Dritter USA-Besuch als Kanzler:Merz bei Trump: Fünf Erkenntnisse aus dem Treffen
Nähe im Ton, Differenzen in der Sache: Der Besuch von Kanzler Merz bei US-Präsident Trump war kurz und sagt doch viel aus, vor allem über die Grenzen der Verständigung.
Bei dem Treffen im Weißen Haus sollten Zölle im Mittelpunkt stehen, doch dann dominiert der Angriff auf Iran. Merz betont gemeinsame Interessen, aber warnt vor den Folgen des Kriegs.
04.03.2026 | 2:10 minEin fester Händedruck, ein Klaps aufs Knie und viele warme Worte. Trotz politischer Differenzen zwischen Europa und den USA - ob bei Zöllen, Grönland oder der Ukraine - scheint das persönliche Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz intakt.
Dreieinhalb Stunden verbrachte der Kanzler am Dienstag im Weißen Haus. Sein dritter Besuch als Regierungschef verlief jedoch nicht ohne Stolpersteine. Fünf Lehren aus 22 Stunden in Washington.
1. Merz und Trump können miteinander
Ein "sehr erfolgreicher Mann", ein "ausgezeichneter Anführer", der einen "großartigen Job" mache - wie schon beim Antrittsbesuch umschmeichelte Trump den Kanzler. Und er sagte, was er besonders gut an ihm findet: Dass er "ziemlich das Gegenteil" seiner Vorvorgängerin Angela Merkel (CDU) ist, mit der Trump es in seiner ersten Amtszeit zu tun hatte.
Der Kanzler scheint sich als einer von vier Lieblingseuropäern Trumps zu etablieren - neben der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.
Trotz des dominanten Themas Iran habe es der Bundeskanzler geschafft, bei Trump die für Europa wichtigen Themen Ukraine und Zölle einzubringen, sagt USA-Korrespondent Elmar Theveßen.
03.03.2026 | 5:50 min2. Trump will keine deutsche Militärhilfe gegen Iran
Die deutsche Haltung zum Iran-Krieg findet Trump "großartig" und auf Forderungen nach einer Beteiligung an der Militäraktion verzichtet er. "Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun", sagte Trump.
Merz sagte nach dem Treffen im Oval Office, es seien bisher weder aus Israel noch aus den USA irgendwelche Wünsche nach Militärhilfe geäußert worden.
Der Kanzler hatte bereits vor der Reise deutlich gemacht, dass für ihn eine militärische Beteiligung nicht in Frage komme.
Kritik an dem Angriff gegen Iran hatte er vor seiner Reise zwar vermieden, sich aber auch nicht klar dahinter gestellt und auf Risiken hingewiesen. Trumps Verständnis für die deutsche Haltung war also nicht unbedingt zu erwarten.
"Wir haben schon am Samstag ein gemeinsames Statement der E3 abgegeben", so Bundeskanzler Merz aus Washington zur Frage, wie Deutschland auf den Krieg gegen Iran blickt.
03.03.2026 | 7:03 min3. Merz nimmt europäische Partner zunächst nicht in Schutz
Harte Attacken fuhr Trump allerdings gegen Großbritannien und Spanien. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte ihm zunächst die Nutzung einer Militärbasis verweigert. Erst am Sonntagabend lenkte er ein. Trump nannte das "schockierend".
Noch härter ging er Spanien an, das den USA die Nutzung der US-Stützpunkte auf seinem Territorium für die Luftangriffe untersagte. "Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar.
Merz verzichtete auf offener Bühne darauf, die beiden Verbündeten in Schutz zu nehmen. Auf Nachfrage stimmte er sogar in die Kritik an Spanien ein - aber nur Blick auf die Weigerung des Landes, sich an das gemeinsam vereinbarte Ziel zu den Verteidigungsausgaben der Nato zu halten.
Mit einer harschen Reaktion hätte er die offene Konfrontation mit Trump riskiert. Hinter verschlossenen Türen habe er dann dagegengehalten, berichtet Merz später.
Bundeskanzler Merz ist bei US-Präsident Trump zu Besuch im Weißen Haus – Thema ist der Krieg im Iran. Merz zeigt Verständnis, während die USA mangelnde Unterstützung Europas beklagen.
03.03.2026 | 1:34 min4. Ukraine: Europa will zurück an den Verhandlungstisch
Trotz des dominanten Themas Iran habe es der Bundeskanzler geschafft, bei Trump die für Europa wichtigen Themen Ukraine und Zölle einzubringen, berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington. "Er hat nochmal den Punkt gemacht: Die Ukraine darf nicht vergessen werden vor dem aktuellen Iran-Konflikt."
Bei den Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges vermitteln die USA derzeit alleine und Europa steht an der Seitenlinie. Merz wurde gegenüber Trump deutlich:
Wir sind nicht bereit, ein Abkommen zu akzeptieren, das über unsere Köpfe hinweg verhandelt wird.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Ob Trump da mitmacht, ist allerdings offen.
5. Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gibt es keine Fortschritte
Keine Fortschritte gab es mit Blick auf den Zollstreit zwischen der EU und den USA. Trump bekräftigte seine Absicht zur Einführung eines weltweiten Zolls auf Importe in die USA von 15 Prozent. Zudem untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit, unterschiedliche Zölle für unterschiedliche Länder zu erheben.
Beim Besuch von Kanzler Merz in Washington ging es neben Iran auch um Zölle: "Für Trump sind Zölle ein Mittel, um das Handlungsdefizit zu reduzieren", berichtet ZDF-Korrespondentin Heike Slansky.
04.03.2026 | 3:00 minDem europäischen Unmut darüber versuchte Trump mit einem Witz zu begegnen. An den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt sagte er: "Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen." Der US-Präsident gab Merz dabei einen Klaps aufs Knie.
Der Kanzler schwieg zu dem Thema lieber. Überhaupt ist er wieder mit der Strategie ins Oval Office gegangen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Von den 33 Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras hatte Merz nur drei.
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