Trumps Abschiebepolitik: Wie ICE-Haftzentren organisiert sind

Analyse

US-Abschiebepolitik unter Trump:Wie ICE-Haftzentren organisiert sind

von Laura Marie Mertes, Washington D.C.

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Hunderttausende Migranten geraten in den USA in ICE-Haft. Wie die Abschiebezentren organisiert sind und welche Rolle sie in Trumps Migrationspolitik spielen.

ICE-Abschiebezentren in Kalifornien (USA)

ICE-Abschiebezentrum in Kalifornien. Die sogenannten Detention Centers verbreiten in den USA Angst und Schrecken.

Quelle: AP

"Wir werden damit beginnen, Millionen und Abermillionen von Ausländern in die Länder zurückzuschicken, aus denen sie gekommen sind." Das sagte Donald Trump beim Antritt seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident am 20. Januar 2025. Und ganz in Trump-Manier: "Wir werden es auf einem Niveau tun, das noch niemand zuvor gesehen hat." Diese "Millionen und Abermillionen" beschrieb er schon während des Wahlkampfs immer wieder als angebliche "Kriminelle".

Seine Absicht der massenweisen Abschiebungsverfahren setzt er um, seine Instrumente: das U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE), das als nachgeordnete Behörde des US-Heimatschutzministeriums (DHS) für die Durchsetzung des Einwanderungsrechts im Landesinneren zuständig ist, und ein landesweites, unter Trump stark ausgeweitetes Netzwerk aus Hunderten Haftanstalten - die sogenannten ICE Detention Centers. Diese Abschiebeeinrichtungen geraten immer wieder in die Schlagzeilen - wegen der Menschen, die dort landen und den Bedingungen, denen sie vor Ort ausgesetzt sind.

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Erschreckende Erfahrungsberichte über Haftbedingungen

Das Eindringen ohne Durchsuchungsbefehl in das eigene Zuhause, abgefangen werden auf dem Weg zur Arbeit oder beim Einkaufen. Es trifft auch Menschen, die versuchen, das Einwanderungssystem korrekt zu durchlaufen, die routinemäßige Termine im Einwanderungsgericht wahrnehmen wollen.

Menschen ohne Vorstrafen, mit nur geringfügigen Vergehen, Menschen, die auf Asyl hofften. Erwachsene. Familien. Kinder. Überfüllte Zellen, katastrophale Hygiene, schlechte medizinische Versorgung, verschimmeltes Essen, Demütigungen durch Wachen. Ihre Berichte lassen erahnen, wie es in ICE-Haft zugeht.




Es sind Erfahrungen, die nicht alle, aber doch viele machen. Wie kann es zu solchen Bedingungen kommen? Ein Blick hinter das System der ICE Detention Centers.

Zu den Aufgaben von ICE gehört offiziell die Festnahme von Personen, die gegen Einwanderungsbestimmungen verstoßen haben oder ein laufendes Verfahren abwarten, ebenso wie ihre Inhaftierung und mögliche Abschiebung.

Menschen gelangen auf unterschiedlichen Wegen in ICE‑Gewahrsam: etwa durch Aufgriffe der Grenzschutzbehörde CBP, durch Festnahmen im Landesinneren durch ICE selbst oder durch die Übernahme aus lokalen Gefängnissen. ICE entscheidet, ob eine Person unter Auflagen freikommt oder in ein Detention Center überstellt wird.

Viele dieser Einrichtungen werden von privaten Unternehmen oder lokalen Behörden betrieben. Die übergeordnete Verantwortung für Verträge, Standards und Kontrolle bleibt bei ICE – auch für die meisten der Zentren, die aufgrund von Kritik an dortigen Bedingungen immer wieder mediale Aufmerksamkeit erhalten.

Nach einer Überstellung liegt die Kontrolle bei ICE, es gilt: "Sobald ein Ausländer in die Obhut der ICE überstellt wird, trifft die Behörde eine Entscheidung über die Inhaftierung", heißt es auf der offiziellen ICE-Webseite. Im Detention Center wird ein Aufnahmeprozess durchlaufen, bevor die Person dem Einwanderungsgericht zugeführt wird. Das Gericht entscheidet über den Ausgang des Einwanderungsverfahrens – also darüber, ob eine Person im Land bleiben darf oder einen Abschiebungsbescheid erhält.


