Von Öl bis Agent Orange: Wie Kriege Umweltkatastrophen auslösen

Öl-Anlagen, Staudämme und Agent Orange:Wie Kriege immer wieder Umweltkatastrophen auslösen

Autorenfoto Nils Metzger

von Nils Metzger

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Der israelische Angriff auf die iranischen Ölreserven ist ein ökologisches Desaster. Kriege gehen oft einher mit Umweltkatastrophen. Und die Folgen sind jahrzehntelang spürbar.

Beschädigte Hotelzimmer im Beiruter Stadtteil Raouche nach einem israelischen Luftangriff.

Israels Luftwaffe hat erneut Ziele im Iran angegriffen, darunter ein Öllager in Teheran. Auch Beirut und Kuwait melden Angriffe. In Israel wurde nach iranischem Beschuss Luftalarm ausgelöst.

08.03.2026 | 0:46 min

Die israelischen Angriffe auf die nationalen Ölreserven Irans lassen in Teheran schwarzen Regen vom Himmel fallen. Neben dem menschlichen Leid sind die Bombenangriffe auch eine Katastrophe für die Natur. Kriege haben immer wieder zu schweren Umweltschäden geführt, die auch weit nach Ende der Kampfhandlungen andauern. Einige Beispiele im Überblick.

Irak: Brennende Ölquellen und trockengelegte Sümpfe

Das Wrack eines verlassenen irakischen Panzers vom typ T-62 sowjetischer Bauart steht am 02.04.1991 am Rande einer Wüstenstrasse in Kuwait während im Hintergrund ein brennendes Bohrloch des Al-Ahmadi Ölfeldes zu sehen ist. (Archivbild)

Kuwait, 1991: Ein zurückgelassener irakischer Panzer vor einer brennenden Ölquelle. (Archiv)

Quelle: dpa

Die Bilder von brennenden Ölquellen am Ende des Zweiten Golfkriegs 1991 sind berühmt - dokumentiert in Pressefotos und Dokumentarfilmen wie Werner Herzogs "Lektionen in Finsternis". Als sich ihre Niederlage abzeichnete, zündeten irakische Truppen auf dem Rückzug aus Kuwait Hunderte Ölquellen an; das Löschen dauerte Monate. Riesige Öl-Seen verpesteten den Wüstensand und Wasserreserven.

Es war nicht das einzige menschengemachte Umweltdesaster, das Diktator Saddam Hussein anordnete. Ein von den USA 1991 angestachelter Aufstand gegen Hussein scheiterte; in Folge ging die irakische Regierung brutal gegen die Bevölkerungsgruppen und Landesteile vor, die sich aufgelehnt hatten. Große Teile der ökologisch einzigartigen Sumpfgebiete im Süden des Landes wurden gezielt trockengelegt, Hunderttausende der dort lebenden Ahwari-Minderheit getötet oder vertrieben. Die Maßnahmen zur Renaturierung dieses Unesco-Weltnaturerbes dauern bis heute an.

Das Wappen der Central Intelligence Agency (CIA) mit einem Adler in der Mitte

Kein US-Angriff ohne Auslandsgeheimdienst: Wie die USA die CIA für ihre Missionen im Ausland nutzen und wie der Geheimdienst arbeitet - ZDFheute live.

08.03.2026 | 20:36 min

Ukraine: Die Sprengung des Kachowka-Staudamms

Am 6. Juni 2023 zerstörte eine Explosion den zu der Zeit von russischen Truppen kontrollierten Kachowka-Staudamm. Die folgende Flutwelle überschwemmte zahlreiche Ortschaften und landwirtschaftliche Gebiete entlang des Flusses Dnipro.

Vorher-Nachher-Satellitenbild vom Kachowka-Staudamm in der Ukraine. Vorher sieht man ein normales Siedlungsgebiet, nachher überflutete Häuser.

Satellitenaufnahmen vom 15. Mai 2023 (vor Dammbruch) und vom 7. Juni 2023 (danach) zeigen das Ausmaß der Zerstörung kurz nach der Katastrophe.

Quelle: Maxar Technologies/AFP

Ein UN-Bericht zählt auf, wie vielfältig die Folgen sind: "Viele der Schäden um den Kachowka-Stausee werden sehr wahrscheinlich irreversibel sein." Tausende Quadratkilometer an Feuchtgebieten seien ausgetrocknet. Lager für Chemikalien, Treibstoffe und Düngemittel seien vom Wasser zerstört worden und hätten große Gebiete verseucht.

Der Stausee war auch Teil der Wasserversorgung des Atomkraftwerks von Saporischschja. Experten zweifeln, ob eine vollständige Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks nun überhaupt möglich ist, was für die Energiesicherheit der Ukraine ein weiterer Rückschlag ist.

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Seit einer Woche greifen die USA und Israel Iran an. Nun droht US-Präsident Trump Iran mit einer Ausweitung der Angriffe. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen ordnet ein.

07.03.2026 | 2:12 min

Auch darüber hinaus ist der Ukraine-Krieg überaus schädlich für die Umwelt. Sowohl Russland wie auch die Ukraine attackieren die gegenseitige Energieinfrastruktur; regelmäßig brennen in Russland Pipelines, Öllager oder Raffinerien nach ukrainischen Angriffen.

