US-Präsident ein Jahr im Amt:Trump will, was Trump will
von Elmar Theveßen, Washington D.C.
Ein Jahr Donald Trump: Während manche profitieren, wächst global die Verunsicherung. Die USA bewegen sich vom demokratischen Anspruch weg - und viele Bürger spüren die Folgen.
Ein Jahr nach Beginn seiner zweiten Amtszeit hält Donald Trump Europa und die Welt in Atem. Die internationale, regelbasierte Ordnung gerät ins Wanken, auch die US-Demokratie steht unter Druck.
20.01.2026 | 2:42 minCraig Reaves ist hochzufrieden mit seinem Präsidenten. Der Shrimpfischer in Beaufort, South Carolina, freut sich, dass Donald Trump hohe Strafzölle gegen die Einfuhr von Billigshrimps aus Asien verhängt hat. Auf diese Weise haben frische Shrimps aus dem Atlantik eine faire Chance im Handel.
Auch sonst hat Reaves nichts an Trump zu kritisieren: "Er hat in sechs bis acht Monaten die Südgrenze fast komplett dichtgemacht. Das ist großartig. Er geht wie Ronald Reagan gegen die Drogenkartelle vor - von Mexiko bis Venezuela. Er jagt Schmuggelboote in die Luft."
Sehen Sie die ZDFzeit-Dokumentation "Donald Trump - König im Weißen Haus?" am Dienstag, 20.01.2026, um 20.15 Uhr im ZDF - oder jederzeit in der ZDF-Mediathek.
Amerika auf dem Weg in den Autoritarismus
Und doch wächst die Zahl der Menschen in den USA und rund um den Globus, die sich von der Politik des amerikanischen Präsidenten eher bedroht fühlen. Seit einem Jahr versucht die Welt, Donald Trump zufriedenzustellen. Dabei stellen vor allem die Europäer fest, dass sie es dem US-Präsidenten gar nicht recht machen können.
Denn dafür müssten sie das Völkerrecht und einen Teil ihrer rechtsstaatlichen Prinzipien über Bord werfen, so wie Donald Trump es ununterbrochen tut. Amerika ist auf dem Weg in den Autoritarismus.
Politikwissenschaftler haben für dieses Stadium einen Fachbegriff entwickelt: kompetitive Autokratie. Es sieht noch aus wie eine Demokratie mit einem Parlament, Gerichten und geplanten Wahlen, aber in Wirklichkeit sagt schon jetzt einer allen, wo es lang geht.
Die Dokumentation beschreibt, wie das System Trump funktioniert, und erkundet nah an den Menschen im Land die Folgen der Politik des Präsidenten.
20.01.2026 | 44:06 minTrump will mitreden, wer im November wählen darf
Und wenn es nach Donald Trump geht, wird es bald auch keine freien und gerechten Wahlen mehr geben. Vergangene Woche sprach er davon, wie unfair es wäre, wenn im November 2026 auf einmal die Mehrheiten im Kongress wechseln sollten und er mit einem weiteren Amtsenthebungsverfahren rechnen müsste.
Also macht er Druck, um die Briefwahl und die Abstimmungsmaschinen abzuschaffen. Er hat die Wählerlisten aus 40 Bundesstaaten angefordert und will mitreden, wer eigentlich wählen darf, obwohl ein Präsident kein Recht dazu hat, den Regionalparlamenten in die Regeln für Wahlen reinzureden, nicht mal für die Präsidentschaftswahl 2028.
Ein tödlicher ICE-Einsatz in den USA, neue Ansprüche auf Grönland und wachsender Druck auf Iran: Wie weit reicht die Macht von Trump – innen- und außenpolitisch?
13.01.2026 | 61:07 minBei seinem Amtsantritt vor genau einem Jahr hat Trump vor allem zwei Versprechen gemacht: "Das goldene Zeitalter für Amerika beginnt jetzt" und: "Von heute an wird unser Land florieren und respektiert werden in aller Welt". Gemessen daran sind die ersten zwölf Monate im Amt ein kolossaler Fehlschlag.
Amerikaner leiden unter hohen Preisen
Zunächst zu seinem Versprechen an all jene, die sich seit langem von der Politik im Stich gelassen fühlen: Im November erreichte die Arbeitslosenrate mit 4,6 Prozent den höchsten Stand seit vier Jahren, die Jugendarbeitslosigkeit lag bei 16 Prozent. 2025 wurden in den USA deutlich weniger Fabriken gebaut als in den Jahren zuvor, die Zahl der Jobs in der Industrieproduktion ist um 75.000 zurückgegangen. Die Inflation liegt bei 2,7 Prozent.
Preise für Lebensmittel, Wohnraum, Strom und vieles andere sind geklettert, bei einigen Warengruppen wie Rindfleisch und Kaffee um zweistellige Prozentwerte. 70 Prozent der Amerikaner beklagen zu hohe Preise. 18 Millionen Menschen könnten wegen der gestrichenen staatlichen Zuschüsse ihre Krankenversicherung verlieren.
Die Kürzung der Lebensmittelhilfen verschärft die Situation für knapp 50 Millionen Amerikaner, die schon jetzt nicht genug zu essen haben. Das Wirtschaftswachstum ist getragen von den Zuwächsen der Tech-Industrie. Die Reichen sind reicher, die Armen ärmer geworden unter Trump, der sein eigenes Vermögen um rund drei Milliarden US-Dollar vergrößern konnte.