Wer kommt in ein ICE Detention Center?

Offiziell werden in ICE Detention Centers Personen festgehalten, die keinen gültigen Aufenthaltstitel besitzen, Asylsuchende mit laufendem Verfahren, Menschen mit strafrechtlichen Vorbelastungen, Personen mit Abschiebebefehlen sowie Personen, die z. B. als Sicherheitsrisiko gelten. Grundlage sind demnach Kriterien wie Aufenthaltsstatus, Risikoabwägungen, strafrechtliche Einträge und frühere Abschiebungsanordnungen.

Mit dem Rücken zum Betrachter stehen demonstrierende Menschen mit einer US-Flagge bewaffneten Mitgliedern der ICE-Beamten gegenüber.

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In der Praxis werden diese Kategorien jedoch weit ausgelegt: Auch geringfügige Delikte - etwa Verkehrsverstöße - können als strafrechtliche Vorbelastung gelten, und jahrzehntelange Abschiebungsbefehle können reaktiviert werden. Unterschiedliche Ermessensspielräume, regionale Unterschiede, politische Prioritäten und die Verfügbarkeit von Haftplätzen führen zu uneinheitlichen und oft wenig transparenten Entscheidungen.

Offizielle DHS-Daten zeigen: Mehr als die Hälfte der im Rahmen des FY26 Reportings (Stand: Februar 2026) in ICE Haft befindlichen Personen – 32.364 Menschen – gelten als "Other Immigration Violators", also Personen ohne US-strafrechtliche Verurteilungen oder anhängige Anklagen. Zählt man diejenigen hinzu, die lediglich wegen anhängiger Verfahren ohne strafrechtliche Verurteilung geführt werden, ergibt sich: Rund zwei Drittel der im laufenden Fiskaljahr 2026 in ICE Haft erfassten Menschen haben keine strafrechtlichen Verurteilungen in den USA.


Auch Familien werden unter Donald Trump systematisch im Landesinneren festgenommen und getrennt. Familienhaft wandten frühere Regierungen nur in deutlich begrenztem Umfang an und fast ausschließlich auf die Situation an der Grenze beschränkt, z. B. bei Einreise ohne Papiere. Eine Trennung von Familien blieb die Ausnahme.

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Während unter Obama laut Recherchen der New York Times nur vergleichsweise wenige Kinder in ICE-Haft festgehalten wurden, lag der Durchschnitt unter Biden demnach bei rund 25 Kindern pro Tag. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit sei diese Zahl auf etwa 170 Kinder täglich gestiegen. An einzelnen Tagen sind laut NYT unter Trump mehr als 400 Kinder in Gewahrsam. Bei Familientrennungen zeigt sich laut NYT: Erst die Trump-Regierung führte 2025 die Praxis der "interior separation" ein. Die US-Zeitung dokumentierte mindestens neun Fälle, in denen ICE Eltern im Landesinneren festnahm und ihre Kinder anschließend in Bundesobhut oder in Pflegefamilien brachte.


Welche Rechte haben Menschen in Detention Centers?

Offiziell haben sie das Recht auf Kommunikation, medizinische Versorgung, Zugang zu religiösen Angeboten sowie selbst organisierte rechtliche Beratung - einen staatlichen Pflichtverteidiger gibt es nicht. Minderjährige dürfen nicht länger als 20 Tage in einem ICE Detention Center festgehalten werden - das ist die gerichtlich festgelegte Obergrenze. In der Praxis werden diese Punkte oft nicht eingehalten.

Beschwerden innerhalb des ICE-Systems gelten als wenig wirksam. Nachprüfende Behörden stellen häufig fest, dass von Inhaftierten oder ihren Anwälten beanstandete Probleme weiterhin bestehen.

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Inwiefern wird die Einhaltung von festgelegten Standards überprüft?

