Wirtschaft, Westen, Weltfrieden:Beim Weltwirtschaftsforum in Davos geht es diesmal um alles
von Florian Neuhann
Im schweizerischen Davos trifft sich diese Woche die Elite aus Politik und Wirtschaft. US-Präsident Trump reist mit einer großen Delegation an - und dürfte den Ton angeben.
Strafzoll-Drohungen und Trumps Anspruch auf Grönland setzen das Weltwirtschaftsforum unter Druck. Politische Stürme ziehen über Davos auf, noch bevor die Gespräche beginnen.
19.01.2026 | 2:30 minDraußen, vor der Kirche auf der Promenade von Davos, steht noch ein Aufsteller mit einem Bibel-Zitat: "Lehre uns zählen unsere Tage, damit wir weise werden." Drinnen aber hat in diesen Tagen eine weltliche Macht übernommen: große US-Firmen, die hier ihr Hauptquartier fürs Weltwirtschaftsforum aufgeschlagen haben - vom Software-Riesen Microsoft über den Pharmakonzern Pfizer bis zum Halbleiterhersteller Qualcomm. Wird man hier in dieser Woche ebenfalls weiser?
Zumindest über die Pläne der US-Regierung und die akute Zukunft des Westens könnte es die Woche in Davos etwas Aufschluss geben. Denn das Weltwirtschaftsforum (WEF), das am Montagabend offiziell mit einem Konzert eröffnet wird, steht diesmal mehr denn je im Zeichen der USA - mit dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump, geplant für diesen Mittwoch, als Höhepunkt.
Vom 19. bis 23. Januar findet das Weltwirtschaftsforum in Davos statt. Trump reist in diesem Jahr mit einer großen Delegation an. Seine Zolldrohungen bestimmten die Debatten.
18.01.2026 | 3:10 minWEF-Geschäftsführer: Große Bandbreite teilnehmender Länder
Trump kommt mit einer Riesendelegation nach Davos: Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick gehören ebenso dazu wie die Sondergesandten und Top-Verhandler Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Es wirkt, als hätten die USA das Forum in diesem Jahr für sich gekapert.
Handelskriege sind laut dem globalen Risikobericht des Weltwirtschaftsforums die größte derzeitige Sorge für die Wirtschaft.
14.01.2026 | 1:34 minDem widerspricht Alois Zwinggi im Interview mit ZDFheute. Zwinggi ist Geschäftsführer des WEF - und betont: Man begrüße doch immerhin sechs von den sieben Regierungschefinnen und -chefs der G7-Staaten in Davos.
Und es gibt eine ganz große Bandbreite von teilnehmenden Ländern und Firmen - und das wird nicht nur einen USA-Fokus geben.
Alois Zwinggi, Geschäftsführer des WEF
Nach zwei Jahren Rezession ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt wieder gewachsen - aber nur um 0,2 Prozent. Wie das Mini-Plus einzuordnen ist, erklärt ZDF-Experte Frank Bethmann.
15.01.2026 | 1:41 min64 Regierungschefs, 850 Unternehmenschefs in Davos
Womit er einerseits recht hat - in Davos tummeln sich nach Angaben des WEF 64 Staats- und Regierungschefinnen und -chefs und rund 850 Unternehmenschefinnen und -chefs.
Andererseits steht beinahe jedes Thema, das sie hier diskutieren, am Ende doch im Zeichen der US-Politik. Ob die künstliche Intelligenz, die maßgeblich von US-Firmen bestimmt wird. Oder Russlands Krieg gegen die Ukraine. In Davos soll es auch zu einem Treffen zwischen Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kommen.
Der Streit um Grönland belastet die transatlantischen Beziehungen. Deutschland und andere europäische Länder weisen Trumps Drohungen zurück und warnen vor einer Eskalation.
18.01.2026 | 3:36 minTrumps Grönland-Politik hat viele schockiert
Und schließlich der jüngste Aufreger: Trumps Appetit auf Grönland und seine Zolldrohung gegenüber einigen EU-Staaten, darunter auch Deutschland. Es ist ein Schritt, der viele WEF-Teilnehmer schockiert haben dürfte - hatte man sich doch gerade halbwegs eingerichtet in der neuen Handelsordnung und mit den Zoll-Deals unter Donald Trump abgefunden.
Jetzt steht diese Drohung diametral zu allem, was sie in Davos eigentlich fördern wollen: freien Handel und Multilateralismus, also die Zusammenarbeit verschiedener Staaten miteinander.
Der Streit um Grönland belastet das Verhältnis zu den USA. Mehrere europäische Länder reagieren auf die angedrohten Zölle. Einschätzungen von Florian Neuhann und Claudia Bates
18.01.2026 | 4:29 minDas spannendste Davos-Treffen seit Jahren?
Auf diese Werte werden die europäischen Rednerinnen und Redner auch pochen in Davos: ob EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die am Dienstag die Bühne in den Schweizer Alpen betritt. Oder der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Donnerstag offiziell das Wort ergreifen wird.
Am Rande des Treffens aber - davon ist auszugehen - wird es auch zu Krisengesprächen untereinander kommen. Und womöglich auch mit Donald Trump. Beobachter sprechen schon vom spannendsten Davos-Treffen seit vielen Jahren. Ein Weltwirtschaftsforum, auf dem es um alles geht: Weltfrieden, die Handelsordnung, die Frage, ob der Westen so überhaupt noch existiert.
Wer als Besucher nach dieser Woche übrigens genug hat von solchen Aufregerthemen - für den gäbe es durchaus Möglichkeiten sich umzuorientieren. Die freie evangelische Gemeinde, deren Kirche in Davos zum USA-Haus umfunktioniert wird, sucht gerade nach einem neuen Pfarrer. Eine 80-prozentige Teilzeit soll auch möglich sein.
Florian Neuhann leitet das ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen - und berichtet diese Woche vom Weltwirtschaftsforum in Davos.
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