Reaktion auf Grönland-Pläne der USA:Trumps Zolldrohung: Wie könnte der Konter der EU aussehen?
von Klaus Weber
Die Grönland-Debatte wird immer härter geführt. US-Präsident Trump droht mit seinem Lieblings-Druckmittel: Strafzöllen. Wie kann die Antwort der EU aussehen?
Nachdem US-Präsident Trump der EU im Streit um Grönland erneut mit Zöllen gedroht hat, prüft die EU jetzt Gegenzölle. Auch Deutschland verschärft den Ton.
19.01.2026 | 1:47 minPartnerschaft war gestern. Das lernt die EU jeden Tag schmerzhaft aufs Neue. Donald Trump will die "totale Kontrolle" über Grönland. Länder, die gegen diesen Kurs sind, belegt er mit Strafzöllen. Insgesamt acht europäische Staaten sind betroffen - unter ihnen auch Deutschland.
Die Aufschläge von zusätzlichen zehn Prozent sollen ab dem 1. Februar gelten. Für die meisten deutschen Produkte würde beim Export in die USA dann ein Zoll von insgesamt 25 Prozent fällig.
Von Trumps Zöllen sind Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland betroffen.
Quelle: ZDFDie Möglichkeiten der EU, zu reagieren, sind aber gar nicht so klein.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wappnet sich die EU gegen die Zollpolitik von US-Präsident Trump. ZDF-Korrespondent Ulf Röller berichtet.
19.01.2026 | 1:07 minWelches Instrument hat die EU gegen handelspolitischen Druck?
Es wirkt wie eine Vorsehung, denn Ende 2023 hat sich die EU selbst ein Instrument gegeben, um handelspolitischem Druck zu begegnen. Um es zum Einsatz zu bringen, muss der Tatbestand der Nötigung vorliegen. Ein Drittland versucht in diesem Fall, die EU oder einen Mitgliedstaat mit gewissen Handelsmaßnahmen und sozusagen durch Zwang zu bestimmten Entscheidungen zu bringen.
Dann kann das sogenannte Anti-Coercion Instrument (ACI) zum Einsatz kommen. Es wird auch als "Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen" oder umgangssprachlich als "Handelsbazooka" bezeichnet.
Durch welche Praktiken würde dieses Instrument ausgelöst werden?
Unzulässige Eingriffe in die legitimen souveränen Entscheidungen der Union und der EU-Staaten. Als Beispiel nennt die EU-Kommission dort einen Handelspartner, der zusätzliche, benachteiligende Zölle einführt oder damit droht.
Deutsche Autos seien in den USA nicht mehr wettbewerbsfähig, sagt Automobilexperte Stefan Reindl. Für die ohnehin angeschlagene Automobilbranche wären US-Strafzölle ein weiterer Schlag.
19.01.2026 | 10:32 minWas wären mögliche Maßnahmen der EU?
Die Bandbreite der möglichen Gegenmaßnahmen ist demnach weit gefasst: Zölle, Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für Waren und Dienstleistungen oder verschiedene Beschränkungen für den Zugang zum EU-Markt. All das kann etwa auch ausländische Direktinvestitionen, also einen Fabrikbau, Firmenkäufe in der EU oder ein Investment an den Finanzmärkten betreffen.
Konkret könnte man US-Unternehmen von öffentlichen Ausschreibungen ausschließen oder Vertriebsrechte für Patente zurückrufen. Damit könnte die EU auch US-Digitalkonzerne treffen.
Allerdings heißt es in der entsprechenden Verordnung auch, die Gegenmaßnahmen seien nur ein letztes Mittel und müssten verhältnismäßig sein. Vorrangiges Ziel des ACI sei die Abschreckung. Das Instrument sei daher am erfolgreichsten, wenn es nicht eingesetzt werden müsse.
Wie wäre der Ablauf?
Voraussetzung ist, dass ein Mitgliedsland einen derartigen Antrag stellt. Der französische Präsident Emmanuel Macron spielt offen mit diesem Gedanken. Die EU kann aber auch aus eigener Initiative heraus aktiv werden. Dann prüft die Kommission, ob wirtschaftlicher Zwang vorliegt. Sie müsste also in diesem Fall erst einmal formal feststellen, dass die USA die europäische Wirtschaft bedrohen und in die "souveränen Entscheidungen" der EU oder ihrer Mitgliedsländer eingreifen.
- "Verweigerung" von Friedensnobelpreis: Trump fühlt sich nicht mehr zu Frieden verpflichtet
Danach müsste der Rat noch zu einer solchen Feststellung kommen. Daraufhin würde die Kommission den Drittstaat auffordern, den Zwang zu unterlassen - und im besten Fall mit ihm gleichzeitig Gespräche führen. Geprüft werden würde so, ob Verhandlungen, Vermittlung oder Schlichtung möglich seien.
Der Handelskonflikt mit den USA ist auch für die deutsche Wirtschaft von Bedeutung. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann mit einer Einschätzung.
19.01.2026 | 1:17 minWas raten Experten der EU?
Die meisten Experten halten Gegenmaßnahmen nun für unausweichlich, mahnen aber dennoch zur Vorsicht. Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts, etwa rät zu einer zweigleisigen Strategie: "Erstens Gegenmaßnahmen ankündigen, falls die USA die Zölle wirklich einführen", sagte der Chef des Münchner Instituts. "Zweitens aber Verhandlungen vorschlagen."
US-Präsident Trump hat Strafzölle für Deutschland und weitere NATO-Staaten angekündigt. Über die Reaktion Europas berichtet ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers aus Brüssel.
19.01.2026 | 1:03 minKommt ein solcher Schritt wirklich?
Das ist noch nicht klar. Aber die EU wirkt entschlossener als zuletzt. Am Donnerstag treffen sich die Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel. Zudem liegt das im Sommer ausgehandelte, für die USA sehr günstige EU-Zollabkommen bereits auf Eis. Die Fraktionen im Europaparlament haben sich geeinigt, es vorerst nicht zu ratifizieren.
Falls Trump Ernst macht, liegen zudem Pläne für Gegenzölle auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro in der Schublade.
US-Ansprüche auf Grönland:Grönland-Streit: Was Trumps Zolldrohungen bedeuten
Mehr zum Konflikt in Grönland
- Interview
Experte Reindl zum Handelskonflikt:Wie Trumps Zölle deutsche Autohersteller unter Druck setzen
mit Video10:32 - Interview
Reaktion auf Trumps Zollandrohung:Weber kündigt harte Gegenmaßnahmen der EU an
von Stefanie Reulmannmit Video5:32 Konflikt um Grönland:"Törichte Zölle": Demokraten wollen Trumps Pläne stoppen
mit Video2:35- Analyse
Streit um Grönland:Trumps Zoll-Drohung: So könnte die EU reagieren
von Isabelle Schaefersmit Video0:32