Es gibt regelmäßige Inspektionen - sowohl durch das unabhängige DHS Office of Inspector General (OIG), die Aufsichts- und Kontrollinstanz des US Heimatschutzministeriums, als auch durch das Government Accountability Office (GAO), eine unabhängige Prüfinstitution des US-Kongresses. Die jüngsten verfügbaren Gesamtberichte beziehen sich überwiegend auf den Zeitraum 2022 bis 2024 - also die Zeit vor Trumps zweiter Amtszeit.

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In diesem Zeitraum erhielten viele Einrichtungen in den ICE-eigenen Inspektionen Bewertungen wie "acceptable" oder "above", was auf dem Papier den Eindruck vermittelt, die gesetzlichen Standards würden eingehalten.

Unabhängige Prüfungen - etwa durch GAO, OIG und das Office of the Immigration Detention Ombudsman (OIDO) - eine Beschwerde- und Kontrollstelle innerhalb des Heimatschutzministeriums - kommen jedoch zu einem anderen Ergebnis: Sie dokumentieren seit Jahren wiederkehrende Defizite, insbesondere bei Hygiene, Lebensmittelsicherheit, medizinischer Versorgung und Sicherheitsaspekten. Zwischen 2022 und 2024 stellte OIDO zudem fest, dass in 31 von 33 untersuchten Beschwerdefällen die betroffene Einrichtung den relevanten Standard nicht erfüllte.

Trump

Nach dem Einsatz der Einwanderungspolizei ICE wird Trump Machtmissbrauch vorgeworfen und seine Umfragewerte sinken. Mit neuen Vorstößen wie zur Wahlrechtsänderung sorgt er erneut für Kritik.

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Die Berichte der vergangenen Jahre zeigen damit ein Muster: ICE-interne Bewertungen fallen regelmäßig positiv aus, während unabhängige Aufsichtsinstanzen immer wieder dieselben strukturellen Mängel feststellen. Alles deutet darauf hin, dass sich diese Probleme unter dem massiv ausgebauten Abschiebesystem der zweiten Trump-Amtszeit nicht verbessert haben - sondern sich eher weiter verschärft haben.

Was spielt noch eine Rolle für die strukturellen Gegebenheiten?

Kurz gesagt: Geld. Private Firmen wie CoreCivic - seit Jahrzehnten einer der größten Gefängniskonzerne der USA und Betreiber unter anderem von Bundesgefängnissen und ICE-Detention Centers - erhalten staatliche Gelder abhängig von der Zahl der inhaftierten Menschen. Die Vergütung richtet sich nach der Belegung der Einrichtungen, nicht nach Pauschalbeträgen. Das bedeutet: Je mehr Menschen inhaftiert sind, desto mehr verdienen die Unternehmen.

Dabei profitieren nicht nur große, etablierte Konzerne. Auch kleine, weitgehend unbekannte Firmen ohne nachweisbare Erfahrung im Gefängnis- oder Detentionmanagement erhalten inzwischen umfangreiche Regierungsverträge für den Bau und Betrieb neuer ICE-Einrichtungen - etwa Acquisition Logistics LLC, die 2025 den Zuschlag für ein Großprojekt in Texas erhielten: das El Paso Camp East Montana.

Die Straßen von San Francisco sind voll mit Demonstranten

Nach zuletzt zwei Toten wächst der Druck auf die Einwanderungsbehörde ICE immer weiter, auch auf Seiten der Republikaner. Landesweit finden Proteste gegen das Vorgehen der Behörde statt.

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Öffentliche Sichtbarkeit oft der einzige Hebel

Fest steht: Die Bedingungen, denen die Menschen in den ICE Detention Centers ausgesetzt sind, scheinen einem System zu folgen. Dieses Gefüge zu durchbrechen, ist für viele in der Praxis kaum möglich. Manche, die inhaftiert werden, haben Ressourcen - gute Anwälte, Politiker, die sich für sie einsetzen, mediale Aufmerksamkeit. Der Großteil der Menschen hat das nicht.

Über die US-Behörde ICE hat das ZDF unter anderem im heute journal in dem Beitrag "US-weite Großdemonstrationen gegen Trump" am 29.03.2026 ab 21:45 Uhr und im ZDF Mittagsmagazin in dem Beitrag "USA: Chaos an Flughäfen" am 25.03.2026 ab 12 Uhr berichtet.

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