Experte über "Friedensrat": "Gaza an zweiter und dritter Stelle"

Interview

Nahost-Experte zu Trumps "Friedensrat":Gerlach: "Thema Gaza an zweiter und dritter Stelle"

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Werden 17 Milliarden Dollar Hilfszahlungen für Gaza fließen? Es sei zumindest daran zu zweifeln, sagt Nahostexperte Gerlach. Wie er das Treffen des "Friedensrates" bewertet.

SGS-Gerlach-Gökdemir

17 Milliarden Dollar an Hilfszusagen seien eine beachtliche Summe, sagt der Nahost-Experte Daniel Gerlach. Doch es sei daran zu zweifeln, ob das wirklich aufgebracht werde.

20.02.2026 | 5:02 min

Zum ersten Mal kam US-Präsident Donald Trumps "Friedensrat" am Mittwoch in Washington zusammen. Dabei wurden Hilfszusagen für den Gazastreifen in Milliardenhöhe verkündet.

Bleibt es wirklich dabei und welche Zusagen gab es noch? Im Interview mit dem heute journal update ordnet Nahostexperte Daniel Gerlach das Treffen ein.

Wie ist die Zusammenkunft des "Friedensrates" generell zu bewerten?

Das Treffen werde "auch als eine Parallelveranstaltung zu den Vereinten Nationen" gesehen, erklärt Nahostexperte Gerlach. "Die Staaten, die sich hier beteiligen, sind in der ersten Linie, glaube ich, da, um ihre bilateralen Beziehungen zu den USA und zur Trump-Regierung zu stärken", sagt er.

Und ich glaube, das Thema Gaza steht da an zweiter und dritter Stelle.

Daniel Gerlach, Nahostexperte

US-Präsident Donald Trump (M) steht mit anderen Staats- und Regierungschefs vor einer Sitzung des Friedensrates zur Beilegung globaler Konflikte im U.S. Institute of Peace.

In Washington hat erstmals der sogenannte Friedensrat unter Vorsitz von US-Präsident Donald Trump getagt. Rund zwei Dutzend Staats- und Regierungsvertreter kamen zu dem Treffen.

19.02.2026 | 2:49 min

Werden tatsächlich 17 Milliarden Dollar Hilfszahlungen an den Gazastreifen fließen?

Die zugesagte Summe in Höhe von 17 Milliarden Dollar sei durchaus als "beachtliche Summe" zu bewerten, sagt Nahostexperte Gerlach. Gleichzeitig betont er:

Aber wir haben in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass bei solchen Geberkonferenzen Zusagen gemacht wurden, die nicht eingehalten wurden.

Daniel Gerlach, Nahostexperte

Laut dem Experten sind "bei dem Marketing, das Trump betreibt" aber auch Zweifel begründet, "ob das tatsächlich aufgebracht wird". Zuerst einmal sei zudem auch die Frage, "welche Institutionen dieses Geld überhaupt verwalten sollen".

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Wie sind Truppen-Zusagen einiger Staaten zu bewerten?

Neben dem Geldversprechen gab es auch die Zusage einiger Mitgliedstaaten in Trumps "Friedensrat", dass es Truppen geben soll. Deutet sich damit auch Bewegung in einem möglichen Friedensprozess an? Von einem "Friedensprozess" könne man nicht sprechen, stellt Gerlach klar. Es gebe mit solchen Aussagen zwar Bewegung, aber:

Aber man sollte auch nicht die Augen vor den Realitäten verschließen.

Daniel Gerlach, Nahostexperte

Truppen-Zusagen, die bei dem Treffen gemacht wurden, "das haben die Amerikaner schon vor mehreren Monaten angekündigt".

Indonesien habe sich nun nochmal "aus der Deckung gewagt" und wolle für Truppen finanziell entschädigt werden. Die Truppen-Zusagen von Staaten wie dem Kosovo empfindet Gerlach als "kurios". "Die haben vielleicht 5.000 Mann, also da ist es nicht sehr viel Spielraum, mit eigenen Truppen da rein zu gehen", erklärt er.

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In der Diskussion um Truppenkontingente einer "internationalen Sicherheitsmacht" kommt Nahostexperte Gerlach die Frage nach den Palästinensern zu kurz: "Die Palästinenser haben Erfahrung, die palästinensische Autonomiebehörde und auch die traditionellen Gegner der Hamas haben Erfahrung darin."

Die Palästinenser können selber eine Sicherheitsverantwortung aufstellen, wenn man ihnen auch das Mandat dazu gibt.

Daniel Gerlach, Nahostexperte

Für die Zusagen aus den Reihen von Trumps "Friedensrat" resümiert Gerlach: "Diese Leute machen zwar gute Stimmung, aber sind relativ verzweifelt, weil sie eigentlich nicht die Infrastruktur haben und nicht das Personal und vor allem nicht das Mandat, um dort wirklich etwas umzusetzen derzeit." Dennoch sei nicht alles kategorisch abzulehnen, betont Gerlach, denn es sei "das Einzige, was gerade passiert und Trump ist der Einzige, der derzeit auch die Israelis zu Kompromissen bewegen kann, damit in Gaza was vorangeht."

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Donald Trump als Friedensstifter und Gründer eines "Friedensrates" auf der einen Seite, auf der anderen Seite Drohkulissen und Machtdemonstrationen. "Das ist noch nie ein Widerspruch gewesen und das ist insbesondere bei Trumps Rhetorik kein Widerspruch", sagt Nahostexperte Gerlach mit Blick auf die Spannungen zwischen den USA und Iran.

Wir sehen ja, von einem Tag auf den anderen wechselt er das Thema diesbezüglich und auch seine Prioritäten.

Daniel Gerlach, Nahostexperte

Letztlich sei insgesamt viel "Trump-Astrologie" dabei. Die Leute versuchten, "irgendwas in ihn hineinzulesen, was er für eine große Strategie hat", so Gerlach.

Trump habe jetzt die militärischen Mittel vor Ort, "mit denen er einen solchen großen Angriff auf Iran starten kann", erklärt er. "Aber jetzt ist eben auch der Zeitpunkt, wo das Risiko immer größer wird", sich in einen wohl mehrwöchigen Krieg zu verwickeln.

Das Interview führte Nazan Gökdemir. Zusammengefasst hat es Laura Marie Mertes.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 20.02.2026 ab 00:30 Uhr.

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