US-Behörde ICE: So gehen ihre Beamten auf Migrantenjagd

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Uniformen, Überwachungstechnik, Waffen:So geht der US-Grenzschutz auf Migrantenjagd

Autorenfoto Nils Metzger

von Nils Metzger

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Vermummt und mit moderner Überwachungstechnik: US-Grenzschützer gehen rigoros gegen Migranten und Bürger vor. Die wichtigsten Fakten zu ICE und ihren Operationen im Überblick.

ICE-Beamte in Minneapolis

Beamte der amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE werden in Minneapolis künftig Bodycams tragen. Die Entscheidung gilt als Reaktion auf die tödlichen Schüsse bei vergangenen Protesten.

03.02.2026 | 0:21 min

Sie ist Vollstrecker von Donald Trumps extremer Migrationspolitik: die US-Bundesbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) rüstet seit einem Jahr massiv auf.

Die Zahl der täglichen Festnahmen durch ICE-Beamte hat sich seit der zweiten Trump-Administration rasant erhöht. So geht ICE dabei vor.

Tägliche Festnahmen durch US-Behörde ICE

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Welche Ausrüstung nutzen die Beamten?

Die Ausrüstung von ICE-Beamten ist oft vergleichbar mit der von Spezialkräften wie SWAT-Teams, die zu hochgefährlichen Einsätzen wie Amokläufen oder Anschlägen ausrücken. Dazu zählen schusssichere Westen, ballistische Helme, automatische Waffen, teils mit Schalldämpfern oder komplexen Zieloptiken. Das Rechercheprojekt "The Trace" zu Waffengewalt berichtete, dass das Heimatschutzministerium allein 2025 Schusswaffen im Wert von 120,7 Millionen US-Dollar bestellte.

Eine Razzia der US-Einwanderungsbehörde Mitte Januar in Minneapolis. Die Beamten tragen ballistische Schutzkleidung. Das Sturmgewehr in der Mitte ist mit einem Schalldämpfer und Laser-Zielgerät ausgestattet.

Eine Razzia der US-Einwanderungsbehörde Mitte Januar in Minneapolis. Die Beamten tragen ballistische Schutzkleidung. Das Sturmgewehr in der Mitte ist mit einem Schalldämpfer und einem Laser-Zielgerät ausgestattet.

Quelle: AP

Der Journalist und frühere US-Soldat Thomas Gibbons-Neff schreibt in der "New York Times":

Ihre Ausrüstung ist die physische Manifestation von jahrzehntelangen Kriegen. Sie wurde in zahllosen Einsätzen in fernen Ländern perfektioniert, um im Nahkampf zu töten – und wird nun am helllichten Tag in amerikanischen Städten genutzt.

Thomas Gibbons-Neff, ehemaliger US-Soldat

Der fünfjährige Liam und sein Vater.

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02.02.2026 | 0:19 min

Welche Überwachungssoftware hilft ICE bei den Razzien?

Essenziell sind auch Diensthandys. Darauf läuft die App "Mobile Fortify". Mit ihr sollen die Beamten automatisch und KI-basiert Gesichter identifizieren und Namen genannt bekommen.

Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde nutzt eine Gesichtserkennungs-App, bevor er einen Mann in Minneapolis, Minnesota, USA, am 13.01.2026 festnimmt

Über eine Milliarde Fotos gespeichert: Ein Beamter nutzt die Gesichtserkennungs-Software "Mobile Fortify" an einem Checkpoint in der Stadt Minneapolis.

Quelle: epa

Laut einem "Bloomberg"-Bericht greift die Software dafür auf eine mehr als 1,2 Milliarden Bilder umfassende US-Regierungsdatenbank zurück. Darin enthalten seien nicht nur Migranten, sondern auch Fotos von Staatsbürgern und Demonstranten. Sie würden für 15 Jahre gespeichert, schreibt Bloomberg.

Auch das umstrittene Unternehmen Palantir hilft beim Finden von Zielen für Razzien. Das Programm "Elite" soll etwa automatisiert Kartenansichten erstellen, in welchen Gegenden es besonders viele lohnende Ziele gebe. Mit Palantir kooperieren auch deutsche Polizeibehörden.,

Palantir

Ein Quantensprung für die Polizeiarbeit: Das soll die Analysesoftware VeRA des US-Tech-Konzerns Palantir sein. Aber wie genau arbeiten die Behörden mit Palantir in der Praxis?

16.01.2026 | 7:46 min

ICE setzt ebenfalls sogenannte IMSI-Catcher ein. Das sind etwa in Fahrzeugen versteckte Geräte, die für umliegende Handys einen Mobilfunkmast simulieren und Daten abgreifen, mit denen sich alle Menschen identifizieren lassen. Bürgerrechtler raten zu Vorsicht, Handys zu Demonstrationen mitzunehmen.

Und ICE ist eine Datenkrake, wie bislang kaum eine US-Behörde im Inland. Sie fasst Daten aller Einwohner in Mega-Datenbanken zusammen, darunter laut Medienberichten Steuer- und Krankenversicherungsdaten, aber auch Informationen von Datenhändlern und Social-Media-Plattformen.

Inzwischen wird ICE häufig als Sammelbegriff für eine ganze Reihe von Regierungsbehörden genutzt, die bei Aktionen gegen Migranten im Einsatz sind.

Neben ICE im engeren Sinne sind häufig auch CBP-Grenzschützer (Customs and Border Protection) dabei. Gregory Bovino, wohl das bekannteste öffentliche Gesicht der Razzien, war bis zu seiner Abberufung im Januar 2026 CBP-Oberbefehlshaber.

