Trump und Grönland: Der doppelte Test des US-Präsidenten

Analyse

Expertin erklärt Zusammenhänge:Grönland und die USA: Trumps doppelter Test

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Der Streit um Grönland belastet das Verhältnis zwischen Europa und den USA. Politologin Clüver Ashbrook erklärt, wie Trump den Konflikt auch für innenpolitische "Spielchen" nutzt.

Politologin Cathryn Clüver Ashbrook vor einem weißen Bücherregal.

Trumps Politik habe das über 80 Jahre gewachsene Vertrauen zwischen Europa und den USA schwer verletzt, sagt Politologin Clüver Ashbrook. Damit schade die US-Regierung auch dem eigenen Land.

18.01.2026 | 17:18 min

Der US-Präsident streckt seine Hand nach Grönland aus. Damit mache Donald Trump einen doppelten Test, sagt Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook im Interview mit ZDFheute live. Zum einen stelle er den Zusammenhalt von Nato und EU auf die Probe. Aber auch ob der amerikanische Kongress ihn überhaupt noch zurückhalten könne.

Die Expertin von der Bertelsmann-Stiftung betonte, dass Trump immer wieder habe aufblitzen lassen, dass er von den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht viel halte. Gleichzeitig wolle er mit dem Festbeißen an einer "Grönland-Vision" ablenken von bestimmten innenpolitischen Verhältnissen. Und so spiele der US-Präsident "mehrere Spielchen gleichzeitig".

Es ist ein Test der Funktion der Nato und des Zusammenhalts der EU.

Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin

Cathryn Clüver Ashbrook
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.

... ist eine deutsch-amerikanische Politologin, USA-Expertin und Senior Advisor bei der Bertelsmann Stiftung. Zuvor leitete sie das Future of Diplomacy Project an der Harvard Kennedy School und war Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.


Expertin warnt vor autoritären Tendenzen in den USA

Mit Blick auf Trump gehe es darum, wie viele Machtbefugnisse er tatsächlich habe, aber auch, wie sehr der Präsident gegen den Willen des Landes steuern möchte. "Die Grönland-Entscheidung ist so unpopulär wie nichts anderes Außenpolitisches, was derzeit auf der Agenda ist. Das scheint diesen Präsidenten nicht einzuschränken", betonte Clüver Ashbrook. Und das zeige, dass in den Vereinigten Staaten bereits "autoritäre Entwicklungen" gebe.

Da ist ein Mann mit seinem Kabinett, auch gegenüber seinem Land, fast allein zu Hause.

Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin

Die Expertin erwähnte auch den Einsatz der Einwanderungsbehörde ICE, die als "Arm der Regierung" auf den Straßen der USA "für Chaos und Angst sorgt und nicht tatsächlich den eigentlichen vermeintlichen Zielen nachkommt". Das schlage Trump zwar in Form von Protest entgegen, aber "es scheint von diesem Präsidenten, jedenfalls in seinem eigenen Verständnis, abzuprallen wie Teflon".

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Wie entscheidet der Oberste Gerichtshof zu Zollauflagen?

Innenpolitisch werde es für den US-Präsident also schwieriger. "Aber das setzt immer noch voraus, dass die (Midterm-) Wahlen im November normal ablaufen würden. Auch das steht inzwischen ganz stark infrage."

SGS-Bates-Schaefers

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Entscheidend sei auch, wie der Oberste Gerichtshof in den kommenden Wochen zu den Zollauflagen entscheidet, die Trump erlassen hat. Sollten sie als nicht rechtens eingestuft und zurückgenommen werden, "dann steht Donald Trump, im Übrigen und das Land auch, vor einem absoluten Scherbenhaufen".

Denn wenn Zollauflagen zurückgenommen würden, habe das auch Auswirkungen darauf, wie die Drohgebärden auf die Europäer wirken.

Die nächsten Wochen versprechen deutliches weiteres Chaos, sowohl innenpolitisch wie eben auch außenpolitisch.

Cathryn Clüver Ashbrook, Politikwissenschaftlerin

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Clüver Ashbrook: Trump will ablenken von Innenpolitik

Europa müsse sich indes, was den Streit um Grönland angeht, auf alle Eventualitäten vorbereiten und sie durchdenken, aber auch ein Paket aus handelspolitischen Offerten und hochgefahrenen Sicherheitsangeboten verkaufen. "Das ist die diplomatische Handlungsweise dieser Stunde", betonte die Politikwissenschaftlerin.

Dass der Präsident ein solches Angebot annehme, sei vorstellbar. "Aber in diesem Moment möchte Donald Trump alles austesten und alles ausreißen, was er kann, weil er sich vermeintlich die Ablenkung von innenpolitischen Problemen aus dieser Idee erhofft", sagte Clüver Ashbrook. Das entbehre zwar aller innen- und außenpolitischen Logik aus US-Sicht, ergebe für "den Narzissten Donald Trump tatsächlich" eine "interne Logik".

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Zerstörtes Vertrauen und angeknackstes Verhältnis

Insgesamt sei ein riesiger transatlantischer Schaden angerichtet worden, betont die Expertin. Zu allererst sei das Vertrauen verletzt worden, das über 80 Jahre gewachsen sei. Aber auch der Austausch zur Sicherheit und das Handelsverhältnis stünden auf dem Spiel. Viele Firmen würden derzeit Investitionen in den USA überdenken.

Die Welt sehe, wie die USA mit diesem Handeln "ein Eigentor nach dem anderen" schießen würden. Dennoch sei es die Attitüde des Weißen Hauses, dass aus dem Schwergewicht USA ein "Bully" - ein Machtdemonstrant - werde. "Und dadurch all das schwächt, was über 80 Jahre tatsächlich die USA in der Welt funktional, aber eben auch vor allen Dingen mächtig gemacht hat."

Das Interview bei ZDFheute live führte Jessica Zahedi. Ausgewertet hat es ZDFheute-Redakteurin Katia Rathsfeld.

Sehen Sie hier die gesamte ZDF heute live-Sendung:

Donald Trump vor einer Grafik einer Weltkarte, auf der die USA und Grönland farbig markiert sind.

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Quelle: ZDF, dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 18.01.2026 ab 14 Uhr.

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