Mögliche US-Pläne in Iran:Experte: Statt Bodenoffensive Eroberung von Inseln denkbar
Plant Donald Trump eine Bodenoffensive gegen Iran oder bleibt es bei begrenzten Militärschlägen? Sicherheitsexperte Nico Lange ordnet die aktuellen Optionen der USA ein.
Die USA hätten sich “militärische Optionen geschaffen“, berichtet der Sicherheitsexperte Nico Lange. Dazu gehört “vor allem weiter bombardieren“ – vielleicht aber auch Landungstruppen.
31.03.2026 | 5:10 minVor fünf Wochen haben die USA und Israel den Angriff gegen Iran begonnen, immer wieder löst US-Präsident Donald Trump seither auch Spekulationen über eine mögliche Bodenoffensive aus. Im ZDF-Morgenmagazin ordnet Sicherheitsexperte Nico Lange die aktuelle Lage im Konflikt ein. Dabei geht es vor allem um die militärischen Optionen Washingtons und die Frage, wie realistisch ein größerer Einsatz tatsächlich ist.
Sehen Sie oben im Video das Interview in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.
1. Welche militärischen Optionen haben die USA aktuell?
Durch die Verlegung von Truppen in die Region hätten sich die USA "militärische Optionen" geschaffen, so Nico Lange. Und:
Zu diesen Optionen gehört, jetzt weiter zu bombardieren.
Nico Lange, Sicherheitsexperte
Man dürfe weder “den Willen der iranischen Machthaber“ noch “die Bereitschaft, das eigene Volk in den Kampf zu schicken, unterschätzen“, so ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Istanbul.
31.03.2026 | 3:10 minBei den verfügbaren Bodentruppen handle es sich jedoch nur um begrenzte Kräfte. Zwar werde über Bodentruppen gesprochen, ein Blick auf deren Anzahl - etwa Luftlandetruppen und amphibische Einheiten mit wenigen tausend Soldaten - zeige jedoch, dass "hier nur von kleinen Operationen die Rede sein" könne.
Da kann man keine große Offensive starten, aber die Optionen werden ganz sicher vorbereitet - für zum Beispiel Operationen auf Inseln.
Nico Lange, Sicherheitsexperte
2. Welche konkreten Einsätze sind realistisch?
Realistische militärische Einsätze der USA seien vor allem auf kleinere, begrenzte Ziele ausgerichtet, so Lange. Mit den vorhandenen Truppen könne man "keine Operation starten", um größere Ziele wie etwa die Insel Kharg zu kontrollieren. Diese liege "sehr weit hinter der Straße von Hormus" - ein solcher Einsatz wäre zu aufwendig und gefährlich. Stattdessen könnte es aus Sicht Langes eher um kleinere Inseln gehen, die direkt in der Straße von Hormus liegen.
Grafikvideo zur Bedeutung der Meerenge
18.06.2025 | 1:13 minDiese Inseln seien strategisch wichtig, da sich dort iranische Militäranlagen befänden. Von dort aus störe Iran den Schiffsverkehr, etwa durch "elektronische Kampfführung" oder Angriffe mit "kleinen Booten, mit Drohnen, möglicherweise auch mit Raketen". Ein realistisches Ziel solcher Einsätze wäre es daher, diese Inseln unter Kontrolle zu bringen.
Es geht also nicht um eine große Bodenoffensive, sondern es geht möglicherweise um die Kontrolle von diesen Inseln und damit der Straße von Hormus.
Nico Lange, Sicherheitsexperte
Allerdings, so Lange, kenne Iran die Positionen dieser Inseln genau und wäre daher in der Lage, "alle Drohnen und Raketen genau dahin" zu schicken.
"Trump hat alle Elemente vor Ort, die er braucht, um solche Bodentruppen zu befehlen", so ZDF-Washington-Korrespondent Elmar Theveßen zu einer möglichen Bodenoffensive auf den Iran.
30.03.2026 | 3:13 min3. Welche Ziele verfolgt Donald Trump - und wie realistisch sind sie?
Trump habe ursprünglich gehofft, durch militärische Schläge einen politischen Durchbruch zu erzielen, so Lange. Konkret habe er darauf gesetzt, "dass wenn er einen Enthauptungsschlag durchführt und viele militärische Ziele zerstört im Iran", sich die nachfolgende Führungsebene des Regimes auf Verhandlungen einlasse und "sozusagen unterordnet".
Das sei jedoch problematisch, denn:
Donald Trump denkt, jeder möchte Deals machen und denkt an persönliche Gewinne. Er versteht ideologische Motivation nicht und hat deswegen ein großes Problem, weil er nicht weiß, wie er jetzt mit den Machthabern im Iran verhandeln soll. Er versteht schlicht und einfach nicht, was sie antreibt.
Nico Lange, Sicherheitsexperte
Trumps Strategie wirkt uneinheitlich. Laut Lange probiert er "viele Dinge" aus, weil er keinen klaren Weg sieht, sein Ziel zu erreichen. Letztlich gehe es ihm weiterhin darum, dass sich die iranische Führung auf einen Deal einlasse. Doch: "Es gibt eigentlich keine guten militärischen Optionen mehr."
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Die Fragen stellte Dunja Hayali. Zusammengefasst hat das Interview Finia Zoé Dienst.
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