Trump vs. Obama: ICE-Todesfälle und Abschiebungen im Check

Faktencheck

Zahlen von Obama und Trump im Vergleich:Welcher US-Präsident hatte die härtere Abschiebepolitik?

Oliver Klein

von Oliver Klein

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Unter Trump starben im vergangenen Jahr so viele Menschen in ICE-Gewahrsam wie seit 20 Jahren nicht. Zugleich wird über Abschiebezahlen gestritten. Was zeigen die Daten wirklich?

Bundesagenten der Zoll und Einwanderungsbehörde ICE suchen in Minnesota nach illegal eingewanderten Immigranten.

Bundesagenten der Zoll und Einwanderungsbehörde ICE suchen in Minnesota nach illegal eingewanderten Immigranten.

Quelle: Imago

Die Einwanderungspolitik unter US-Präsident Donald Trump mit ICE-Einsätzen in vielen Städten macht weltweit Schlagzeilen und treibt in den USA viele Menschen auf die Straße. Doch in den Sozialen Medien wenden manche Nutzer ein: Schon Barack Obama habe ähnlich rigoros gehandelt - und damals habe es keinen Aufschrei gegeben.

"56 Tote bei ICE-Einsätzen unter Obama alleine 2016 - und keinen hat's interessiert", heißt es auf der Webseite Journalistenwatch, einem rechtspopulistischen Portal, das Beobachter zum Umfeld der Identitären Bewegung zählen. "Trump macht Razzien und plötzlich ist es das Ende der Zivilisation", schreibt der umstrittene Influencer Mario Nawfal auf seinem reichweitenstarken X-Account. Damals habe es wegen "56 Toten" auch "keine 'Obama ist Hitler'-Banner" gegeben. Allein dieser Post wurde über eine Million Mal angezeigt.

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Auch das Schweizer Wochenmagazin "Die Weltwoche" kritisiert, dass ICE unter Trump längst nicht so viele Menschen abschiebt, wie es früher unter Obama vorgekommen sei. Und dennoch werde Behörden-Chef Tom Homan als Nazi beschimpft. Das zeige "exemplarisch, dass es nicht dasselbe ist, wenn zwei das Gleiche tun".

Inwieweit sind die Abschiebungen vergleichbar? Wie viele Menschen starben wirklich in ICE-Gewahrsam? ZDFheute hat die Zahlen analysiert.

Wenn es um Menschen geht, die in ICE-Gewahrsam ums Leben kamen, sind manche irreführenden - und auch falschen - Zahlen in Umlauf. ICE veröffentlicht selbst immer wieder Daten zum Thema. Laut den Zahlen starben während Obamas Amtszeit insgesamt 67 Menschen in ICE-Gewahrsam - allerdings während der gesamten acht Jahre von Obamas Präsidentschaft und nicht in einem Jahr.

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27.01.2026 | 46:30 min

2025 war das tödlichste Jahr seit zwei Jahrzehnten

Unter Trump sind die Zahlen deutlich höher: 29 Todesfälle dokumentiert die Behörde auf ihrer Webseite allein für das Jahr 2025 ab Trumps Amtsantritt. Dabei sind mehrere Fälle in dieser Statistik nicht aufgeführt, unter anderem:

  • Am 10. Juli starb laut Medienberichten ein Landarbeiter, nachdem er bei einer ICE-Razzia von einem Dach gefallen war.
  • Am 14. Dezember starb Berichten zufolge ein 46-jähriger Eritreer in ICE-Gewahrsam. Er hatte drei Tage zuvor versucht, vor Gericht medizinische Hilfe einzuklagen.
  • Ebenfalls am 14. Dezember starb ein Mann aus Nicaragua in ICE-Gewahrsam. Er war bereits im September festgenommen worden, wie Medien berichteten.
  • Am 15. Dezember starb ICE-Angaben zufolge ein illegal eingereister Bulgare in seiner Zelle.
  • Am 31. Dezember erschoss laut Medienberichten ein ICE-Beamter in Los Angeles einen Afroamerikaner. Der Beamte soll jedoch nicht im Dienst gewesen sein.

Auch ohne diese weiteren Fälle war 2025 den ICE-Daten zufolge das tödlichste Jahr seit zwei Jahrzehnten - 2004 waren 32 Menschen gestorben.

Dazu kommen weitere Todesfälle bei der Grenzschutzbehörde CBP (Customs and Border Protection). In einem aktuellen Schreiben von zwölf Kongressabgeordneten wird beklagt, dass dem Kongress in den ersten zwölf Monaten der Trump-Regierung 17 Fälle gemeldet wurden, bei denen Menschen im Gewahrsam der CBP starben.

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Ließ Obama mehr Menschen abschieben?

Tatsächlich lagen die Zahlen der Abschiebungen aus den USA unter Präsident Barack Obama deutlich höher als unter Donald Trump. Rund drei Millionen Menschen wurden unter Obama abgeschoben, allein über 400.000 im Jahr 2012. Trumps erste Amtszeit verzeichnete etwa 930.000 ICE-Abschiebungen, wie aus Daten der Syracuse University in New York hervorgeht. Für 2025 schätzen Experten die Zahl der Abschiebungen auf etwa 300.000.

Doch die Gesamtzahlen verdecken einen entscheidenden Unterschied: die Art der Abschiebung. Obamas Zahlen waren stark durch Festnahmen direkt an der Grenze geprägt. Die meisten Menschen, die aus dem Landesinneren abgeschoben wurden, wurden aus Gefängnissen überstellt. Zudem schuf Obama ein Programm, das Migranten, die als Kinder illegal in die USA kamen, vorübergehend Schutz vor Abschiebung sowie eine Arbeitserlaubnis gewährte.

Tägliche Festnahmen durch US-Behörde ICE

ZDFheute Infografik

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Trump dagegen konzentriert sich stärker auf Menschen ohne strafrechtliche Verurteilung - oft trifft es Personen, die schon länger in den USA leben, teilweise eine Familie haben, einer Arbeit nachgehen. Die sozialen Auswirkungen der Maßnahmen für die Betroffenen sind also ungleich größer. "Besonders stark stiegen sogenannte Straßenfestnahmen (also außerhalb von Gefängnissen) - sie nahmen um mehr als das Elffache zu", heißt es in einer Analyse des Deportation Data Projects.

Ein weiterer Grund für Trumps niedrigere Gesamtzahlen im Vergleich zu Obama: Die Zahl der Grenzübertritte ist drastisch gesunken. Laut Pew Research Center erreichte sie 2025 den niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert.

Die US-Regierung kündigte an, die Abschiebungen noch deutlich auszuweiten, auch auf bislang nicht betroffene Regionen. Die personelle Grundlage ist da: Innerhalb eines Jahres wurde die Zahl der ICE-Beschäftigten verdoppelt.

Mit Material von dpa.

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