Lage in Iran: Was Menschen aus Teheran berichten

Lage in Iran:Angst und Verzweiflung: Was Menschen aus Teheran berichten

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Rund zehn Millionen Menschen leben in Teheran. Doch jetzt sind die Straßen der iranischen Hauptstadt verwaist. Viele haben das Land verlassen, andere wagen sich nicht aus dem Haus.

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Mit neuen schweren Luftangriffen in Iran hat Israel erneut auf den Führungsapparat im Land abgezielt. Auch Iran setzte seine Angriffe in der Golfregion fort.

03.03.2026 | 2:48 min

Teheran gleicht einer Geisterstadt: Die Menschen, die noch nicht aus der iranischen Hauptstadt geflohen sind, trauen sich an diesem Dienstag aus Angst vor neuen Luftangriffen kaum aus dem Haus. "Ich habe Angst, auf die menschenleeren Straßen zu gehen, weil ständig Bomben vom Himmel fallen", sagt Samireh, eine 33-jährige Krankenpflegerin.

In der Stadt, in der zuletzt rund zehn Millionen Menschen lebten, wirken die Straßen wie ausgestorben. Es sehe so aus, "als hätte hier nie jemand gelebt", sagt Samireh. "Ich muss bleiben, weil ich Krankenschwester bin", sagt sie. "Sonst hätte ich die Hauptstadt bestimmt schon verlassen."

Viele offizielle Gebäude in Teheran sind zerstört

Am Ferdowsi-Platz, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Stadtzentrum, sind viele Gebäude zerstört. In den Trümmern steckt eine iranische Flagge. An einem Gebäude in der Nähe hängt ein riesiges Bild des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei, der bei einem Angriff am Samstag getötet wurde.

Iran, Teheran: Eine Frau geht an einer zerstörten Polizeistation vorbei

Eine Frau geht an einer zerstörten Polizeistation in Teheran vorbei.

Quelle: AP

Im Norden Teherans, der eher wohlhabend ist, scheinen viele Menschen schon weg zu sein. Statt des üblichen Verkehrslärms sind Vogelgezwitscher und miauende Katzen zu hören. Cafés und Restaurants, die abends sonst immer gut besucht sind, sind geschlossen. Die wenigen Fahrzeuge, die auf den Straßen unterwegs sind, beliefern die noch geöffneten Lebensmittelgeschäfte. Menschen stehen Schlange, um Obst oder frisches Brot zu kaufen.

ZDF-Korrespondenten Thomas Reichart in Tel Aviv und Isabell Tümena in Istanbul

Am vierten Tag greifen Israel und die USA weiter Teheran an – der Iran antwortet mit Raketen und Drohnenangriffen auf amerikanische Botschaften. Thomas Reichart und Isabelle Tümena berichten.

03.03.2026 | 2:51 min

Auch Privatwohnungen in Teheran unter Beschuss

Schon den vierten Tag in Folge wird Teheran immer wieder von schweren Explosionen erschüttert, grauer Rauch steigt in den blauen Himmel. Am stärksten betroffen sind die Stadtviertel in der Innenstadt, wo sich die Gebäude der iranischen Führung befinden. Die 39-jährige Elnas sagt, es sei "schwierig", sich vor den Angriffen zu schützen - bombardiert würden auch die Privatwohnungen von Angehörigen der Sicherheitskräfte und "wir kennen nicht alle unsere Nachbarn".

Nach Beginn der Angriffe am Samstag hatten die iranischen Behörden die Menschen in Teheran per SMS zum Verlassen der Hauptstadt aufgerufen. Auch im Onlinedienst X gab es Aufrufe, die wegen der Internetblockade in Iran aber nur wenige Menschen erreichten.

Eine Überwachungssoftware am Drehkreuz einer Metro-Station erfasst die Gesichter von Menschen.

Für die brutale Verfolgung seiner Bürger bedient sich Irans Regierung leistungsfähiger Software zur Gesichtserkennung aus Russland. Das offenbart ein Datenleak.

03.03.2026 | 10:16 min

Kein Hinweis auf geplante Proteste

Die Nachrichtenagentur Reuters konnte bei Telefongesprächen mit Menschen im ganzen Land keine Hinweise dafür finden, dass es Proteste gegen die Machthaber gibt oder diese unmittelbar bevorstehen. Die USA und Israel haben seit Samstag bei Luftangriffen Hunderte Iraner getötet und die Bevölkerung aufgerufen, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Regierung durch Massenproteste zu Fall zu bringen.

Es gibt Kontrollpunkte an jeder Straße und in jeder Gasse.

Fariba Gerami, Zivilistin in Teheran

Fariba Gerami arbeitet im Norden Teherans, ihr Mann betreibt ein kleines Café. Stromausfälle und die wiederholte Unterbrechung der Trinkwasser-Versorgung seit Beginn des Bombardements hätten ihre Ängste weiter geschürt. Nachts fürchteten sie und ihre Freunde, dass Diebe in ihre Wohnungen einbrechen könnten, sagte die 27-Jährige. Die Familie wolle Iran verlassen, sobald die Sicherheitslage es zulasse. Sie machten sich aber Sorgen wegen der Sicherheit auf den Straßen.

Ein anderer Mann sprach von weit verbreiteter Zerstörung: "Wir haben viele kaputte Gebäude gesehen, besonders auf dem Weg aus dem Land." Es gebe zahlreiche Autowracks und Straßen seien nicht mehr befahrbar. "Die Menschen sind in Panik und wollen das Land verlassen. Sie wissen nicht, was sie tun sollen."

Israel bombardiert Libanon und Beirut

Nach den Angriffen der USA und Israels auf Iran eskaliert nun auch der Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel erneut. Die Lage in der Golfregion spitzt sich weiter zu.

03.03.2026 | 2:26 min

Auch Zivilisten in Iran getötet

Die Angst vor weiteren zivilen Opfern wächst auch angesichts des Angriffs auf eine Mädchenschule im Südiran in den ersten Stunden des Krieges. Behördenangaben zufolge starben dabei 150 Menschen. Die Zahl lässt sich aber nicht unabhängig verifizieren. Das Staatsfernsehen zeigte am Dienstag Bilder der Beerdigung, bei der kleine, in iranische Flaggen gehüllte Särge über eine Menschenmenge hinweg zu den Gräbern gereicht wurden.

Hassan, ein pensionierter Armeeoffizier in Nordiran, gab dem getöteten Revolutionsführer Ali Chamenei die Schuld. Dessen Atompolitik habe Iran auf Konfrontationskurs mit dem Westen gebracht. "Chamenei ist tot, aber die Folgen seines jahrelangen Starrsinns töten immer noch das iranische Volk", sagte er.
"Warum so viel Feindseligkeit gegenüber der Welt? Was hat uns dieses Atomprogramm gebracht außer Bombardement, Isolation und Elend?" 

Quelle: Reuters, AFP
Über dieses Thema berichteten mehrere ZDF-Sendungen am 03.03.2026, unter anderem die heute-Sendung ab 19:00 Uhr und das heute journal ab 21:45 Uhr.
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