Reaktion auf Trumps Zollandrohung:Weber kündigt harte Gegenmaßnahmen der EU an
von Stefanie Reulmann
Nach der Zollandrohung Trumps hat die EU das Handelsabkommen mit den USA "auf Eis gelegt", sagt EVP-Chef Weber im ZDF. "Wir sind bei weitem nicht machtlos."
Nach der Zollandrohung von US-Präsident Trump kündigt der Vorsitzende der konservativen EVP im Europaparlament, Manfred Weber, in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" Konsequenzen an.
18.01.2026 | 5:32 minDer Streit um Grönland eskaliert weiter. Nun hat US-Präsident Donald Trump mehreren europäischen Ländern aufgrund ihrer Teilnahme an der Militärübung in Grönland höhere Zölle angedroht. Ab Februar zehn Prozent und ab Juni dann sogar 25 Prozent.
EU stoppt Handelsabkommen mit den USA
Dieses Vorgehen kritisiert der Vorsitzende der konservativen EVP im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), scharf. Als erste Reaktion habe die EU nun das Handelsabkommen mit den USA "auf Eis gelegt", sagt er in der ZDF-Sendung "Berlin direkt":
Das heißt, Donald Trump wird den zollfreien Zugang seiner amerikanischen Produkte in den europäischen Binnenmarkt nicht bekommen.
Manfred Weber, EVP-Chef
Das sei "gemeinsam mit den anderen Fraktionschefs heute Nacht" entschieden worden. "Ein erstes klares Signal", sagt Weber. Trump müsse beweisen, dass man mit ihm "regelbasiert arbeiten" könne, sonst mache "die Ratifikation keinen Sinn", sagt er. Und für die USA sei der "zollfreie Zugang zum europäischen Markt" von großer Bedeutung.
Der Streit um Grönland belastet die transatlantischen Beziehungen. Deutschland und andere europäische Länder weisen Trumps Drohungen zurück und warnen vor einer Eskalation.
18.01.2026 | 3:36 minReaktion auf Trumps Drohung
Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil reagierte verärgert auf die Drohung des US-Präsidenten. Man lasse sich nicht erpressen, sagt er, "nicht mit Zöllen und nicht mit Worten".
Die von der Zollandrohung betroffenen Länder Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Norwegen, Schweden und das Vereinigte Königreich veröffentlichten heute ein gemeinsames Statement. Darin heißt es:
Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation.
Gemeinsames Statement
Die acht europäischen Staaten kündigen an, "weiterhin geeint und koordiniert" zu reagieren. "Wir sind entschlossen, unsere Souveränität zu wahren", heißt es in dem Statement, und weiter: "Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands."
US-Präsident Donald Trump fordert weiterhin Grönland. Über die Maßnahmen der EU berichtet ZDF-Korrespondentin Claudia Bates aus Washington.
19.01.2026 | 0:34 minGrönland-Übung stelle "keine Bedrohung" dar
In ihrem Statement weisen die Staaten noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass die von Dänemark koordinierte Übung "Arctic Endurance" für "niemanden eine Bedrohung" darstelle. Sie sei "eine Antwort auf die Notwendigkeit größerer Sicherheit in der Arktis", heißt es darin.
Nach Trumps Zoll-Drohung warnen die acht betroffenen Länder in einer Erklärung vor einer Eskalation. Trumps Plänen, Grönland zu übernehmen, werde zunächst nicht nachgegeben.
18.01.2026 | 1:45 minMit seinem Anspruch auf Grönland beschwöre Trump einen "inneren Nato-Konflikt" herauf. Das mache "sprachlos", sagt Weber, denn es gehe "nicht nur um den Landstrich":
Wer mit Grönland spielt, spielt mit der Nato.
Manfred Weber, EVP-Chef
Deshalb müsse die Nato auch eine "klare Botschaft" senden, dass man eine Lösung wolle. Aus diesem Grund, so Weber, seien die Soldaten nach Grönland entsendet worden.
US-Präsident Trump hat am Wochenende Zölle gegen Deutschland und sieben weitere NATO-Staaten angekündigt. Die EU will auf einem Sondergipfel beraten, wie sie darauf reagieren soll.
19.01.2026 | 0:29 minTrump will EU spalten
Eine Androhung von Zöllen nur für einige EU-Staaten laufe ins Leere, sagt der EVP-Chef. Die EU sei ein Handelsverbund, der über das Handelsrecht entscheidet, das könnten nicht die einzelnen Nationalstaaten für sich tun. Es sei der Versuch des US-Präsidenten, einen Keil in die EU zu treiben.
Seit einem Jahr setzt Trump die Zollpolitik als Druckmittel ein. Man habe dann verhandelt "und jetzt sind wir wieder zurück auf Los", sagt der CSU-Politiker. "Trump hat gerade heute Nacht auch viel verspielt."
„Wir müssen deutlich machen, dass Europa hier eine Grenze aufzeigt, dass wir in der Lage sind, unseren Wirtschaftsraum zu verteidigen“, sagt Außenminister Johann Wadephul (CDU).
18.01.2026 | 7:22 minUltima Ratio bei Erpressungsversuchen
Einige bezeichnen den Versuch Trumps, mit der Androhung hoher Zölle Druck auszuüben, als Erpressungsversuch. Für solche Fälle hat die EU vor zwei Jahren das "EU-Anti-Coercion-Instrument (ACI)" eingerichtet, das schärfste Schwert der EU in Handelskonflikten, die sogenannte "Handels-Bazooka".
Weber zeigt sich im ZDF erleichtert, dass dieses Gesetz beschlossen wurde:
Die Optionen liegen auf dem Tisch. Das ist eine der Möglichkeiten, die wir haben.
Manfred Weber, EVP-Chef
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will dieses Instrument nun im Zollkonflikt nutzen. Man könnte dann die Zulassung von amerikanischen Produkten in Europa stoppen oder US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausschließen. Auch zusätzliche Abgaben für amerikanische Softwareunternehmen seien denkbar. Das könnte US-Konzerne empfindlich treffen.
Nach jahrzehntelangen Gesprächen ist das Mercosur-Abkommen nun unterzeichnet worden. Die EU und die Mercosur-Staaten ebnen den Weg für einen weitreichenden Freihandelsraum.
17.01.2026 | 2:37 minWeber hofft auf Einigung bei Mercosur
In den nächsten Wochen stehe erst einmal die Abstimmung für Mercosur im Europäischen Parlament an. Es betreffe 700 Millionen Verbraucher, die "zollfrei zusammenarbeiten wollen", sagt Weber, und nennt es "das perfekte Anti-Trump-Abkommen". Denn wer "den Trump-Stil" nicht wolle, müsse jetzt Partnerschaften mit anderen suchen. "Das ist die eigentliche Aufgabe unserer Zeit", sagt er im ZDF.
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