhalten möchte.
Sina Azodi, Juniorprofessor für Nahost-Studien an der George Washington University
Es sei eher eine "ergebnislose erste Veranstaltung" geblieben, bilanziert Ian Lesser vom "German Marshall Fund". Der Experte für amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik hält es für unwahrscheinlich, dass das Treffen einen "starken oder positiven Eindruck" auf Staaten habe, vor allem in Europa, die sich vom neuen Rat distanziert hätten.
US-Präsident Donald Trump nutzte die Gelegenheit, um weitere harte Botschaften an den Iran zu richten.
Ian Lesser, Experte für US-Außen- und Sicherheitspolitik, "German Marshall Fund"
Das Ziel mit Iran, sagte Trump, müsse ein "bedeutsames Abkommen" sein. Sollte es keine Einigung im Atomstreit geben, drohten "schlimme Dinge". Nach dem Treffen äußerte er gegenüber der Presse: Teheran habe 10 bis 15 Tage Zeit.
In Washington hat erstmals der sogenannte Friedensrat unter Vorsitz von US-Präsident Donald Trump getagt. Rund zwei Dutzend Staats- und Regierungsvertreter kamen zu dem Treffen.
19.02.2026 | 2:49 minWer gehört zum Friedensrat?
Diese Länder sind beigetreten: Israel, Vietnam, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Türkei, Saudi-Arabien, Katar, Paraguay, Pakistan, Marokko, Mongolei, Kuwait, Kosovo, Kasachstan, Jordanien, Indonesien, Ägypten, El Salvador, Kambodscha, Belarus, Bahrain, Albanien, Aserbaidschan, Armenien, Argentinien.
Ungarn und Bulgarien sind bislang die einzigen Mitglieder, die auch in der Europäischen Union sind.
Zum ersten Treffen kamen auch Vertreter von fast 50 Staaten, die als Beobachter am Donnerstag dabei waren - darunter auch Deutschland.
Im Vorstand des neuen Gremiums sitzen:
- Marco Rubio, US-Außenminister
- Steve Witkoff, Sondergesandter für Friedensmissionen
- Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
- Tony Blair, ehemaliger britischer Premierminister
- Nickolay Mladenov, Hoher Vertreter für Gaza im Friedensrat
- Marc Rowan, CEO von Apollo Global Management (Private-Equity-Firma)
- Ajay Banga, Präsident der Weltbank
- Robert Gabriel, Trump-Berater
US-Präsident Trump hat den sogenannten Friedensrat gegründet. Welche Ziele verfolgt er damit und welche Strategie steckt dahinter? Dazu ZDF-Korrespondentin Claudia Bates.
22.01.2026 | 0:56 minWer hat abgesagt?
Zuletzt gab der Vatikan bekannt, sich nicht zu beteiligen. Zum neuen "Friedensrat" gebe es einige "ungeklärte Punkte", so Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Internationale Krisen sollten die Vereinten Nationen bewältigen.
Wichtige Verbündete der USA haben Trump abgesagt, sind nur mit Beobachtern vertreten. Darunter: Deutschland, Großbritannien und Italien.
Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika sagten ebenfalls ab. Auch China und Russland bleiben dem Rat fern. Staatspräsident Wladimir Putin hatte Ende Januar eine Spende an den "Friedensrat" in Aussicht gestellt. Konkret bezog er sich allerdings auf die unter Ex-Präsident Joe Biden eingefrorenen russischen Vermögenswerte in den USA.
Bundestagspräsidentin Klöckner (CDU) besucht trotz Warnungen des Auswärtigen Amts auf ihrer Israel-Reise den Gazastreifen, in Begleitung Israels Armee - und erntet dafür Kritik.
12.02.2026 | 2:10 minWelche Befürchtungen gibt es?
Viele europäische Staaten - auch Deutschland - sehen im "Friedensrat" eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Der konservative Politikwissenschaftler Peter Rough sieht darin auch eine Chance. Der neue Rat würde nicht existieren, so Rough gegenüber ZDFheute, wenn die UN reibungslos funktionieren würde.
Der Friedensrat umgeht das strukturelle Problem des Vetorechts im UN-Sicherheitsrat, welches Russland und China ausüben können.
Peter Rough, Senior Fellow und Direktor des "Center on Europe and Eurasia", Hudson Institute
In erster Linie gehe es US-Präsident Trump um einen politischen und rechtlichen Rahmen, analysiert Rough - um "die Entsendung von mehrheitlich muslimischen Staaten nach Gaza als Teil der Entwaffnung und des Übergangs weg von der Hamas zu erleichtern".
Nahost-Experte Sina Azodi verweist darauf, dass eine nachhaltige und gerechte Lösung schwer vorstellbar sei, wenn diejenigen, die unmittelbar betroffen sind, nicht am Verhandlungstisch sitzen. "Im Friedensrat sind keine palästinensischen Vertreter dabei", so der Politikwissenschaftler.
Solange die Frage der Selbstbestimmung der Palästinenser nicht gelöst ist, wird die eigentliche Ursache des Problems nicht angegangen.
Sina Azodi, Juniorprofessor für Nahost-Studien an der George Washington University
"Trump hat überhaupt kein Interesse, in den bestehenden multilateralen Strukturen mitzuarbeiten", sagt Prof. Daniela Schwarzer, Politologin, über den "Friedensrat" von Trump.
20.01.2026 | 5:45 minWas plant der "Friedensrat" zu Gaza?
Seit Oktober 2025 gilt ein Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas. Beide Seiten warfen sich seitdem mehrfach vor, diesen zu verletzen. Sollte er nicht halten, so Nickolay Mladenov, der neue Hohe Vertreter für Gaza im "Friedensrat", auf der Münchner Sicherheitskonferenz, werde der Krieg weitergehen.
Der Plan, alle Gruppen - nicht nur Hamas - zu entwaffnen, sei alternativlos, sagte er. Erst dann sei ein Rückzug von israelischen Truppen und ein Wiederaufbau denkbar.
In Gaza beginnt Phase 2 des US-Friedensplans: Der Leichnam der letzten Geisel wurde nach Israel zurückgebracht. Doch im Gazastreifen herrschen weiter Not, Unsicherheit und politische Spannungen.
29.01.2026 | 46:55 minAuch Jared Kushner sprach auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar von einem Masterplan, der ohne die Demilitarisierung der Hamas nicht funktioniere. Mehr als 500.000 Jobs könnten in Gaza entstehen, doch private Investments bräuchten Sicherheit in der Region. Nicht nur Siedlungen, ein Flughafen, ein Hafen, Hotelkomplexe an der Küste und Sportanlagen sind bereits geplant, sondern auch Industrieparks und Rechenzentren.
Der Weltfußballverband will zudem ein Stadion für bis zu 25.000 Zuschauer und weitere Fußballfelder bauen. FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigte ein Video, wie die Partnerschaft der FIFA und des "Friedensrates" aussehen kann. Laut Trump geht es dabei um Projekte in Höhe von 75 Milliarden Dollar.
Und so macht nicht nur die Auftaktsitzung des "Friedensrats" deutlich, dass das Projekt von Beginn an zwischen Friedensinitiative und politisch-wirtschaftlichen Interessen steht. Ein Spannungsfeld, das seine Glaubwürdigkeit nachhaltig prägen dürfte.
Katharina Schuster und Beatrice Steineke berichten aus dem ZDF-Studio in Washington D.C.
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