Experte Reindl zum Handelskonflikt:Wie Trumps Zölle deutsche Autohersteller unter Druck setzen
US‑Präsident Donald Trump droht Europa mit neuen Strafzöllen. Experte Reindl warnt vor massiven Folgen für deutsche Autobauer und einer Verlagerung der Produktion in die USA.
Sehen Sie das Interview mit Stefan Reindl in voller Länge.
19.01.2026 | 10:32 minDer Streit um Grönland spitzt sich zu - und damit auch der wiederaufgeflammte Zollstreit zwischen US-Präsident Donald Trump und der EU. Damit steigt das Risiko weiterer Importzölle der USA auf Einfuhren europäischer Nato-Staaten, darunter Deutschland.
Bei Zöllen bis zu 25 Prozent wären deutsche Fahrzeuge in den USA nicht mehr wettbewerbsfähig, sagt Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA), im Interview mit ZDFheute live.
Das trifft vor allem die Premium-Hersteller.
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft
Trump droht Europa mit Strafzöllen wegen Grönland. Acht Länder wären betroffen. Die EU berät im Krisenmodus und prüft Gegenzölle von 93 Milliarden Euro. Steht ein Handelskonflikt bevor?
19.01.2026 | 2:38 minExperte: Autobranche im Prinzip erpressbar
Zu den betroffenen Premium-Herstellern zählte Reindl Porsche, Mercedes und BMW. "Das würde meines Erachtens sehr stark einbrechen, dieses Geschäft", betonte der Branchenkenner. Allerdings mache BMW in den USA rund 50 Prozent des Umsatzes mit Autos, die auch dort hergestellt würden. Darauf folgen seinen Angaben zufolge Mercedes und Volkswagen. Somit würden die Zölle vor allem Porsche und Audi treffen, denn die Unternehmen hätten keine eigene Produktion in den Vereinigten Staaten.
Der Experte glaubt, dass den deutschen Autobauern angesichts der Handelsbarrieren nichts anderes übrig bleiben wird, als die Produktion in den USA auszubauen. Vor allem dann nicht, wenn das Hin und Her bei den Zöllen so weitergehe. Somit sei die Branche im Grunde genommen erpressbar.
Es lässt sich eben nicht vermeiden, dort dann die Produktion auszuweiten oder aufzubauen.
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft
Mit Zoll-Drohungen erhöht Trump den Druck, um in der Grönland-Frage Verhandlungsmacht zu gewinnen. "Für die Nato ist das eine extrem schwierige Lage", sagt ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers.
19.01.2026 | 2:37 minExperte: Europa muss proaktiv handeln
Gleichzeitig sei es wichtig, sich andere Absatzmärkte wie China und Südamerika anzuschauen und dort zu punkten.
Wir werden sicherlich hier in Deutschland nicht die Füße stillhalten und diesem Geschehen zusehen.
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft
In einer gemeinsamen Erklärung warnen Deutschland und sieben weitere europäische Staaten vor einer Eskalation. Betont wird das Prinzip der Souveränität und territorialen Integrität.
18.01.2026 | 1:37 minReindl hält es für wichtig, dass die EU "proaktiv auf diese neue Misere eingeht" und rechtliche wie fiskalpolitische Hebel in Bewegung setzt, "eine Drohgebärde entgegenstellt".
Also zumindest darauf spekulieren, dass eben die EU auch etwas entgegenzusetzen hat.
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft
Damit meint er aber nicht unbedingt Gegenzölle der EU. Denn diese könnten sich negativ auf die einheimische Automobilindustrie auswirken. "Das muss man schon genau angucken, was da eben passieren könnte", sagt er im Interview.
Die Bundesregierung will mehr E-Autos auf die Straße bringen und kündigt dafür neue finanzielle Anreize an. Freien Ladestrom wird es jedoch auch bei dieser Förderung nicht geben.
19.01.2026 | 2:28 minReindl: E-Auto-Prämie "relativ sinnfrei"
Mit Blick auf die E-Auto-Prämie, die heute vorgestellt wurde, betonte Reindl:
Ich halte diese Prämie für relativ sinnfrei. Ich glaube ganz einfach, dass das nicht nachhaltig ist.
Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft
Der Branchenkenner glaubt nicht, dass die bereitgestellten Mittel drei Jahre reichen werden. Zudem würden andere Märkte wie der Gebrauchtwagenmarkt beeinträchtigt. Reindl rechnet damit, dass die Restwerte der Gebrauchtwagen im Markt durch die Prämie sinken werden.
Er hält auch Mitnahmeeffekte für möglich: Automobilhersteller könnten weniger Nachlässe geben, so dass die Preise für Elektroautos gar nicht sinken. Und Kunden, die ohnehin ein Elektroauto gekauft hätten, profitierten von der Prämie, obwohl sie das Auto auch ohne sie gekauft hätten.
Das Interview führte Christina von Ungern-Sternberg, ausgewertet wurde es von ZDFheute-Redakteurin Katia Rathsfeld.
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