Deutsche Wirtschaft legt leicht zu:Ein Hauch von Wachstum
von Klaus Weber
Zwei Jahre schrumpfte die deutsche Wirtschaft. Nun gibt es ein Mini-Plus von 0,2 Prozent. Wie groß ist die Hoffnung, dass es nun weiter aufwärts geht?
Nach zwei Rezessionsjahren ist das Bruttoinlandsprodukt 2025 um 0,2 Prozent gestiegen. Grund sind vor allem privater Konsum und staatliche Investitionen, während die Exporte weiter zurückgingen.
15.01.2026 | 0:22 minFast ist man geneigt, lautstark auszurufen: "Hurra, es ist ein Plus!" Denn nach zwei Jahren Schrumpfkur ist die deutsche Wirtschaft im Jahr 2025 immerhin wieder hauchdünn gewachsen - um 0,2 Prozent.
Doch um gleich ordentlich Wasser in den Wein zu gießen: Die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts sind alles andere als ein starkes Comeback. Aber es könnte zumindest ein zartes Pflänzchen wachsen.
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Das sieht auch Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft so:
Nach zwei Jahren der Rezession scheint damit so etwas wie eine Trendwende erreicht zu sein. Wenngleich 0,2 Prozent im internationalen Vergleich nicht viel sind, so ist es immerhin ein Plus.
Samina Sultan, Institut der deutschen Wirtschaft
Deshalb geht der - leicht bange - Blick auch schon in die Zukunft. Schafft es Deutschland nun tatsächlich, den Hebel umzulegen?
Die deutsche Wirtschaft wächst wieder leicht nach zwei Jahren der Rezession. Wie stabil bleibt dieses Wachstum? ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet.
15.01.2026 | 1:23 minHoffnung auf mehr
Das leichte Wachstum des Jahres 2025 war sozusagen ein Vorbote dessen, was sich da in nächster Zeit noch in seiner geballten Kraft entfalten soll. Denn gestützt wurde die Entwicklung vor allem durch die Staatsausgaben für Infrastruktur und Rüstung. Etwas überraschend gesellte sich noch der private Konsum dazu.
Für das laufende Jahr wird nun auch deshalb von vielen Experten ein weiteres Wachstum erwartet, das den meisten Schätzungen zufolge rund ein Prozent betragen wird. Dabei soll 2026 aber nur ein Durchgangsjahr sein, bevor es 2027 noch besser wird.
Gründe für Besserung
Und tatsächlich: Es gibt gleich mehrere gute Gründe dafür, dass Deutschland das schaffen kann. Zum einen wäre da die Industrie. Sie hat offenbar Tritt gefasst. Ihre Aufträge wuchsen zuletzt drei Monate in Folge. Im November fiel das Plus mit 5,6 Prozent zum Vormonat sogar so groß aus wie seit über einem Jahr nicht mehr.
"Die Stimmungslage der Unternehmen hat sich mit Blick auf 2026 bereits etwas verbessert", sagt Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ BANK.
Vor allem in der Industrie tut sich was: Die Auftragseingänge sind deutlich gestiegen und auch die Industrieproduktion nimmt an Fahrt auf.
Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ BANK
Sogar mit Blick auf den lange gebeutelten Export gibt es wieder mehr Optimismus. Zudem gibt es weitere Hoffnung von der Verbraucherseite. "Kräftig steigende Löhne und ein sich nach und nach verbessernder Arbeitsmarkt stützen die realen Einkommen und damit den privaten Konsum", erwartet nämlich die Bundesbank für das laufende Jahr.
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Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) rechnet mit einem Anstieg der Bruttolöhne und -gehälter um 4,3 Prozent. Bei einer erwarteten Inflationsrate von zwei Prozent dürfte die Kaufkraft damit steigen.
Risiken bleiben bestehen
Also noch mehr privater Konsum. Das wäre besonders wichtig. Denn er steht für einen Großteil der deutschen Wirtschaftsleistung.
Aber so weit sind wir noch lange nicht. Denn leider leben wir in einer Welt, die nach wie vor von Unruhe und Transformation geprägt sein wird. Was bedeutet, dass es weiterhin geopolitische Veränderungen geben wird.
Laut dem globalen Risikobericht des Weltwirtschaftsforums werden Handelskriege zur größten Sorge für die Wirtschaft.
14.01.2026 | 1:35 minAuch handelspolitisch gibt es nach wie vor große Fragezeichen: Was folgt nach der Zollpolitik? Was fällt Donald Trump als nächstes ein? Zudem sind die besten Zeiten des Warenaustauschs mit China vorbei.
Und es gibt nach wie vor die berühmten Hausaufgaben in Deutschland: Es braucht - nach dem Herbst der Reförmchen - weitere Initiativen zur Verbesserung des Standorts. Nur so wird es dazu kommen, dass die dringend benötigten Investitionen aus der Privatwirtschaft kommen, ohne die ein nachhaltiger und sich selbst tragender Aufschwung unmöglich ist.
Seit Trumps Amtsantritt belastet seine Zollpolitik den Welthandel. Eine Studie zeigte im November starke Folgen für Deutschland.
24.11.2025 | 1:30 minInvestitionen in die Infrastruktur und Rüstung sind zwar schön und gut, aber wenn es keine privaten Anschlussinvestitionen gibt, bleiben die gewaltigen Ausgaben der Regierung nur ein Strohfeuer - und aus dem Startschuss durch die Politik wird nur ein Schuss in den Ofen.
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