Wem gehört die Arktis-Insel?:Trumps Behauptungen und die lange Geschichte Grönlands
von Jan Schneider
Wegen angeblich fehlender Dokumente stellt Trump Dänemarks Anspruch auf Grönland infrage. Doch die rechtliche Lage ist eindeutig und seit über 200 Jahren schriftlich festgehalten.
Präsident Trump hat vor seiner Reise zum Weltwirtschaftsforum den Anspruch auf Grönland bekräftigt. Von der Leyen forderte erneut, die Souveränität Grönlands und Dänemarks zu achten.
20.01.2026 | 1:41 minUS-Präsident Donald Trump will Grönland. Und seit er in diesem Jahr bei der Verleihung des Friedensnobelpreises leer ausgegangen ist ziert er sich auch nicht mehr, diesen Anspruch zu verstecken. Um seine Forderung zu untermauern, schrieb er Anfang der Woche an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre einen bemerkenswerten Brief: Dänemark habe gar kein richtiges "Eigentumsrecht" an der Insel. Es gebe keine schriftlichen Dokumente.
Es ist nur so, dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort gelandet ist, aber auch wir hatten Boote, die dort gelandet sind.
Donald Trump an Jonas Gahr Støre
Die Geschichte von Grönland und Dänemark ist allerdings deutlich komplizierter, als Trump sie darstellt - und vor allem: sehr gut dokumentiert.
In seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum fordert Frankreichs Präsident Macron Europa auf, den Multilateralismus zu verteidigen. Außerdem kritisiert er US-Präsident Trump.
20.01.2026 | 18:52 minWelche Belege gibt es für Dänemarks Anspruch auf Grönland?
Trump behauptet in seinem Brief, es gebe keine Papiere, die Dänemarks Anspruch auf Grönland belegen. Tatsächlich sind die Aktenordner zu dieser Frage gut gefüllt:
Da wäre zunächst der Kieler Frieden von 1814. Damals musste Dänemark das bisher zum Königreich gehörende Norwegen und all seine Gebiete an Schweden abgeben - eine Folge der Niederlage Dänemarks im Napoleonischen Krieg. Eine Ausnahme wurde aber damals schwarz auf weiß festgehalten: Grönland, Island und die Färöer-Inseln bleiben bei Dänemark. Unterzeichnet wurde der Vertrag am 14. Januar 1814, ratifiziert am 7. Februar.
Trump schließt den Einsatz militärischer Gewalt zur Übernahme Grönlands bisher nicht aus. Die Menschen dort sind verunsichert.
19.01.2026 | 1:35 minGut 100 Jahre später wurde diese Absprache nochmal bekräftigt: Mit der Ihlen-Erklärung von 1919 - benannt nach dem damaligen norwegischen Außenminister Nils Claus Ihlen - erklärte dieser damals offiziell, dass sein Land keine Einwände gegen Dänemarks Souveränität über Grönland habe. Dänemark hatte kurz zuvor dasselbe zu Norwegens Anspruch auf die Insel Spitzbergen erklärt.
Als Norwegen 1931 trotzdem Teile Ostgrönlands besetzte, wurde der Internationale Gerichtshof in Den Haag aktiv: Das Urteil vom 5. April 1933 war eindeutig: Die Besetzung war rechtswidrig und muss rückgängig gemacht werden. Die Ihlen-Erklärung wurde als völkerrechtlich bindend eingestuft und Dänemark zum rechtmäßigen Souverän über Grönland erklärt. Die Souveränität Dänemarks ist damit juristisch klar gegeben.
US-Präsident Trump kündigt Strafzölle in Höhe von 10 Prozent ab 1. Februar für die Länder an, die sich gegen seine geplante Übernahme von Grönland stellen. Wie reagiert Deutschland?
19.01.2026 | 2:47 minWie war das mit dem Boot, von dem Trump spricht?
Trumps Version, dass irgendwann mal ein Boot in Grönland angelandet ist, verkürzt die jahrhundertelange Geschichte der Insel drastisch. Seit etwa 4.500 Jahren gilt Grönland als besiedelt - seitdem leben die Inuit in dem Gebiet.
Der heute gebräuchliche Name der Insel geht auf die Wikinger zurück. Erik der Rote soll das Land im Jahr 982 n. Chr. entdeckt und wenige Jahre später besiedelt haben. In seinen Berichten sprach er von einem fruchtbaren "Grünland" - angeblich, um Siedler aus Island auf die Insel zu locken.
Nach den erfolglosen Verhandlungen zwischen den USA und Dänemark um die amerikanischen Gebietsansprüche auf Grönland entsendet die Bundeswehr 13 Soldaten zu einem Erkundungseinsatz.
16.01.2026 | 1:45 min1261 schworen die neuen Bewohner dem norwegischen König die Treue - Grönland wurde offiziell norwegisch. Als Dänemark und Norwegen im Jahre 1380 eine Union eingingen, kam Grönland mit.
Ab 1721 begann Dänemark mit der systematischen Kolonisierung inklusive Missionsstation, Handelsposten und einer Verwaltung. 1775 wurde Grönland offiziell zur dänischen Kolonie erklärt.
Von "nur einem Boot" kann also keine Rede sein. Es sind im Laufe der Geschichte natürlich auch andere Boote nach Grönland gekommen, völkerrechtlich relevant ist allerdings die dauerhafte Besiedlung, effektive Verwaltung und internationale Anerkennung des Gebiets. Das hat Dänemark seit Jahrhunderten vorzuweisen.
Im Grönland-Streit ist kein Ausweg in Sicht. Europa müsse eine eigene Vision entwickeln, sagt ZDF-Korrespondent Theveßen. Trotz sinkender Zustimmung habe Trump bis zur nächsten Wahl freie Hand.
20.01.2026 | 4:41 minHaben die USA Dänemarks Anspruch selbst anerkannt?
Die USA haben die dänische Souveränität über Grönland wiederholt offiziell anerkannt. 1941, während des Zweiten Weltkriegs, schlossen sie mit Dänemark ein Abkommen über Militärbasen auf der Insel. 1951 folgte ein Verteidigungsabkommen, das die US-Militärpräsenz auf der Thule Air Base regelt und die dänische Souveränität ausdrücklich anerkennt .
Trumps eigene Regierung nutzt also Verträge, die genau das dokumentieren, was Trump als nicht existent bezeichnet.
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