Lieferengpässe und Energiekrise:Iran-Krieg: Drei Probleme für Deutschlands Chemie-Branche
von Heiko Rahms
Die Sperrung der Straße von Hormus unterbricht auch deutsche Lieferketten. Steigende Preise für Energie und Transport treffen die exportorientierte Industrie hart.
Steigende Öl-, Gas- und Spritpreise, Börsen unter Druck. Vor allem die Blockade der Straße von Hormus seitens des Iran hat Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.
11.03.2026 | 6:44 minDeutsche Chemie-Unternehmen haben schon jetzt zu kämpfen. So kann der Kölner Chemiekonzern Lanxess seine Werke nicht mehr ausreichend auslasten und muss deshalb sparen. 550 Stellen sollen abgebaut werden, die meisten davon in der Verwaltung, so der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert bei der Bilanzvorlage am Donnerstag.
Auch BP kämpft mit den Marktbedingungen und hat daher seine Raffinerie in Gelsenkirchen an einen US-amerikanischen Investor verkauft.
Dazu kommt jetzt die Sperrung der Straße von Hormus. Es ist völlig unklar, wann Schiffe wieder durchfahren können. Das trifft auch die chemische Industrie. Sie ist besonders wichtig, da sie Vorprodukte herstellt, auf die andere Industriezweige nur schwer verzichten können. Die Chemiebranche steht aus drei Gründen besonders unter Druck.
Nur wenige Öl- und Gastanker passieren derzeit die von Iran blockierte Straße von Hormus. US-Präsident Trump fordert Unterstützung aus Europa, doch viele Staaten stellen sich gegen seinen Kurs.
17.03.2026 | 2:18 minZeitdruck: Lieferausfälle können kurzfristig nicht ersetzt werden
Die Zeit wird knapp. Der Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, Wolfgang Große Entrup, warnt: "Es wird Preissteigerungen und Engpässe geben, weil substantielle Chemikalien fehlen - entweder aus dem Nahen Osten oder aus Asien. Die Situation belastet vor allem unsere Mittelständler, weil viele kurzfristig keine Chance haben, ihre Rohstoffbasis umzustellen."
Noch sind Schiffe mit neuen Rohstofflieferungen unterwegs. Das liegt an den langen Transportwegen aus China oder anderen Ländern. Sechs bis acht Wochen kann so eine Fahrt dauern. Doch es fahren nur wenige neue Schiffe aus dem Nahen Osten oder China los und das liegt nicht nur an der Sperrung der Straße von Hormus.
Der Krieg in Iran treibt weltweit die Energiepreise nach oben. An deutschen Tankstellen zeigt sich das deutlich - auch bei Diesel für Landwirte. Zusätzlich steigen die Kosten für Dünger.
20.03.2026 | 1:50 minChina und Indien drosseln Ausfuhren zum Schutz eigener Wirtschaft
Durch die Störung der globalen Handelsketten versuchen viele Länder zuerst ihre eigene Wirtschaft zu schützen. Das gilt auch für deutsche Handelspartner wie China und Indien.
China hat die Ausfuhr raffinierter Ölprodukte stark eingeschränkt und zusätzlich die Düngemittelexporte weiter verschärft.
Dr. Anna Wolf, Ifo-Institut
Das sei besonders relevant, weil China auch ein sehr großer Produzent von Harnstoff, Phosphat- und Mischdüngern sei. "Indien hat bislang zwar keinen generellen Exportstopp wie China verhängt, priorisiert aber vor allem bei der Gas- und Düngemittelversorgung den eigenen Binnenmarkt", erklärt Wolf.
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind auch Diesel- und Benzinpreise stark hochgegangen. Blockierte Transportwege und brennende Öldepots wirken sich auf die Energiepreise aus, Beispiel Frankreich.
09.03.2026 | 1:27 minHohe Energiepreise - trotz Ölreserve
Wolf hält die Versorgung mit Rohöl und Gas, also den wichtigsten Rohstoffen für die Chemie, in Deutschland für relativ sicher, weil es sein Gas und Rohöl nicht überwiegend direkt aus dem Nahen Osten bezieht. Aber das helfe nur begrenzt, denn die Preise steigen weltweit. "Hinzu kommt, dass Deutschland Öl- und Gasvorräte hat, allerdings schützt die 90-Tage-Ölreserve in erster Linie die allgemeine Energie- und Treibstoffversorgung, aber nicht automatisch die Chemieproduktion."
Bei speziellen Betriebsstoffen verfügen zwar die Unternehmen und Händler über eigene Speicher- und Betriebsvorräte, aber es gebe keine bundeseinheitliche strategische Reserve, kritisiert Wolf.
Durch die Blockade der Straße von Hormus ziehen die Energiemarkt weltweit an. Obwohl Deutschland den Großteil seines LNG nicht aus Nahost bezieht, steigen auch hier die Preise.
16.03.2026 | 2:21 minWolf: Europa muss sich stärker absichern
Die Krise der Chemiebranche könnten Verbraucher zuerst im Supermarkt bemerken. Hier können höhere Öl-, Energie- und Transportkosten schnell auf die Preise durchschlagen. Doch es gibt auch einige deutsche Gewinner. Während die deutsche Grundstoffchemie in erheblichem Maß unter den hohen Preisen leide, könnten Teile der Spezialchemie sogar profitieren. Ihre Produkte seien individueller und hätten daher weniger globale Konkurrenz, sagt Wolf.
Außerdem zeige sich auch bei dieser Krise, dass wichtige industrielle Anwendungen und verteidigungsrelevante Bereiche in Europa stärker abgesichert werden müssen. Und das sei gut für die deutsche Chemiebranche.
Heiko Rahms berichtet aus dem ZDF-Studio in Nordrhein-Westfalen.
Mehr zu den Auswirkungen des Iran-Kriegs
Von Preisdeckeln bis Verkaufs-Limits:Benzin & Diesel: So reagiert das Ausland auf die Spritpreise
mit Video1:14Stark gestiegene Spritpreise:Preissprung an der Zapfsäule: Reicht das Koalitionspaket?
mit Video1:14- FAQ
Bundestag berät über hohe Energiekosten:Debatte um Übergewinnsteuer - wer zahlt die Krisen-Zeche?
von Oliver Kleinmit Video0:23 Mehr Baugenehmigungen erteilt:Wohnungsbau: Iran-Krieg gefährdet den Aufwärtstrend
mit Video0:40