US-Notenbank Fed unter Druck: Ermittlungen gegen Jerome Powell

Analyse

Drohende Anklage gegen US-Notenbankchef:Fed unter Druck: Konflikt mit langer Tradition

ZDF Börse mit Frank Bethmann

von Frank Bethmann

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Die US-Justiz leitet strafrechtliche Ermittlungen gegen den Fed-Chef ein. Jerome Powell selbst weist die Vorwürfe zurück - und greift indirekt US-Präsident Donald Trump an.

Der US-Notenbankchef Jerome Powell ist auf einer Pressekonferenz

US-Notenbankchef Powell nennt die Ermittlungen des Justizministeriums einen "Vorwand". Politiker beider Parteien üben Kritik, Präsident Trump weist die Verantwortung zurück.

12.01.2026 | 0:54 min

Gegen den Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, laufen strafrechtliche Ermittlungen. Das bestätigte Powell am Sonntagabend.

Demnach prüft die Staatsanwaltschaft des District of Columbia, ob Powell den Kongress über den Umfang der Renovierungsarbeiten belogen hat. Die Kosten für das Projekt waren deutlich höher ausgefallen als zunächst angenommen.

Frank Bethmann

Die US-Notenbank Fed wird voraussichtlich zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins senken. Über den Schritt sind sich aber nicht alle Notenbanker einig, erklärt Frank Bethmann.

10.12.2025 | 1:37 min

Beobachter: Politischer Versuch, Fed unter Druck zu setzen

Doch viele Beobachter zweifeln an der Substanz. Für sie sind die Vorwürfe weniger ein Zeichen echter Verfehlungen als vielmehr ein politisch motivierter Versuch, die Federal Reserve unter Druck zu setzen. Der Verdacht, gerade weil es nicht der erste Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed ist: Hier soll nicht ein Mann, sondern eine Institution diszipliniert werden.

Die Federal Reserve gilt als unabhängige Säule der amerikanischen Demokratie. Ihre Aufgabe ist es, Preisstabilität zu sichern und die Wirtschaft im Gleichgewicht zu halten - ohne kurzfristigen politischen Interessen zu folgen.

Trump und Powell

Beim Besuch von Donald Trump am Sitz der US-Notenbank geht der Streit zwischen dem US-Präsidenten und Fed-Chef Jerome Powell weiter. Vordergründig geht um die Höhe von Umbaukosten. Die Szene im Video.

25.07.2025 | 1:01 min

Experte: "Große Verantwortung" der Notenbanken

Eine Aufgabe von großer Tragweite, wie Ulrich Kater weiß: "Notenbanken haben die Fähigkeit, so viel Geld zu erzeugen, wie sie wollen", sagt der Chefvolkswirt der Dekabank, der Fondsgesellschaft der Sparkassen. "Dazu", so der Fachmann weiter, "müssen sie noch nicht mal physische Notenpressen anschmeißen, denn das meiste Geld ist heute Computergeld. Es ist mit einem Knopfdruck einfach da."

Dabei schwingt mit, dass man sich nicht vorstellen mag, dieses Machtinstrument könne in falsche Hände geraten.

Diese große Verantwortung ist der Grund, warum die Notenbanken vom politischen Prozess abgetrennt sind.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank

"Denn es hat sich gezeigt, dass Politiker diese Macht zur Geldproduktion nur allzu gern für ihre Programme nutzen, ohne sich um die verheerenden langfristigen Inflationskonsequenzen zu scheren", betont Kater.



IMF Finanzreport: Der US-Dollar als Ankerwährung, US-Staatsanleihen als sichere Krisen-Häfen und die USA als führende Wirtschaftsmacht: Erodiert das jahrzehntealte globale Finanzsystem unter Trump?

Inmitten von Handelskonflikten sind die Aussichten für die US-Wirtschaft düster. Trump attackiert deswegen Notenbankchef Powell – und stellt so die Unabhängigkeit der Fed in Frage.

22.04.2025 | 2:50 min

Powell widerspricht Vorwürfen und attackiert indirekt Trump

Ökonomen wie Kater warnen nun, dass Ermittlungen wie jene gegen Powell ein gefährliches Signal senden könnten. Wenn die Spitze einer Notenbank befürchten muss, für unliebsame Entscheidungen juristisch verfolgt zu werden, droht eine schleichende Politisierung der Geldpolitik.

Powell wies die neuerlichen Vorwürfe umgehend zurück: "Ich habe größten Respekt vor dem Rechtsstaat und der Rechenschaftspflicht in unserer Demokratie. Niemand - und schon gar nicht der Vorsitzende der Federal Reserve - steht über dem Gesetz", sagte Powell in einem Video-Statement.

Doch diese beispiellose Maßnahme muss im größeren Kontext der Drohungen und des anhaltenden Drucks der Regierung betrachtet werden.

Jerome Powell, Fed-Chef

SGS Haller

"Die Unabhängigkeit (der Fed) ist eine goldene Regel", sagt ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

26.08.2025 | 1:01 min

Konflikte um Unabhängigkeit der Fed nicht neu

Tatsächlich ist es ein Konflikt mit großer Tradition. In ihrer langen Geschichte sah sich die Fed schon zahlreichen Angriffen der Politik ausgesetzt. Aktuell möglicherweise mehr denn je.

Ohne das Beispiel Vereinigte Staaten zu nennen, verwies jüngst auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf die Gefahr einer zunehmenden Einflussnahme: Es gebe Hinweise darauf, dass politischer Einfluss auf Notenbank-Beschlüsse erheblich zu wirtschaftlichen Schwankungen beitragen könne, führte Lagarde weiter aus.

Während neuere Untersuchungen darauf hindeuten, dass nach geltendem Recht die Unabhängigkeit der Zentralbanken noch nie so weit verbreitet war wie heute, besteht kein Zweifel daran, dass die tatsächliche Unabhängigkeit der Zentralbanken in mehreren Teilen der Welt infrage gestellt wird.

Christine Lagarde, EZB-Präsidentin

Powell: Werde Amt weiter "integer" ausführen

Gegner sehen in der Unabhängigkeit der Notenbanken eine Absonderlichkeit. Ausgerechnet das Management des Geldes, eines der wichtigsten Felder der Wirtschaftspolitik, ist der direkten parlamentarischen Kontrolle oder der Weisung durch eine Regierung entzogen. Zu rechtfertigen sei das nur, wenn die Ergebnisse stimmen würden. Genau daran müssen sich die Notenbanken weltweit messen lassen.

"Die Drohung mit einer Anklage", sagte Powell am Abend weiter, "ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt." Er werde sein Amt weiter "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausführen".

Über dieses Thema hat die ZDFheute Xpress am 12.01.2026 um 07:56 Uhr berichtet.

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