Irans Atomprogramm zerstören: Motive der USA im Krieg gegen Iran

"Machtwechsel in Iran nebensächlich":Wie die USA den Krieg in Iran rechtfertigen

von Anne Sophie Feil

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Nukleare Entwaffnung, unter Zugzwang durch Israel oder doch ein Regimewechsel in Iran? Fast täglich nennt die US-Führung neue Motive für die Angriffe.

Donald Trump (M), Marco Rubio (l) und Verteidigungsminister Pete Hegseth, aufgenommen am 29.01.2026

Nahost-Experte Jan Busse bezeichnet das Vorgehen der USA gegen Iran als "strategielos".

03.03.2026 | 4:59 min

Die USA und Israel führen seit Samstag eine massive Militäroperation gegen Iran durch, der mit Gegenschlägen in der Golfregion reagiert. Nach dem Tod des geistlichen Oberhaupts des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, kündete US-Präsident Donald Trump weitere Bombardierungen an und nannte "Frieden im gesamten Nahen Osten und sogar auf der ganzen Welt" als oberstes Ziel.

USA wollen Irans Atomprogramm zerstören

Doch die große Motivation hinter der "Operation Epic Fury" scheint zu sein, das iranische Nuklearprogramm zu zerstören. Trump erklärte:

Man darf nicht zulassen, dass Iran die Atombombe bekommt.

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten

Er begründete den Schlag gegenüber der "New York Post" mit den gescheiterten Atomverhandlungen. "Wir hatten sehr ernsthafte Verhandlungen, und sie waren dabei, und dann ruderten sie zurück", so Trump. Zudem habe die US-Regierung festgestellt, dass Iran heimlich an einem "völlig anderen Standort" an der Urananreicherung arbeite. "Also war es einfach an der Zeit", erklärte der US-Präsident.

Israel bombardiert Libanon und Beirut

Nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran eskaliert nun auch der Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel erneut. Die Lage in der Golfregion spitzt sich weiter zu.

03.03.2026 | 2:26 min

Hegseth: Regime-Change nicht oberste Prioriät

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth definierte am Montag klare militärische Ziele:

Die Raketenbedrohung zerstören, die Marine zerstören, keine Atomwaffen.

Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister

Der Militäreinsatz soll Hegseth zufolge nicht notwendigerweise zu einem Machtwechsel in Teheran führen. Es sei kein klassischer "Regimewechselkrieg". "Aber das Regime hat sich tatsächlich geändert, und die Welt ist dadurch besser dran", so Hegseth.

Neue Führung in Iran laut Vance zweitrangig

Dazu, ob die USA in Iran einen machtpolitischen Wechsel anstoßen wollten, äußerte sich die US-Administration widersprüchlich. Trump rief am Samstag das iranische Volk dazu auf, "sich sein Land zurückzuholen". Er bezeichnete das getötete Oberhaupt Chamenei als "einen der bösartigsten Menschen der Geschichte".

Phoebe Gaa

Irans geistliches Oberhaupt Ali Chamenei ist nach Angriffen der USA und Israels auf Iran gestorben. "Das Regime verliert ganz klar den Mann, der alle Fäden der Macht in der Hand hatte", erklärt ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.

01.03.2026 | 2:12 min

Sein Vize JD Vance sieht den Machtwechsel hingegen distanzierter. Vance sagte dem Sender Fox News am Montag, in einer "perfekten Welt" würden die USA es begrüßen, wenn jemand in Iran an die Macht käme, der bereit sei, mit den USA zu kooperieren. Doch:

Was auch immer mit dem Regime in der ein oder anderen Form geschieht, ist nebensächlich für das vorrangige Ziel des Präsidenten, dass Iran keine Atomwaffe baut.

JD Vance, Vizepräsident der Vereinigten Staaten

Der Präsident habe das klare Ziel definiert, Iran dürfe keine Atomwaffe haben und müsse sich dazu langfristig verpflichten, so Vance. Hegseth betonte zudem, es handle sich nicht um ein "Experiment zum Demokratie-Aufbau".

