Iran-Spekulationen: Wie die CIA versucht, Regime zu stürzen

Interview

Spekulationen über Iran-Operation:Wie die CIA versucht, Regime zu stürzen

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Der US-Auslandsgeheimdienst CIA versucht immer wieder, unliebsame Regime zu stürzen. Über seine Rolle in Iran gebe es bisher aber nur Spekulationen, sagt ein Experte.

Das Wappen der Central Intelligence Agency (CIA) mit einem Adler in der Mitte

Kein US-Angriff ohne Auslandsgeheimdienst: Wie die USA die CIA für ihre Missionen im Ausland nutzen und wie der Geheimdienst arbeitet - ZDFheute live.

08.03.2026 | 20:36 min

Bei der Durchsetzung geopolitischer Interessen der USA hat eine Institution immer wieder eine Schlüsselrolle gespielt: der Auslandsgeheimdienst CIA. Vor der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei am 28. Februar soll die CIA Irans obersten Religionsführer monatelang überwacht haben.

Die Arbeit des Geheimdienstes im Verdeckten führt dabei immer wieder zu Spekulationen und Verschwörungstheorien. Im Gespräch mit ZDFheute live blickt der Geheimdienstexperte und Politikhistoriker Adrian Hänni auf die aktuelle Rolle der CIA in Iran. Er erklärt, warum manche frühere Operationen spektakulär scheiterten - und ordnet ein, wie viel Hollywood wirklich im Geheimdienstalltag steckt.

Sehen Sie das ganze Video oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Regime-Change: CIA-Operationen seit 1950ern

Die Liste der heute bekannten verdeckten Operationen der CIA mit dem Ziel eines "Regime-Changes", einer Absetzung und Verdrängung herrschender Eliten in einem Land, ist lang. Ab den 1950er Jahren hätten die USA immer wieder darauf zurückgegriffen, erklärt Hänni und verweist auf Beispiele von Guatemala 1953 bis zur Finanzierung bewaffneter Widerstandsgruppen in Syrien im letzten Jahrzehnt.

...ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte von Geheimdiensten, Terrorismus und transnationaler politischer Gewalt. Zuvor arbeitete er unter anderem an der Georgetown University in Washington und an der University of Newcastle in Australien.


Berichte, nach denen die CIA bereits vor einigen Monaten damit begonnen habe, irakische Kurden für den Kampf gegen Iran auszustatten, hält Hänni grundsätzlich für eine "plausible oder mögliche Entwicklung". Bewaffnung und Ausbildung von paramilitärischen Gruppen in den Nachbarländern seien "traditionell ein Werkzeug in der Werkzeugkiste der CIA bei Regime-Change-Operationen".

Hänni betont aber auch, dass Informationen über derartige Operationen für ihn als Außenstehenden momentan nicht verifizierbar seien:

Ob das allerdings derzeit geschieht, ist für mich reine Spekulation.

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Bürokratie statt Geheimdienstromantik

Prinzipiell könnten die von Geheimdiensten angewandten Taktiken der hybriden Kriegsführung "sehr abenteuerlich" werden, sagt Hänni. Dann ginge es etwa um Sabotage, Propaganda und Desinformation oder auch um Mordanschläge - "wie in Hollywoodfilmen". Aber: Der Großteil der Arbeit amerikanischer und anderer Nachrichtendienste sei dann "vielleicht doch sehr viel trivialer".

Es sind letztlich bürokratische Einheiten, die Berichte schreiben, die auch Abrechnungen einreichen müssen und Urlaubsanträge stellen.

Adrian Hänni, Geheimdienstexperte und Politikhistoriker

Daher gebe es eine "große Romantisierung" dessen, was Geheimdienste machen. Auch das Bild der CIA als "nicht mehr kontrollierbarer Elefant, der selbstständig durch die Weltgeschichte trampelt" sei ein "großes Missverständnis" und nicht begründet.

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CIA-Operationen scheiterten immer wieder

Begründete Zweifel gab es in der Vergangenheit hingegen am Erfolg von CIA-Geheimdienstoperationen außerhalb der USA. Hänni verweist etwa auf gescheiterte Versuche, den damaligen kubanischen Machthaber Fidel Castro in den 1960er Jahren mit Mordanschlägen zu ermorden und das Regime durch die Unterstützung von Paramilitärs und Desinformation zu stürzen.

Auch bei vielen anderen Regime-Change-Operationen sei es zu sogenannten "Blowbacks" (engl. "Rückschläge") gekommen, erklärt Hänni - also zu "nicht beabsichtigten Konsequenzen".

Viele dieser Regime-Change-Operationen haben eben letztlich dazu geführt, dass entgegen dessen, was eigentlich mit ihnen beabsichtigt worden sind, Länder oder Regionen eher destabilisiert wurden, als dass Demokratie oder Stabilität in die Region gebracht worden ist.

Adrian Hänni, Geheimdienstexperte und Politikhistoriker

Häufig hätten in der CIA die übertriebene Erwartungen teilweise dazu geführt, "dass man Operationen durchgeführt hat, die sich dann langfristig eben als kontraproduktiv erwiesen haben".

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Heute zugängliche Quellen würden zeigen, dass "eben diese langfristigen Überlegungen häufig gar nicht angestellt worden sind", sagt Hänni. Stattdessen habe man häufig "eher die kurzfristigen Überlegungen in den Vordergrund gestellt, wie man durch taktische Maßnahmen ein Regime destabilisieren und zu seinem Sturz beitragen kann".

Kommt es auch in Iran zum "Blowback"?

Den Einfluss der CIA auf den "Gang der Globalgeschichte" in den letzten Jahrzehnten sieht Hänni in den unbeabsichtigten Konsequenzen ihrer Operationen. Deshalb blickt er auch zwiespältig auf die Möglichkeiten der CIA, auf einen Regime-Change in Iran hinzuwirken. "Mein Herz ist hier ganz klar bei der iranischen Bevölkerung und der Hoffnung, dass sie endlich eine bessere Regierung erhält", sagt der Geheimdienstexperte.

Sein "Kopf als Historiker" mache ihn allerdings skeptisch, ob die CIA mit einer "verdeckten Regime-Change Operation zu mehr Demokratie und mehr Stabilität im Iran als auch im Nahen Osten beitragen kann".

Das Interview führte ZDFheute live Moderatorin Jessica Zahedi. Autor der Zusammenfassung ist Julian Vulturius.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 08.03.2026 um 13 Uhr.
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