Waffenruhe zwischen USA und Iran:Experte: Trumps Drohungen waren "ein großes Theater"
Daniel Gerlach hält Trumps jüngste Drohungen gegen Iran für "ein großes Theater". Das erschwere die Verhandlungen und sei für die USA ein großes Problem, sagt der Nahost-Experte.
„Die Straße von Hormus ist der entscheidende Faktor“, sagt Nahost-Experte Daniel Gerlach. Iran werde versuchen, aus der wirtschaftlichen Situation „maximales Kapital zu schlagen“.
08.04.2026 | 5:46 minAnfang der Woche noch hatte US-Präsident Donald Trump der iranischen Führung mit der "Auslöschung einer ganzen Zivilisation" gedroht - doch dann die Einigung: Die USA und Iran haben sich unter Vermittlung Pakistans auf eine zweiwöchige Feuerpause verständigt. Die vereinbarte Waffenruhe sieht auch die Öffnung der Straße von Hormus vor. In Islamabad sollen die Kriegsparteien am Ende der Woche zu Verhandlungen zusammenkommen.
Der Nahost-Experte Daniel Gerlach zweifelt daran, ob der 10-Punkte-Plan, der Grundlage für die Gespräche zwischen den USA und Iran sein soll, "überhaupt existiert". So seien auch die voneinander abweichenden Interpretationen aus Teheran und Washington zu erklären, sagt der Chefredakteur des Fachmagazins Zenith, das sich mit der arabisch-islamischen Welt beschäftigt.
Im ZDF heute journal spricht er über die aktuelle Lage der Verhandlungen im Iran-Krieg, die Druckmittel des Mullah-Regimes und erklärt, warum Trumps Drohungen gegen Iran "ein großes Theater" sind.
... ist Experte für den Nahen Osten und Nordafrika. An der Universität Hamburg studierte er Geschichte und Islamwissenschaft. Heute ist Gerlach als Publizist, Autor und Chefredakteur des Fachmagazins "zenith" tätig, das sich mit der muslimisch geprägten Welt beschäftigt.
Sehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Daniel Gerlach zu...
... den unterschiedlichen Interpretationen der Waffenruhe
"Man muss sich schon die Frage stellen, ob dieser 10-Punkte-Plan, der in verschiedenen Versionen vorliegt, überhaupt existiert." Es handle sich dabei vermutlich eher um "mündliche Vereinbarungen und Zusagen", die von den Konfliktparteien unterschiedlich interpretiert werden, sagt Gerlach.
Das würde vielleicht sogar Sinn machen, weil wir es hier noch nicht mit einem Waffenstillstand zu tun haben, schon gar nicht mit irgendeinem Friedensvertrag, sondern mit einer Waffenruhe.
Daniel Gerlach, Nahost-Experte
"Eine Waffenruhe, von der die iranische Führung gesagt hat, dass sie die gar nicht akzeptieren würden." Er gehe davon aus, dass die Details der Vereinbarung erst in den nächsten Wochen geklärt werden, "aber sie trotzdem von allen Seiten so groß angekündigt werden, weil alle Seiten eine solche Vereinbarung so dringend brauchen".
Bomber der US Air Force waren schon in der Luft, als US-Präsident Trump sie kurz vor Ablauf des Ultimatums stoppte. Unklar bleibt, was die Waffenruhe mit dem Iran konkret heißt.
08.04.2026 | 3:10 min... den Druckmitteln der iranischen Führung
Nach Einschätzung des Nahost-Experten hat die Frage nach der Menschenrechtslage in Iran für Trump "von Anfang an keine Rolle, zumindest keine vorrangige Rolle, gespielt". "Ich denke tatsächlich, die weltwirtschaftliche Situation und die Straße von Hormus sind hier der ganz entscheidende Punkt, und das wissen die Iraner sehr genau."
Und deswegen werden sie versuchen, daraus den maximalen Druck zu schöpfen und eben auch maximales Kapital zu schlagen.
Daniel Gerlach, Nahost-Experte
Das iranische Raketenprogramm und die militärischen Kapazitäten Irans seien aufgrund des Krieges sehr eingeschränkt und geschwächt. "Aber die Straße von Hormus ist der entscheidende Faktor und diesen Druck und diese Kontrolle über die Straße von Hormus möchte Iran jetzt gerne legalisieren und darüber eine internationale Vereinbarung finden, die ihren eigenen Interessen entsprechen", erklärt Gerlach.
Iran und die USA haben eine vorübergehende Waffenruhe vereinbart. Die ZDF-Korrespondenten Phoebe Gaa, Elmar Theveßen und Thomas Reichart erläutern die Hintergründe.
08.04.2026 | 4:09 min... den Drohungen des US-Präsidenten gegen Iran
Mit Blick auf Trumps jüngste Drohungen gegen Teheran sieht der Experte einen Täuschungsversuch des US-Präsidenten. Trump sei zwar unberechenbar, aber es spreche sehr viel dafür, dass er mit seinen Drohungen die Öffentlichkeit täuschen wollte. Er habe sie ausgesprochen, "obwohl er eigentlich schon wusste, dass es eine grundsätzliche Vereinbarung gibt". "Das spricht also dafür, dass Trump schon wusste, dass die Iraner in diesem Punkt zumindest einlenken würden und einer Waffenruhe für Verhandlungen zustimmen würden."
Ich glaube, dass wir hier ein großes Theater erlebt haben.
Daniel Gerlach, Nahost-Experte
Der US-Präsident habe gedroht, um danach behaupten zu können, Teheran habe aufgrund des massiven Drucks eingelenkt. "Ich denke, das ist völlig unstrittig", betont Gerlach. "Und das erklärt auch, warum das natürlich für die Verhandlungen sehr, sehr schwer sein wird." Denn was nun im Detail verhandelt werde, "wäre in jedem Fall bisher schon schlechter als das, was die Amerikaner vor dem Krieg hatten. Und das ist für die USA ein größeres Problem."
Das Interview führte Dunja Hayali, zusammengefasst hat es Niklas Landmann.
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