Wieder tödliche Schüsse in Minneapolis:Was auf den Videos zu sehen ist - und was offen bleibt
von Jan Schneider
Innerhalb weniger Sekunden eskaliert ein Einsatz von ICE-Beamten in Minneapolis tödlich. Handyaufnahmen aus drei Blickwinkeln zeigen, was vorgefallen ist.
Nach den Schüssen auf Alex Pretti gibt es unterschiedliche Darstellungen der Tat. Handyaufnahmen dokumentieren entscheidende Sekunden. ZDFheute hat die Aufnahmen analysiert.
26.01.2026 | 1:28 minNach den tödlichen Schüssen auf den 37-jährigen Alex Pretti durch US-Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde ICE ist in den USA erneut ein Streit über den genauen Ablauf des Einsatzes entbrannt.
Das Heimatschutzministerium behauptet trotz mehrerer Handyvideos, Pretti habe sich den Beamten mit einer Waffe genähert und "gewaltsam widersetzt". Gregory Bovino, Chef der Grenzschutzeinheit Border Patrol, sieht die Schuld für die Eskalation deshalb bei dem Getöteten. Lokale Behörden und die Familie des Mannes widersprechen der Darstellung.
- Alex Pretti von ICE-Beamten erschossen: Eltern werfen US-Regierung "abscheuliche" Lügen vor
Was ist auf den Augenzeugen-Videos zu sehen?
Mehrere Handyvideos aus drei unterschiedlichen Perspektiven dokumentieren die entscheidenden Sekunden vor und während der Schüsse. ZDFheute hat die Aufnahmen analysiert.
Die Videos zeigen Pretti auf offener Straße in Minneapolis. Er filmt einen laufenden Einsatz von ICE und der Grenzschutzbehörde CBP mit einer kleinen Kamera oder einem Smartphone. Zu sehen ist, wie Beamte ihn zunächst an den Straßenrand drängen. In diesem Moment greift Pretti nicht aktiv ein, sondern bleibt beobachtend.
Pfefferspray, Gerangel, Schüsse
Als ICE-Beamte beginnen, andere Demonstrierende zu schubsen, tritt Pretti dazwischen. Die Situation eskaliert innerhalb weniger Sekunden.
Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Beamter Pfefferspray einsetzt. Kurz darauf kommt es zu einem Gerangel. Pretti wird zu Boden gebracht, mehrere Beamte stehen oder knien um ihn herum. Zu diesem Zeitpunkt liegt er auf der Straße, seine Hände sind zumindest teilweise verdeckt.
Die entscheidenden Sekunden
In einer der Perspektiven ist zu erkennen, wie ein Beamter eine Schusswaffe aus dem Hosen- oder Taillenbereich Prettis zieht.
Eine andere Aufnahme von der gegenüberliegenden Straßenseite zeigt, wie der Mann mit dieser Waffe vom Geschehen wegrennt.
Nahezu zeitgleich zieht ein anderer ICE-Agent seine Waffe. Dann fällt der erste Schuss, kurz darauf weitere. Die Analyse der Videos ergibt: Die Zeitspanne zwischen der mutmaßlichen Entwaffnung und dem ersten Schuss beträgt weniger als eine Sekunde. Die Schüsse fallen, während Pretti noch am Boden liegt.
Bereits Anfang Januar hatte ein ICE-Beamter in Minneapolis einen Menschen erschossen - die dreifache Mutter Renée Good. Auch damals bezeichnete die US-Regierung das Vorgehen als Notwehr eines Beamten in akuter Lebensgefahr. Doch auch in Goods Fall zeichneten Videos ein anderes Bild, wie ZDFheute mehrfach analysierte:
Was die Videos nicht zeigen
Nicht eindeutig erkennbar ist, ob Pretti zu irgendeinem Zeitpunkt versucht hat, seine eigene Waffe zu ziehen. Laut Aussage des Polizeichefs von Minneapolis, Brian O'Hara, glaube die Polizei, er sei ein rechtmäßiger Waffenbesitzer mit einer Erlaubnis zum Führen der Waffe gewesen.
Die Aufnahmen zeigen aber klar, dass Pretti die Waffe nicht in der Hand hatte, während er sich den ICE-Beamten genähert hat - stattdessen ist er mehrfach mit einem Smartphone zu erkennen.
Nachdem Mitarbeiter der Grenzschutz-Behörde am Samstag den 37-jährigen Alex Pretti erschossen haben, wächst die Wut in den USA. Auch von den Republikanern kommt zunehmend Kritik.
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Die schnelle Verbreitung der Aufnahmen hat national und international Entsetzen ausgelöst. Auch innerhalb der Republikanischen Partei werden inzwischen umfassende Ermittlungen gefordert. Mehrere Senatoren und Abgeordnete verlangen eine transparente Untersuchung auf Bundes- und Landesebene.
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