Die Inflation in den USA wirkt moderat, doch Preise für Gemüse und Fleisch steigen massiv. Gründe dafür sind unter anderem Einfuhrzölle und steigende Einkaufskosten bei Supermärkten.
22.08.2025 | 1:28 minMehrheit der Amerikaner lehnt Trumps Migrationspolitik ab
Alyssa Farrah Griffin, die in Trumps erster Amtszeit die strategische Kommunikation im Weißen Haus leitete, sagt: "Mit seinen durchschlagenden Strafzöllen hat er der amerikanischen Industrieproduktion eher geschadet, es gab keinen massiven Zuwachs bei den Jobs."
Die Lebenshaltungskosten sind unglaublich hoch. Das wird ihm mehr schaden als jedes andere Thema.
Alyssa Farrah Griffin, frühere Leiterin für strategische Kommunikation im Weißen Haus
Selbst Trumps hartes Vorgehen in der Zuwanderungspolitik lehnt mittlerweile eine Mehrheit der Amerikaner ab. 53 Prozent halten sie für überzogen, 36 Prozent für angemessen, 10 Prozent gehen sie nicht weit genug.
Die Tötung einer Frau durch einen ICE-Agenten löst in den USA Proteste aus. Wie viel Macht hat die Einwanderungsbehörde? Und wie gefährlich sind die Proteste für Trump? ZDFheute live analysiert.
10.01.2026 | 27:51 minSchmeicheln befeuert Trumps Machthunger
Donald Trump schleift Demokratie und Rechtsstaat ab, er untergräbt die Gewaltenteilung, setzt sich über Gesetze und lange gültige Rechtsprechung des Obersten Gerichts hinweg. Er setzt die Medien unter Druck und droht jedem, der sich ihm in den Weg stellt oder ihn kritisiert, mit Klagen, Ermittlungsverfahren und staatlichen Zwangsmaßnahmen. Der Präsident versucht, seinen Willen mit den Mitteln der Einschüchterung, Nötigung und Erpressung durchzusetzen.
Genauso agiert Donald Trump auch in der Weltpolitik. Die Androhung von Strafzöllen soll Wohlverhalten erzeugen; die Handelsdeals sollen Hunderte von Milliarden an Investitionen generieren, über deren Verwendung der Präsident allein entscheiden will, als wäre es seine private Handkasse.
Trump will, was Trump will - oft nicht aus konkreten strategischen Gründen, sondern einfach nur, weil er es will. Er fühlt sich ermächtigt, weil alle - auch die Anführer Europas - wenig bis keinen Widerstand geleistet haben. All ihr Schmeicheln hat ihn nicht besänftigt, sondern seinen Machthunger befeuert.
Vor knapp einem Jahr wurde Donald Trump zum zweiten Mal vereidigt – und versprach ein "goldenes Zeitalter für die USA". Wie hat sich seitdem das Verhältnis zwischen den USA und Europa verändert?
15.01.2026 | 4:33 minUS-Präsident erfüllt außenpolitische Versprechen nicht
Auch mit seinem weltpolitischen Versprechen ist Trump gescheitert: Amerika floriert nicht, und sein Ansehen in der Welt ist schwer angeschlagen.
"Soweit es Stabilität und eine Art regelbasiertes System seit 1945 gab, basierte es auf amerikanischer Macht und der Macht seiner Bündnisse. Wenn diese Macht angezweifelt wird, wenn Amerika sich zurückzieht, von der Welt und von seinen Bündnissen und verlässlichen Freunden, können zwei Dinge passieren: Es verbreitet sich Anarchie oder unsere Gegner schlagen Vorteile daraus."
Dieses Urteil fällt Trumps ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater John Bolton im ZDF-Interview.
Das FBI hat das Haus des früheren Trump-Beraters John Bolton durchsucht. Für die Razzia gab es einen Durchsuchungsbefehl - zugleich aber zeigt sich ein Muster der Trump-Regierung.
22.08.2025 | 2:45 minKritik auch im Trump-Lager
Selbst im Lager des Präsidenten regt sich Kritik. Glenn Ellmers hat für das "Clairmont Institute" an Trumps Plan für seine zweite Amtszeit mitgeschrieben. Ellmers ist mit vielem in der amerikanischen Regierungspolitik zufrieden, aber er glaubt, dass Trump seine Prioritäten verändern muss: "Jetzt ist es für ihn Zeit, nach Hause zu kommen. Er ist viel in der Welt rumgereist. Er hat viel Zeit aufgewendet, um so gut wie möglich Friedensdeals zu vermitteln", sagt Ellmers.
Das war auch alles gut, aber er muss jetzt nach Hause kommen und sich auf die Wirtschaft fokussieren.
Glenn Ellmers
Ein Jahr Donald Trump hat die Welt verändert. Shrimpfischer Craig Reaves in South Carolina mag zufrieden sein, aber selbst zwei Drittel seiner Landsleute glauben, dass der Präsident sein Land in die falsche Richtung führt.
Elmar Theveßen ist Leiter des ZDF-Studios in Washington D.C.
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