Schwacher Dollar, starker Euro - Eine Medaille mit zwei Seiten

Analyse

Weltwährung verliert an Ansehen:Der Dollar schwächelt - Eine Medaille mit zwei Seiten

von Sina Mainitz

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Schwacher US-Dollar, starker Euro: Das sind zwar gute Nachrichten für Verbraucher in der Eurozone, den deutschen Exporteuren macht die Entwicklung allerdings das Leben schwer.

Ein US-Dollar liegt unter einer 100 Euro Banknote.

Die Politik von US-Präsident Donald Trump lässt den Kurs des Dollar absacken. (Symbolbild)

Quelle: dpa

"Dem Dollar geht es großartig" - Das sind die Worte von Donald Trump auf die Anfrage eines Journalisten zur anhaltenden Dollar-Schwäche. Alles andere als die Bestätigung, dass unter seiner Regentschaft alles rund läuft, wäre auch überraschend gewesen.

Doch die nicht enden wollende Schwäche der Weltwährung US-Dollar ist vor allem ein Spiegelbild mangelnden Vertrauens in die Politik des Präsidenten.

Schwacher Dollar: Gold und Silber als sicherer Hafen

Der US-Dollar ist mit angezogener Handbremse ins Jahr gestartet. Nun sackt sein Kurs weiter ab - der Euro hingegen übersteigt die Marke von 1,20 Dollar. Die Gründe dafür liegen seit Monaten auf der Hand sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING:

Investoren orientieren sich um und nehmen andere Regionen, außerhalb der USA, ins Visier. Sie suchen sich auch sichere Häfen als Anlage, das erklärt den hohen Gold- und Silberpreis.

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING

Finanzexperte Stefan Fischer ist zugeschaltet und spricht mit Florian Weiss.

Gold steht wegen steigender Preise im Fokus der Börsen. Stefan Fischer, Finanzexperte der Stiftung Warentest, beantwortet Fragen zur Investition in Gold und zur politischen Bedeutung.

27.01.2026 | 4:04 min

Die Gold- und Silberpreise eilen von Rekord zu Rekord. Mehr als 5.200 Dollar kostet die Feinunze Gold aktuell. Weltweit decken sich Investoren - aber vor allem die Notenbanken - mit Gold ein und füllen ihre Tresore. Das Plus beim Silber ist vor allem auch durch einen vermehrten Bedarf des Edelmetalls bei KI-Anwendungen zu erklären. Zum Beispiel wird Silber in KI-Chips und Hochleistungsservern verbaut. Ein Ende des Aufwärtstrends bei Edelmetallen ist derzeit wohl nicht in Sicht.

Goldpreis auf Rekordniveau

ZDFheute Infografik

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Deutsche Exporteure haben es schwer

"Aktuell sind sicherlich nochmal die Diskussionen rund um Grönland und die Zwischenfälle in Minneapolis für den schwachen Dollar verantwortlich. Man hat Zweifel an dem, was in den USA passiert und es wird diversifiziert", führt Brzeski weiter aus.

Der schwache Dollar und der starke Euro machen den deutschen Exporteuren das Leben schwer. Auch wenn der Eurokurs von 1,20 Dollar für Brzeski noch kein Grund zur Beunruhigung ist, haben es exportorientierte Firmen schwerer, ihre Waren außerhalb der Eurozone zu verkaufen.

Die Dollarschwäche wirkt wie ein zusätzlicher Zoll für die Exporteure.

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING

ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann

Die deutsche Wirtschaft setzt stark auf Exporte und bekommt so die Krisen der Welt deutlich zu spüren. Einschätzungen zu Auswegen von ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann.

09.12.2025 | 1:23 min

Starker Euro als Konsumtreiber

Jede Medaille hat bekanntermaßen zwei Seiten. Da ein Großteil der in die Eurozone importierten Waren in Dollar bezahlt wird, ist ein schwacher Dollarkurs für Verbraucher von Vorteil. Das gilt vor allem für Öl und wichtige Rohstoffe. An den Zapfsäulen dürften die Preise also sinken. Ebenso werden Reisen ins Ausland, in dem man mit US-Dollar bezahlt, günstiger und die Konjunktur dürfte nach vielen Jahren des Jammers in Folge wieder Tritt fassen.

Ein stärkerer Euro "stützt die Kaufkraft der europäischen Haushalte und fördert den Konsum und den Tourismus im Ausland", erklärt John Plassard von der Bank Cité Gestion.

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

Der Dollar wankt, der Euro gewinnt an Bedeutung: Politische Unsicherheit in den USA schwächt das Vertrauen in die Leitwährung.

01.06.2025 | 2:43 min

Und drehen wir den Spieß Export einmal um und blicken auf den Import: "Ein starker Euro ist eine gute Nachricht für europäische Importunternehmen, insbesondere in den Bereichen Chemie, Bauwesen, Luftfahrt oder in den Branchen mit hohem Energie- und Rohstoffverbrauch" fügt der Analyst hinzu.

US-Dollar hat an Ansehen verloren

Auch die Europäische Zentralbank dürfte den Euro/Dollarkurs ganz genau im Blick behalten. Eine weitere Aufwertung des Euro könnte gleichzeitig die Importe verbilligen, weil beispielsweise Rohstoffe meist in Dollar abgerechnet werden. Das könnte die Inflation dämpfen und Spielraum für Zinssenkungen schaffen. Carsten Brzeski erklärt: "Doch bei 1,20 Dollar wird die EZB noch nicht unruhig werden." Perspektivisch gesehen helfen günstigere Kredite dennoch, denn sie machen es für Unternehmen einfacher, zu investieren.

US-Präsident Donald Trump verlässt das Weiße Haus.

Vor einem Jahr begann die zweite Amtszeit des US-Präsidenten, mit Folgen für die Handelspolitik weltweit. Wie treffen Trumps Strafzölle deutsche Mittelständler in den USA?

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Sich immer weniger leisten beziehungsweise investieren können hingegen die Amerikaner. Auf der anderen Seite des Atlantiks wird es für die meisten immer teurer. Importe aus Übersee haben sich ohnehin bereits durch die Zölle der Trump-Regierung verteuert. Die Kaufkraft der US-Verbraucher sinkt und dafür müssen sie gar nicht unbedingt in die Eurozone reisen. Europäische Produkte werden in den USA immer teurer.

Der US-Dollar hat als Leitwährung längst an Ansehen verloren. Das zeigt der schwächelnde Kurs deutlich. Ob die derzeitige Schwäche auch bedeutet, dass der Dollar als Weltwährung gefährdet ist, ist noch längst nicht ausgemacht. Bis dahin "geht es dem Dollar großartig". Aber das glaubt wohl nur noch Donald Trump.

Sina Mainitz ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Quelle: Mit Material von Reuters und AFP
Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem Volle Kanne am 27.01.2026 ab 09:05 Uhr und heute in Europa am 20.01.2026 ab 16:00 Uhr.
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