US-Präsident Trump beansprucht Insel:Wie groß ist Grönland wirklich?
von Carlotta Vogelpohl
Trump will Grönland. Ein Grund dafür könnte auch die vermeintliche Größe der Insel sein. Auf Karten scheint diese so groß wie Afrika zu sein. Das ist jedoch irreführend.
US-Präsident Donald Trump erhebt Anspruch auf Grönland – auch wegen der vermeintlichen Größe der Insel. Dabei könnte er durch die verzerrte Darstellung der Mercator-Karte getäuscht worden sein.
19.01.2026 | 0:44 minInwieweit Donald Trumps Vergangenheit als Immobilienmakler und Geschäftsmann seine Politik beeinflusst, ist schwer zu sagen. Wenn es um Grönland geht, zieht der US-Präsident 2022 in einem Interview jedoch selbst Parallelen: "Ich bin Immobilienentwickler. Ich schaue mir eine Ecke an und sage: 'Ich muss diesen Laden für das Gebäude, das ich baue, bekommen' usw." Mit Blick auf Grönland sei das nicht so anders, so Trump damals.
Bereits während seiner ersten Amtszeit äußerte Trump den Wunsch, das zu Dänemark gehörende Gebiet zu erwerben - nicht zuletzt wegen seiner vermeintlichen Größe:
Ich liebe Maps. Und ich habe immer gesagt: Schau dir die Größe an. Es ist riesig. Das sollte Teil der Vereinigten Staaten sein.
Donald Trump, US-Präsident
Tatsächlich erscheint Grönland auf Webkarten, wie etwa Google Maps oder OpenStreetMap riesig. Demnach wäre die Insel so groß wie der afrikanische Kontinent. Die Darstellung ist jedoch irreführend.
Grönland rückt ins geopolitische Zentrum: Trump droht Europa mit Zöllen und einem Militäreinsatz, falls die USA Grönland nicht kaufen können. Wie reagiert die EU?
19.01.2026 | 2:03 minGrönland auf Mercator-Projektion: richtige Winkel, falsche Größen
Unseren dreidimensionalen Globus in 2D gänzlich richtig darzustellen, ist nicht möglich. Daher gibt es eine Vielzahl an Karten und Darstellungen unserer Erde. Eine bis heute häufig verwendete Weltkarte beruht auf der sogenannten Mercator-Projektion. Diese wurde im Jahr 1569 von dem Kartografen Gerardus Mercator für die Seefahrt entwickelt.
Bis heute ist die Mercator-Karte ideal für Navigation, erklärt Mathias Gröbe von der Deutschen Gesellschaft für Kartografie. Denn sie ist winkeltreu und gibt damit Entfernungen richtig wieder. Das sei auch der Grund, warum Anbieter wie Google Maps weiterhin die Mercator-Darstellung nutzen. Der Vorteil geht jedoch auf Kosten der Größenverhältnisse, die teilweise stark verzerrt sind.
US-Präsident Donald Trump fordert weiterhin Grönland. Über die Maßnahmen der EU berichtet ZDF-Korrespondentin Claudia Bates aus Washington.
19.01.2026 | 0:34 minExperte: Unendliche Verzerrung an den Polen
Die proportionale Größe von Ländern ist bei der Mercator-Projektion nur am Äquator richtig. Gröbe erklärt:
Die Verzerrung nimmt mit der Distanz zum Äquator zu, an den Erdpolen ist die Verzerrung unendlich groß. Eine Darstellung der Pole ist nicht möglich.
Mathias Gröbe, Kartograf
Grönland wirkt dadurch so groß wie Afrika. Tatsächlich ist der afrikanische Kontinent fast 14 mal größer als Grönland.
Donald Trump setze "alle Mittel ein", um seine Ziele zu erreichen, sagt Norbert Röttgen, der stellvertretende CDU‑Fraktionsvorsitzende. Für die Mitwirkung von Grönland und Dänemark nutze Trump wirtschaftlichen Druck.
19.01.2026 | 5:19 minEin weiteres Beispiel für die Verzerrung durch die Mercator-Projektion ist ein Vergleich zwischen Grönland und der Arabischen Halbinsel, zu der unter anderem Saudi-Arabien und der Oman gehören. Die Halbinsel hat eine deutlich größere Fläche als Grönland - 2,7 Millionen im Vergleich zu 2,2 Millionen Quadratkilometer -, erscheint aber dennoch viel kleiner.
Keine richtige Kartendarstellung der Erde
Bis heute stellt jede flache Karte die Erdoberfläche in gewisser Weise falsch dar. Stattdessen kann eine Karte bestimmte Merkmale der Erde richtig wiedergeben, erklärt Gröbe. Das können etwa wahre Richtungen, wahre Entfernungen, wahre Flächen oder wahre Formen sein.
Flächentreuere Abbildungen bietet etwa die Karte von Carl Brandan Mollweide aus dem Jahr 1805, die die Erde als Ellipse darstellt.
Projektion der Erde nach Carl Brandan Mollweide.
Quelle: ImagoAnsonsten empfiehlt Gröbe die Projektion von Ernst Hammer (1892), die Equal-Earth Map, welche von der Afrikanischen Union unterstützt wird, sowie die Globusdarstellung von Google Maps.
Darstellung der Equal-Earth-Map.
Quelle: ImagoDie Mercator-Projektion verzerrt Größen und somit auch in gewisser Weise unseren Blick auf die Welt. Dass eine solche Erkenntnis den US-Präsidenten von seinem Interesse an Grönland abbringen würde, scheint eher unwahrscheinlich.
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