Wirtschaft erklärt mit Florian Neuhann:Streit um die Unabhängigkeit der Fed - mit schweren Folgen?
von Valerie Haller und Ferdinand Uth
US-Präsident Trump drängt auf Zinssenkungen, die Notenbank hält dagegen: Es ist ein Kampf um die Unabhängigkeit der Fed. Was steckt dahinter? Warum ist das für uns ein Problem?
Warum drängt US-Präsident Trump auf niedrigere Zinsen? Warum hält Fed-Chef Powell dagegen? Und welche Auswirkungen hat das für uns in Deutschland? "Wirtschaft erklärt" mit Florian Neuhann.
30.01.2026 | 10:01 minRund 100 Tage hat Jerome Powell noch in seinem Amt als Chef der amerikanischen Notenbank Fed. Kritische Tage, denn US-Präsident Donald Trump übt immer heftiger Druck auf ihn aus, die Zinsen zu senken und zwar massiv. Doch Powell knickt nicht ein.
"Wir entscheiden zum Wohle des amerikanischen Volkes", sagte der Fed-Chef am Mittwoch und beließ die Zinsen, wie sie sind. Stattdessen verwies Powell auf die Unabhängigkeit der Notenbank und mahnte, die "Geldpolitik nicht unter die direkte Kontrolle gewählter Politiker zu stellen".
Inmitten von Handelskonflikten sahen die Aussichten für die US-Wirtschaft bereits im April letzten Jahres düster aus. Trump attackierte daraufhin Powell und stellte so die Unabhängigkeit der Fed in Frage.
22.04.2025 | 2:50 minWarum Trump niedrigere Zinsen verlangt
Trump will Zinssenkungen, um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Fallen die Zinsen, werden Kredite billiger, Unternehmen können leichter investieren und Menschen auf Pump mehr Geld ausgeben. Das Ergebnis: eine schnelle Konjunkturspritze.
Außerdem könnte dann auch Trumps Regierung günstiger Schulden aufnehmen - beispielweise für Geldgeschenke an die US-Bürger. Seinen aktuell schwachen Beliebtheitswerten könnte das auf die Sprünge helfen. Nicht unwichtig, vor allem mit Blick auf die wichtigen Midterm-Wahlen im November.
Bei Trumps Besuch am Sitz der US-Notenbank im Juli 2025 ging der Streit zwischen dem US-Präsidenten und Fed-Chef Jerome Powell weiter. Vordergründig ging es um die Höhe von Umbaukosten.
25.07.2025 | 1:01 minUnabhängigkeit der Fed in Gefahr?
Das Ringen um die Zinsen fand Anfang Januar einen neuen Höhepunkt: Powell verkündete in einem Video öffentlich, dass strafrechtlich gegen ihn ermittelt wird. Eine persönliche Vorladung des Fed-Chefs vom US-Justizministerium - das gab es noch nie in den USA.
Offiziell wird ihm vorgeworfen, bezüglich der Renovierungskosten zweier Fed-Gebäude vor dem Kongress gelogen zu haben. Laut Powell ein Vorwand, um politischen Druck auf ihn und den Zinsentscheid der Fed auszuüben. "Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt", erklärte Powell in dem Video.
Die Vorwürfe Trumps gegen den US-Notenbankchef Powell sind nicht wirklich berechtigt, vielmehr ein konzertierter Angriff von Trump, so ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann.
12.01.2026 | 1:37 minSo gefährlich ist die Einflussnahme von Trump
Wenn Trump Einfluss auf die Fed gewinnen sollte, untergräbt er damit das Vertrauen in die amerikanische Notenbank. Ihre Unabhängigkeit ist ein Vertrauensanker für den Dollar. Ginge sie verloren, wäre das ein Schlag für das globale Finanzsystem.
Über 50 Prozent des Welthandels werden in US-Dollar abgewickelt. Zentralbanken weltweit halten knapp 60 Prozent ihrer Reserven in Dollar, da sie ihn als globale Leitwährung bislang für besonders stabil geglaubt haben.
Der Dollar steht seit Monaten schwer unter Druck. Das trifft nicht nur Zentralbanken rund um den Globus, sondern auch Geldanlagen. US-Aktien oder amerikanische ETFs verlieren deutlich an Wert.
Was passiert, wenn die Finanzmärkte ihr Vertrauen in die Fed verlieren, beschreibt Bundesbankchef Joachim Nagel so: "Typischerweise könnten [...] die Finanzmärkte dann sehr negativ darauf reagieren - mit hohen Bewertungsverlusten."
Das ist dann auch eine Frage der Finanzstabilität global.
Joachim Nagel, Bundesbankchef
Für Trump jedoch ist ein schwächerer Dollar auch von Vorteil. Dadurch werden US-Exporte günstiger und Importe, wie die aus Deutschland, teurer. Passt zu seiner America-First-Politik.
Wegen wachsender Abhängigkeit von US-Konzernen bei Transaktionen im Euroraum soll der digitale Euro nun schneller kommen als erwartet. Wie er schützt und was sich ändert, erklärt ZDFheute live.
29.01.2026 | 32:06 minWas kommt nach Powell?
Powells Amtszeit endet im Mai. Trump hat schon angekündigt, am heutigen Freitag einen neuen Vorsitzenden zu nominieren. Als Favorit gilt laut "Wall Street Journal" Kevin Warsh, ein ehemaliger Fed-Gouverneur und deutlicher Kritiker der aktuellen Notenbankpolitik. Vielleicht ist er zu den von Trump geforderten Zinssenkungen bereit. Vielleicht aber auch nicht. Seine letzte Nominierung für den Fed-Chefsessel 2017 erwies sich als hartnäckig unabhängig: Jerome Powell.
Nachfolger von Jerome Powell:Trump will neuen Fed-Chef nominieren
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