Andreas Klinner im Gespräch mit Sarah Tacke

Israel steckt laut ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke in einem Dilemma: der Angriff auf Iran verstoße gegen das Gewaltverbot des Völkerrechts, doch sei Irans Atomprogramm eine latente Bedrohung.

02.03.2026 | 5:45 min

Rubio spricht von Präventivschlag im Krieg gegen Iran

US-Außenminister Marco Rubio rechtfertigt das Vorhaben als präventive Selbstverteidigung. Er sagte am Montag im Kapitol, man habe gewusst, dass Iran bei einem israelischen Angriff sofort gegen US-Streitkräfte vorgehen würde.

Die unmittelbare Gefahr bestand darin, dass wir wussten, dass Iran, wenn er angegriffen würde - und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde - sofort gegen uns vorgehen würde.

Marco Rubio, Außenminister der Vereinigten Staaten

Die USA hätten "proaktiv auf defensive Weise gehandelt", um größeren Schaden und mehr Opfer zu verhindern. Ziel sei die "Zerstörung ihrer ballistischen Raketenfähigkeiten" und die Verhinderung eines Atomprogramms.

sgs-sievers

Nach dem Völkerrecht hätten Israel und die USA Iran nicht angreifen dürfen, sagt Rechtswissenschaftler Prof. Dominik Steiger. Es sei ein Verstoß gegen das Gewaltverbot.

01.03.2026 | 4:57 min

Johnson sieht Israel als Treiber der gemeinsamen Angriffe auf Iran

Nach Darstellung von Mike Johnson, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, hat Druck von Seiten Israels maßgeblich zu der Entscheidung der USA für einen Angriff auf Iran beigetragen.

Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung.

Mike Johnson, Sprecher des US-Repräsentantenhauses

Die US-Regierung habe aufgrund dieser Entschlossenheit eine schwierige Entscheidung treffen müssen, so Johnson. Sie habe die Bedrohungen für die USA, für deren Soldaten und Einrichtungen in der Region und darüber hinaus bewerten müssen.

Hans-Jakob Schindler

Für die präzisen Schläge gegen das Regime müsse es Informanten gegeben haben, sagt Sicherheitsexperte Schindler. Anreiz könne dafür auch die schlechte Wirtschaftslage gewesen sein.

03.03.2026 | 17:52 min

Auf Basis "hervorragender Geheimdienstinformationen" seien sie zu dem Schluss gekommen, dass Iran im Fall eines Angriffs durch Israel sofort mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA reagieren würde. Er sei überzeugt, dass die US-Regierung das Richtige getan habe.

Trump schließt US-Bodentruppen im Krieg gegen Iran nicht aus

Unklarheit herrscht auch über die Dauer des Krieges. Trump sprach gegenüber CNN von etwa vier bis fünf Wochen. Der "New York Post" sagte er, die Operation liege "weit vor dem Zeitplan", da bereits 49 führende Köpfe ausgeschaltet seien.

Am 2. März 2026 steigt Rauch von einem gemeldeten iranischen Angriff in der Gegend auf, in der sich die US-Botschaft in Kuwait-Stadt befindet.

Die USA melden im Krieg gegen Iran erste Tote. US-Basen stehen unter schwerem Beschuss. Und: US-Kampfjets wurden versehentlich von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen.

02.03.2026 | 2:38 min

Gleichzeitig warnte er am Sonntag in einem Video auf Truth Social vor weiteren US-Opfern: "Leider wird es wahrscheinlich noch mehr geben, aber wir werden alles in unserer Möglichkeit liegende tun, damit es nicht so kommt."

Er habe keine Angst vor dem Einsatz von Bodentruppen, falls diese "notwendig" würden.

Mit Material von AFP, AP, dpa und Reuters.

Über dieses Thema berichteten unter anderem das heute journal update am 03.03.2026 ab 00:40 Uhr und ZDFspezial am 02.03.2026 ab 19:25 Uhr.

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