US-Notenbank:Fed senkt Leitzins erneut - wie geht es unter Trump weiter?
von Frank Bethmann
Der Leitzins für die größte Volkswirtschaft der Welt fällt weiter. Was 2026 kommt, ist unklar. Der US-Präsident könnte aber schon bald an Einfluss gewinnen.
Die Zinssenkung war erwartet worden. Über den Schritt sind sich aber nicht alle Notenbanker einig, erklärt Frank Bethmann.
10.12.2025 | 1:37 minSie hat es wieder getan, bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. Die US-Notenbank senkt den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Damit liegt der richtungsweisende Zinssatz nun in einer Spanne von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent.
US-Inflation: Fed kann inzwischen Fuß vom Bremspedal nehmen
Nüchterne Zahlen, die eines zu verdeutlichen scheinen: Die Zeit der radikalen Inflationsbekämpfung neigt sich in den Vereinigten Staaten dem Ende entgegen. Die Teuerung liegt im Jahresdurchschnitt unter drei Prozent.
Das Absenken des US-Leitzinses ist für Europa und Deutschland wichtig, weil es Wechselkurse, Finanzmärkte, Finanzierungskosten und die Exportchancen direkt beeinflusst. Entscheidungen der Fed wirken damit wie ein globales Signal, an dem sich auch Banken, Investoren und zum Teil die Europäische Zentralbank orientieren.
Sinken die US-Zinsen, wird der Dollar für Anleger weniger attraktiv, Kapital kann aus den USA abfließen, und der Dollar tendiert eher zur Schwäche. Ein relativ stärkerer Euro macht für Deutschland Importe aus den USA günstiger (z. B. Energie, Technologie), kann aber deutsche Exporte in die USA verteuern und damit Wettbewerbsfähigkeit kosten.
Wenn die Fed ihre Zinsen senkt, geraten weltweit Kapitalmarktzinsen unter Druck; damit können sich auch in Europa Refinanzierungskosten für Staaten, Unternehmen und Banken verringern. Für deutsche Sparer und Kreditnehmer kann das mittelbar bedeuten: tendenziell niedrigere Renditen auf sichere Anlagen, aber perspektivisch auch günstigere Kredite, insbesondere wenn die EZB einem global fallenden Zinstrend zumindest teilweise folgt. Derzeit ist das Zinsniveau in der Euro-Zone allerdings ohnehin niedriger als in den USA.
Für Beobachter wie Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe ist klar, dass "eine restriktiv ausgerichtete Geldpolitik nicht mehr notwendig ist." Die Fed kann inzwischen ihren Fuß vom Bremspedal nehmen, ohne sofort neue Inflationsgefahren herbeizuschwören.
Wachstumsdämpfer Arbeitsmarkt
Dagegen mehrten sich zuletzt die Warnungen vor einer Abkühlung am Arbeitsmarkt. Die Schaffung neuer Stellen hat sich nämlich verlangsamt, die Arbeitslosenquote ist gestiegen. Die Gefahr einer zu schwachen Beschäftigung und eines Wachstumsdämpfers wird damit größer. "Immerhin", so Krüger, "scheinen Unternehmen derzeit eine Strategie des Low Hire und des Low Fire zu verfolgen." Mit anderen Worten: Es wird zwar weniger eingestellt, aber eben auch weniger entlassen.
Dennoch ein Alarmsignal, welches die Senkung der Leitzinsen rechtfertigt. Die "Balance der Risiken" habe sich verschoben, hieß es im jüngsten Bericht des FOMC, dem Federal Open Market Committee. Dabei handelt es sich um das Gremium, das die Geld- und Zinspolitik der US-Notenbank festlegt.
Bereits im Oktober senkte die US-Notenbank den Leitzins. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann erklärt, dass damit der schwache Arbeitsmarkt unterstützt werden soll.
29.10.2025 | 1:37 minDer Kampf um die richtige Balance
Um die richtige Balance wird es auch im kommenden Jahr gehen. Nicht auszuschließen, dass der Weg der Zinsen weiter nach unten führen wird. "Eine grundsätzliche Bereitschaft, die Leitzinsen weiter zu senken, dürfte erkennbar bleiben", prognostiziert Alexander Krüger nach vorne.
Jedoch: "Nicht alle FOMC-Mitglieder sind mit einer Zinssenkung in dieser Woche einverstanden", sagt Robin Winkler, Chefvolkswirt für Deutschland bei der Deutschen Bank.
Dem Komitee ist in den vergangenen Wochen der übliche Konsens abhandengekommen.
Robin Winkler, Deutsche Bank
So warnten einige im Gremium vor zu vielen Zinssenkungen. "Wer zu früh lockert, riskiert, den Fehler der 1970er-Jahre zu wiederholen", hieß es zuletzt aus ihrer Mitte. Die Fed senkte damals die Zinsen zu früh, was eine Inflationswelle auslöste ("Great Inflation") und die Wirtschaft in eine langanhaltende Phase der Stagflation stürzte; eine seltene Kombination aus hoher Inflation, schwachem Wachstum und steigender Arbeitslosigkeit.
Die US-Notenbank FED senkt den Leitzins, erstmals seit Donald Trumps Amtsantritt. Jedoch weniger, als der Präsident forderte. Es bleibt die Sorge um eine steigende Inflation.
17.09.2025 | 1:56 minWie stark wird die Fed durch US-Präsident Trump politisiert?
Die Frage aller Fragen ist für Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, im kommenden Jahr: "Wie stark wird die Fed politisiert?"
Und wie sehr wird sie durch den Einfluss von US-Präsident Donald Trump gedrängt, die Leitzinsen weiter zu lockern?
Eine erfolgreiche Geldpolitik im bisherigen Sinne wäre, vorsichtig mit Zinssenkungen in der gegenwärtigen Phase einer starken US-Wirtschaft zu agieren.
Ulrich Kater, DekaBank
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25.07.2025 | 1:01 minTrump dürfte im kommenden Jahr mehr Einfluss auf die Zinspolitik ausüben. Nicht zuletzt, weil es ab Mai einen neuen US-Notenbank-Chef geben wird. Trump selbst hat dafür Kevin Hassett in Stellung gebracht. Sein derzeitiger Wirtschaftsberater würde als neuer erster Mann der Fed Trumps Wünschen von kräftigen Zinssenkungen sicher aufgeschlossener gegenüberstehen als der amtierende Noch-Vorsitzende Jerome Powell.
Frank Bethmann ist Moderator und Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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