Allein die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines führte laut Umweltbundesamt zu Emissionen von circa 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, rund ein Prozent der jährlichen Gesamtemissionen Deutschlands. Schiffe der russischen Schattenflotte lösten bereits mehrfach eine Ölpest aus.

Vietnam: Das Entlaubungsmittel Agent Orange

Auf einem vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten Foto vom Mai 1966 fliegt eine C-123 der US-Luftwaffe tief über eine südvietnamesische Autobahn und versprüht Entlaubungsmittel auf den dichten Dschungelbewuchs neben der Straße, um während des Vietnamkrieges Verstecke der Vietcong zu zerstören.

Vietnam, 1966: US-Flugzeuge versprühen das Entlaubungsmittel "Agent Orange".

Quelle: AP

Die dichte Vegetation war für die US-Truppen im Vietnamkrieg ein konstantes Problem. Um der Vietcong-Miliz Gebietskontrolle und Versorgung mit Lebensmitteln zu erschweren, setzten die USA im Rahmen der Operation "Ranch Hand" große Mengen an Entlaubungsmitteln und Unkrautvernichtern ein. Zwischen 1962 und 1971 verteilten die USA geschätzt 73 Millionen Liter an Chemikalien über Vietnam, rund 45 Millionen Liter davon Agent Orange.

Die Pflanzengifte wurden in einer enorm hohen Konzentration versprüht und bis heute sind Pflanzen- und Tierwelt in Teilen Vietnams davon beeinträchtigt. Auch bei Menschen sind die Spätfolgen bis heute spürbar, etwa durch eine hohe Zahl an Fehlbildungen bei Neugeborenen oder erhöhten Krebsraten. Auch US-Soldaten sind davon betroffen. Über die genauen Zahlen der Opfer, Schätzungen gehen in die Hunderttausende, gibt es seit Jahrzehnten Streit zwischen der US-Regierung und Vietnam.

Israel, Tel Aviv: Israelische Ersthelfer treffen am Schadensort in Tel Aviv ein, nachdem iranische ballistische Raketen als Vergeltung für koordinierte US-amerikanisch-israelische Luftangriffe Teile der Stadt getroffen haben.

Seit einer Woche greifen die USA und Israel Iran an. Teheran kontert - auch in der Golfregion. Und im Libanon attackiert Israel nach eigenen Angaben die Terror-Miliz Hisbollah.

07.03.2026 | 2:14 min

Ostsee: Verklappung von Chemiewaffen

Rund 1,6 Millionen Tonnen alte Munition liegen laut Bundesumweltministerium auf dem Grund von Nord- und Ostsee. Etwa 40.000 bis 60.000 Tonnen davon sind Chemiewaffen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Ostsee verklappt wurden. Viele der deutschen Bestände wurden damals am Skagerrak vor der norwegischen Küste oder nahe der dänischen Insel Bornholm versenkt.

Ein Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel nähert sich in der Kolberger Heide in der Ostsee einem versenkten Munitionsrest

Alte Munition am Grund der Ostsee in der Kieler Bucht: Ein Taucher vom Forschungstauchzentrum der Universität Kiel sammelt Informationen. (Archiv)

Quelle: pa/dpa-Bildfunk

Was damals als einfache und günstige Lösung galt, entpuppt sich inzwischen als teures Problem. Metallbehälter rosten durch, manche Zünder werden unsicher und chemische Bestandteile zerfallen.

Die Gefahr von großen Detonationen unter Wasser ist zwar gering, aber seit Jahren werden bei Fischen in der Region erhöhte Krebsfälle oder Ablagerungen von Giftstoffen wie Arsen festgestellt. Eine Bergung von Tausenden Tonnen Gasgranaten und ähnlichem wäre ebenso gefährlich und enorm aufwändig.

Zusätzlich zu den seit Jahren laufenden Projekten zur Vernichtung von Altmunition hat die Bundesregierung 2024 ein Sofortprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro zur Beseitigung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee gestartet.

obere Bildhälfte Küste an der Ostsee mit Leuchtturm und Seegras, unteren Bildhälfte Unterwasseraufnahme mit verrosteter Munition

Alte Bomben, auch Chemiewaffen, wurden am Ende des Zweiten Weltkrieges im Meer und in Seen versenkt. Jetzt müssen sie geborgen werden - ein lebensgefährlicher Job!

21.11.2025 | 13:05 min

Umweltzerstörung findet oft über langen Zeitraum statt

Umweltkatastrophen in Folge von Krieg sind kein modernes Phänomen, die Geschichte ist voller vergleichbarer Ereignisse - bis zurück in die Antike.

Häufig ist es auch nicht ein einzelnes Ereignis, sondern eine langfristige Entwicklung. Denn mit Konflikten einher gehen oft Armut, Unterdrückung oder der Zusammenbruch staatlicher Strukturen. Beides zieht häufig auch eine Zunahme an Umweltzerstörung nach sich.

Die systematische Vernichtung von Acker- und Weideland in den Bürgerkriegen Sudans oder den internen Konflikten Nigerias gehören zu einem vollständigen Bild genauso dazu wie Umweltzerstörung durch von Milizen kontrollierte Minen für seltene Erden oder Metalle vom Kongo bis Myanmar.

Über das Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Angriffe treffen Ölanlagen in Teheran" am 07.03.2026 um 22:35 Uhr.

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