EU äußert sich zu Trumps Zoll-Drohungen:Ökonom Fuest warnt vor einer "Gefahr der Eskalation"
Vor dem Hintergrund der Zoll-Drohungen Trumps muss Europa laut Clemens Fuest an seiner Unabhängigkeit arbeiten. In möglichen Gegenzöllen sieht er die "Gefahr einer Eskalation".
Die von US-Präsident Trump vorangetriebenen Unsicherheiten seien schlecht für die Wirtschaft, so Ökonom Fuest. Europa könne nicht vollkommen unabhängig von den USA werden.
20.01.2026 | 11:49 minNach Einschätzungen des Ökonomen Clemens Fuest muss Europa intensiver und schneller als bisher an seiner Unabhängigkeit arbeiten: "Es gibt immer noch zu viele in Deutschland und Europa, die sagen: 'Naja, wenn Trump einmal weg ist, dann wird alles wieder so wie vorher'".
Es spreche jedoch vieles dafür, dass nichts werde wie vorher, betonte der Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung bei ZDFheute live. Umso mehr müsse die Europäische Agenda ernst genommen und "nationale Egoismen" überwunden werden. Zuvor hatte sich die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Rede zum Konflikt um Grönland und den von US-Präsident Trump angekündigten Zöllen geäußert.
Die Sicherheit in der Arktis könne nur gemeinsam gewährleistet werden, sagt von der Leyen in Davos. Die zusätzlich angedrohten Zölle von Trump seien ein Fehler.
20.01.2026 | 22:15 minFuest: "Versuch, diplomatisch zu bleiben"
Von der Leyens Rede ist aus Sicht des Ökonomen als "Versuch" zu verstehen, "eine Art Doppelstrategie zu fahren", heißt: zu verhandeln und gleichzeitig zu sagen: "Europa kann sich auch wehren." Schließlich hätten die Europäer kein Interesse an einer Eskalation. Fuest ordnete ein:
Es ist tatsächlich der Versuch, diplomatisch zu bleiben, die Situation nicht zu eskalieren, aber gleichzeitig eine rote Linie zu ziehen.
Clemens Fuest, Präsident ifo-Instituts
Die Rede der EU-Kommissionspräsidentin habe aber auch gezeigt, dass Europa seine "Abhängigkeit von den Amerikanern reduzieren" wolle, was Fuest erst einmal als "ein sehr gutes Signal" wertet. Auch wenn es Bewegung gebe, sei Europa aber "immer noch komplett abhängig" von den USA, etwa bei Militär oder Digitalisierung - Bereiche, an denen laut Fuest nun gearbeitet werden müsse.
Die EU plant im Streit um Grönland Vergeltungszölle gegen die USA zu verhängen. Deren Finanzminister Bessent bezeichnet diese als "sehr unklug" und warnt die Europäer.
20.01.2026 | 0:25 minTrumps Zoll-Drohung: Was mögliche EU-Gegenzölle bedeuten
Was mögliche Gegenzölle der EU als Reaktion auf Donald Trumps Grönland-Drohungen betrifft, warnt Fuest vor der "Gefahr einer Eskalation" mit den USA. Nach Schätzungen des ifo-Instituts würden die angekündigten US-Zölle die deutschen Exporte "um ungefähr 0,5 Prozent noch einmal vom aktuellen Niveau senken". Das könne man zwar nicht gebrauchen, wäre dem Experten zufolge "aber im Prinzip noch auszuhalten". Auf eine EU-Antwort mit Gegenzöllen könnten womöglich dann wieder die USA mit höheren Zöllen reagieren.
Das Problem ist, wenn die Europäer jetzt antworten, wird der wirtschaftliche Schaden größer. Und Trump hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er dann gerne sehr stark eskaliert.
Clemens Fuest, Ökonom
Daher besteht laut Fuest noch immer die "Chance", das "Ganze" in Verhandlungen abzuwenden. So habe Trump im Hinblick auf die anstehenden Zwischenwahlen im November kein Interesse daran, wirtschaftlich geschädigt zu werden. Darauf müsse man setzen, so der Ökonom.
Das hat es in 77 Jahren Nato nicht gegeben – Europa gegen Amerika. Wir erleben eine Kraftprobe, die die westliche Wertegemeinschaft vor scheinbar unlösbare Probleme stellt.
23.01.2026 | 28:43 minFuest zu Zöllen: "Gift" für die wirtschaftliche Entwicklung
Insgesamt sei Geopolitik zu einem "Belastungsfaktor" für die Wirtschaft geworden, so Fuest. Die Wirtschaft sehe sich schon länger damit konfrontiert, dass sie in geopolitische Konflikte hineingezogen werde oder dass man versuche, Wirtschaft als "Waffe" in geopolitischen Konflikten einzusetzen. "Das erhöht sehr stark die Unsicherheit und führt eben dazu, dass viele Unternehmen sehr zurückhaltend sind bei Investitionen".
Das ist für die wirtschaftliche Entwicklung wirklich Gift, diese Unsicherheit, die da geschaffen wird.
Clemens Fuest, ifo-Präsident
Das Interview bei ZDFheute live führte Jessica Zahedi, ausgewertet wurde es von Julian Degler.
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