Jemen-Krieg: Wie der Machtkampf am Roten Meer den Huthi nutzen

Krieg im Jemen:Wie der Machtkampf am Roten Meer den Huthi-Rebellen nutzt

von Lena Jenschar

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Am Roten Meer geraten frühere Verbündete aneinander. Der Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten verschärft den Krieg im Jemen - und stärkt so die Huthi-Miliz.

Nahost-Experte Gerlach

Im Jemen hat Saudi-Arabien mutmaßliche Waffenlieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten angegriffen. Eine Eskalation könnte laut Nahost-Experte Gerlach auch geopolitische Folgen haben.

30.12.2025 | 14:47 min

Am Roten Meer, einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt, prallen zurzeit verschiedene geopolitische Interessen aufeinander. Wie zuletzt zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die eigentlich gemeinsam gegen die Huthi-Rebellen im Jemen kämpfen.

Der von den Emiraten unterstützte Südliche Übergangsrat (STC), der den Jemen teilen will, startete im Dezember eine Offensive. Die Separatisten nahmen Teile der ölreichen Provinzen Hadramaut und Al-Mahra ein und verdrängten jemenistische Regierungstruppen, die von Saudi-Arabien unterstützt werden. Deren Militärkoalition reagierte mit Gegenangriffen - und gewannen die Gebiete vom STC zurück.

Expertin: Spannungen stärken Huthi-Miliz

Die Spannungen innerhalb der Anti-Huthi-Koalition nutzen den Rebellen, die den Norden des Jemen besetzt halten, sagt Jemen-Forscherin Fatima Abo Alasrar vom Thinktank Middle East Institute in Washington.

Die Terror-Miliz sei zwar insgesamt geschwächt, aber der Disput zwischen Saudi-Arabien und den VAE stärke ihr eigenes Narrativ, wonach es externen Akteuren an Souveränität und Handlungsfähigkeit mangle. Die Expertin betont:

Jede Art von Spaltung ihrer Gegner bestärkt sie darin, die bessere Alternative zu sein.

Fatima Abo Alasrar, Jemen-Forscherin

Menschen in Sana im Jemen hören eine Ansprache über eine Leinwand.

Die Situation im Jemen spitzt sich weiter zu. Während die Vereinigten Arabischen Emirate die jemenitische Regierung unterstützt, kontert Saudi-Arabien mit Luftangriffen.

30.12.2025 | 0:26 min

Iran nutzt Huthi für politischen Einfluss

Iran unterstützt die Rebellen im Jemen seit Jahren und nutzt sie, um den eigenen Einfluss in der strategisch wichtigen Region auszubauen und den der Amerikaner, Saudis und Israelis einzudämmen.

Für Iran erfüllen die Huthi dabei eine zentrale sicherheitsstrategische Funktion. Denn die Miliz ermöglicht es der Islamischen Republik, ihre Interessen zu vertreten und Druck auf Rivalen auszuüben, ohne selbst militärisch aktiv zu werden. Trotz gemeinsamer Interessen innerhalb ihrer "Achse des Widerstands" gegen den Westen und Israel betont die Miliz ihre Eigenständigkeit.

Israelische Kampfflugzeuge greifen den Präsidentenpalast und Kraftwerke im Jemen an

Als Reaktion auf Angriffe der Huthi hat Israel Mitte August 2025 Stellungen der Miliz im Jemen aus der Luft angegriffen. Ziele waren militärische Einrichtungen und ein Treibstofflager.

25.08.2025 | 0:59 min

USA verhängen Sanktionen gegen Helfer der Huthi

Erst vor wenigen Tagen verhängten die USA neue Sanktionen gegen Netzwerke, die die Huthi finanziell und mit Waffen unterstützen. Nach Angaben des US-Finanzministeriums verkauft Iran über Firmen mit Sitz in den Emiraten Öl an die Miliz und liefert demnach teilweise auch kostenlos. Durch illegale Ölverkäufe erziele die Miliz jährlich Einnahmen von über zwei Milliarden US-Dollar, so die Amerikaner.

Expertin Abo Alasrar betont jedoch die Durchhaltefähigkeit der Miliz:

Die Huthi haben gelernt, sich anzupassen, Isolation und Sanktionen zu überleben.

Fatima Abo Alasrar, Jemen-Forscherin

Ein durch die Huthi-Miliz versektes Handelsschiff

Die mit der Hamas verbündete Huthi-Miliz hat Mitte Juli 2025 im Roten Meer vor der Küste Jemens ein Handelsschiff versenkt. Von den 25 Besatzungsmitgliedern konnten sechs gerettet werden.

10.07.2025 | 0:20 min

Saudis und Emirate unterstützen verschiedene Seiten

Seit mehr als zehn Jahren dauert der Bürgerkrieg im Jemen nun an. 2015 intervenierten Saudi-Arabien und die Emirate als Verbündete gemeinsam, um die von Iran finanzierte Huthi-Miliz zu bekämpfen.

Abu Dhabi und Riad unterstützen jedoch unterschiedliche Seiten: Die Emirate stützen den 2017 gegründeten separatistischen Südlichen Übergangsrat (STC), der nach einer Teilung des Jemen strebt. Im Südjemen geht es ihnen primär um die Sicherung von Häfen, um sich als See- und Handelsmacht am Roten Meer zu etablieren.

Saudi-Arabien fordert indes ein geeintes Jemen unter international anerkannter jemenitischer Regierung. Für das Königreich hat die Zerschlagung der Huthi oberste Priorität, zum einen um den Einfluss Teherans in der Region einzudämmen und zum anderen um weitere Instabilität an seiner Südgrenze zu verhindern. Sebastian Sons, Experte für die Golfregion bei der Bonner Denkfabrik Carpo, betont:

Saudi-Arabien will keine neuen Staaten oder neue Akteure, die möglicherweise nicht kontrollierbar sind.

Sebastian Sons, Golfregion-Experte

Grafik, Karte: Saudi-Arabien, Jemen

Quelle: ZDF

Zeichen stehen auf Deeskalation

Am 30. Dezember 2025 hatte Saudi-Arabien einen Hafen bombardiert, mit der Begründung die Emirate hätten Waffen an die Separatisten geliefert. Die VAE zogen schlussendlich seine verbliebenen Truppen aus dem Land ab.

Nach dem Bruch der einstigen Partner stehen die Zeichen vorerst auf Deeskalation. Dennoch sei es für die maritime Strategie der Emirate essentiell, die eigenen Interessen im Jemen weiterhin zu wahren, sagt Experte Sons.

Rund zwölf Prozent des globalen Handelsvolumens passieren das Rote Meer. Für den Warenverkehr zwischen Asien und Europa ist es der zentrale Seeweg - die Alternative um das Kap der Guten Hoffnung ist rund 6.000 Kilometer länger. Die Route gilt jedoch als Risikogebiet, da die Huthi-Miliz immer wieder Containerschiffe angreift.

Wie sich der komplexe Krieg im Jemen weiter entwickelt, bleibt abzuwarten. Die langjährige Fragmentierung des Landes, mit den Huthi im Norden und rivalisierenden Interessen im Süden, erschwert weiterhin eine Stabilisierung. Die Huthi bleiben trotz Schwäche ein zentraler Faktor.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live in der Sendung am 30.12.2025 um 14:47 Uhr.
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