Sowohl ICE als auch CBP haben Sondereinheiten, die unter eigenen Namen in Erscheinung treten: Homeland Security Investigations (HSI), Enforcement and Removal Operations (ERO) oder Border Patrol Tactical Unit (BORTAC). Dazu kommen eine Reihe weiterer Bundesbehörden, aus denen das Heimatschutzministerium von Ministerin Kristi Noem Beamte abgezogen hat, um sie gegen Migranten einzusetzen.


Der Kommandant der US-Grenzpatrouille, Gregory Bovino (Mitte), und weitere Beamte der Einwanderungsbehörde

Das Gesicht der ICE-Operationen: Als Oberkommandierender des Grenzschutzes (CBP) inszenierte sich Gregory Bovino (Mitte) wie ein General an der Front. In Folge der Erschießung des Demonstranten Alex Pretti wurde er im Januar von seinem Posten abberufen.

Quelle: AP

Wie lange dauert das Training von ICE-Beamten?

Für Beobachter aus Deutschland und anderen Ländern besonders irritierend ist die vergleichsweise kurze Ausbildungszeit für neue ICE-Beamte.

Statt einer mehrjährigen Ausbildung wurde lange Zeit ein 12- bis 16-wöchiges Trainingsprogramm plus fünf Wochen Spanischkurs für Abschiebe-Beamte vorgeschrieben. So stellt es ICE bis heute auf seiner Webseite dar.

Mehrere US-Medien berichten aber von Kürzungen seit Trumps zweitem Amtsantritt. "Das Training […] dauert acht Wochen", zitiert der "Washington Examiner" einen Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums.

ICE-Aktivität in den Bundesstaaten

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Dazu kommen Lücken bei Backgroundchecks. Laut dem Sender NBC wurden durch Fehler in einer KI-Personalsoftware ungelernte Bewerber in Online-Expresskurse für bereits fertig ausgebildete Beamte aus anderen US-Behörden gesteckt. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der ICE-Beamten auf über 22.000 verdoppelt. Einstellungsboni in Höhe von Zehntausenden US-Dollar führten dazu, dass sich Menschen aus den falschen Gründen für eine Bewerbung entschieden, beklagen Kritiker.

In einem Podcast der US-Denkfabrik Brookings sagte Rashawn Ray, , Professor für Soziologie an der Universität von Maryland:

Die fehlende Ausbildung führt zu Fehlern und bei der Polizeiarbeit töten Fehler Menschen. Das Verwässern von Trainingsstandards ist sehr besorgniserregend und problematisch.

Rashawn Ray, Universität von Maryland

Auch bei diensterfahrenen Beamten wirkten sich die offenbar laxeren Standards aus. Etwa dem Beamten, der den Demonstranten Alex Pretti in Minneapolis erschoss. Die ehemalige ICE-Stabschefin Deborah Fleischaker kritisierte das Vorgehen der beteiligten Beamten gegenüber dem Sender CNN: "Sicherheitskräfte sollten stets nach Wegen suchen, eine Situation zu entschärfen, zu deeskalieren. Anstatt das zu tun, suchen sie nach Wegen, wie sie eskalieren können."

Die Straßen von San Francisco sind voll mit Demonstranten

Nach zuletzt zwei Toten wächst der Druck auf die Einwanderungsbehörde ICE immer weiter, auch auf Seiten der Republikaner. Landesweit finden Proteste gegen das Vorgehen der Behörde statt.

31.01.2026 | 1:57 min

Warum tragen ICE-Beamte so unterschiedliche oder keine Uniformen?

ICE schreibt seinen Mitarbeitern keine standardisierte Uniform bei Einsätzen vor, häufig werden diese in zivil durchgeführt. Die Mitarbeiter beschaffen sich Kleidung und Ausrüstung teils privat. Das ist keine Neuerung der Trump-Administration, sondern war schon vorher der Fall. Vorgeschrieben ist lediglich, dass sich die Beamten auf Nachfrage ausweisen können.

Unter der aktuellen Administration haben individuelle ICE-Agenten bei Rechtsverstößen wenig zu fürchten. Der Oberste Gerichtshof der USA entschied schon 1967, dass US-Beamte eine sogenannte "qualifizierte Immunität" besitzen, die sie in vielen Fällen vor Zivilklagen schützt. US-Vizepräsident JD Vance sprach, ohne rechtliche Grundlage, jüngst sogar von einer "absoluten Immunität" der ICE-Beamten.


Neben offiziellen Insignien tragen manche auch Patches mit Flaggen oder politischen Botschaften.

ICE-Beamter mit "Deplorable"-Patch

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Das Medium "The Intercept" berichtete etwa über einen ICE-Agenten, der einen Patch mit der Aufschrift "deplorable" (erbärmlich) an seiner Weste trug. Es ist eine Bezeichnung der damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton für Trumps Anhänger, die diese sich nun sarkastisch zu eigen machen.

Besonders umstritten ist die Praxis, dass sich ICE-Beamte vermummen, um nicht identifiziert zu werden. US-Bundesgesetze erlauben das, Kalifornien reagierte mit einem Verbot solcher Vermummungen für Bundesbeamte seit dem 1. Januar.

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa ZDFheute Xpress in dem Beitrag "ICE-Beamte tragen künftig Bodycams" am 03.02.2026 um 6:00 Uhr.

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