Außenhandelsexperte zu Trumps Zöllen:"Kurzzeitige Entwarnung, aber kein dauerhaftes Aufatmen"
Die USA sind laut BGA-Präsident Jandura für deutsche Unternehmen ein unsicherer Partner geworden, aber zugleich unverzichtbar. Er fordert schnelle Reformen für mehr Unabhängigkeit.
BGA-Präsident Dirk Jandura fordert Maßnahmen für mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit. Auf die USA sei kein Verlass mehr, denn "Donald Trump macht, was er will", sagt Jandura im ZDF.
25.01.2026 | 2:36 minDirk Jandura ist Unternehmer und Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Er spricht im ZDF über die Handelsbeziehungen zu den USA, die Abhängigkeit und fordert neben einer starken EU, Freihandelsabkommen und eine Priorisierung der Wirtschaft durch die Bundesregierung.
ZDFheute: Nach den Tagen in Davos und dem Gebaren von Donald Trump - welche Lehren sollte Deutschland aus dieser Woche ziehen?
Dirk Jandura: Wichtig fände ich es, mit den europäischen Partnern zusammenzustehen, geeint. Das ist zunächst einmal die große Lehre, dass das sehr wichtig ist, wenn man sich gegen die USA und international behaupten will. Zweitens Freihandelsabkommen - das wäre aber auch eine Botschaft an die EU, weiterzumachen.
Mercosur hat mich sehr überrascht, ich habe damit, offen gestanden, nicht mehr gerechnet. Es ist ein Desaster.
Dirk Jandura, BGA-Präsident
Und drittens die Bitte an die Bundesregierung, natürlich jetzt Wachstum zu priorisieren und den Koalitionsvertrag gegebenenfalls mal einer Revision zu unterziehen. Denn das ist die nächste Zeitenwende, und die sollten wir ernst nehmen.
Nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos steht Europa unter Druck: Kritik aus den USA und ein unklarer Grönland-Deal sorgen für Unruhe. Beim EU-Gipfel in Brüssel geht es um eine gemeinsame Antwort.
23.01.2026 | 2:30 minZDFheute: Die Zolldrohungen sind vorerst zurückgenommen. Ist das denn jetzt ein Grund für Erleichterung?
Jandura: Kurzfristig ja, aber die Woche hat uns auch gezeigt, Donald Trump macht, was er will. Wir können uns darauf nicht verlassen. Wer weiß, was nächsten Montag passiert? Insofern kurzzeitige Entwarnung, aber kein dauerhaftes Aufatmen.
ZDFheute: Es standen Zölle in Höhe von 25 Prozent im Raum. Was hätte das für die Wirtschaft bedeutet?
Jandura: Wir müssen da unterscheiden zwischen den Gütern, die Commodities sind, die überall beschaffbar sind, da sind die deutschen Unternehmen raus, weil die Zölle höher sind, als andere Handelspartner sie vielleicht haben.
US‑Korrespondent Elmar Theveßen ordnet Trumps Zollpolitik ein, spricht über Handelskonflikte, die Macht der Tech‑Konzerne und vergleicht die wirtschaftlichen Stärken von USA und Deutschland.
21.01.2026 | 20:50 minBei den Produkten, wo wir Monopolstellungen haben oder die zumindest sehr begehrt sind, wo die Nachfrage nicht so elastisch ist, da würde es vermutlich so sein, dass die amerikanischen Verbraucher das bezahlen würden, weil das über die Preise weitergegeben wird. Das ist ein erheblicher Teil.
Wir dürfen uns hier auch nicht verstecken. Wir haben schon attraktive Produkte, die so ohne Weiteres in den USA nicht ersetzt werden können.
Dirk Jandura, BGA-Präsident
Mehr zum Thema Wirtschaft und Trump gibt es heute ab 19:10 Uhr bei Berlin direkt - Live-Gäste im Studio sind Unionsfraktionschef Jens Spahn und Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge. Moderiert wird die Sendung von Andrea Maurer.
ZDFheute: Als Vertreter der Außenhandelswirtschaft, wie stark schätzen Sie die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA ein?
Jandura: Nun, wir haben insgesamt ein Außenhandelsvolumen von etwa drei Billionen Euro. Ungefähr 250 Milliarden sind letztes Jahr mit den USA abgewickelt worden, Tendenz fallend.
Das ist ein wichtiger Markt für uns, das ist gar keine Frage, und ein kompletter Wegfall dieses Marktes würde uns vor erhebliche Probleme stellen.
Dirk Jandura, BGA-Präsident
Märkte mit ähnlichen Strukturen gibt es so häufig nicht. Deshalb muss man einfach sagen, ein De-Risking wird es geben. Die deutschen Unternehmen haben verstanden, dass das erhebliche Unsicherheit mit sich bringt, der Handel mit den USA, deshalb ist das bereits in vollem Gange. Aber den Markt als solches, auf den können wir nicht verzichten.
ZDFheute: Wie schnell könnte sich die Wirtschaft unabhängig machen und welche Schritte wären dafür nötig?
Jandura: Die deutsche Wirtschaft hat jahrzehntelang in einer regelbasierten Welt gelebt und hat sich in vorbildlicher Weise eigentlich in eine internationale Arbeitsteilung eingefügt. Das ist kurzfristig für uns extrem schwierig, zumal wir ein rohstoffarmes Land sind, da rauszukommen. Aber ich denke mal, die Unternehmen haben das gelernt, und wir werden das tun.
Die von US-Präsident Trump vorangetriebenen Unsicherheiten seien schlecht für die Wirtschaft, so Ökonom Fuest. Europa könne nicht vollkommen unabhängig von den USA werden.
20.01.2026 | 11:49 minWas uns helfen würde, ist, nochmal das Petitum an die Politik: Freihandelsabkommen.Wir brauchen neue Handelspartner, wir brauchen eben zollfreie Räume mit anderen Partnern.
Der Gedanke zollfreier Räume ist keine Nostalgie, sondern das geht. Wir müssen da nur schneller sein, als wir es bisher gezeigt haben.
Dirk Jandura, BGA-Präsident
ZDFheute: Angesichts der wirtschaftlichen Lage fordern Sie eine Neuverhandlung des Koalitionsvertrages. Warum?
Jandura: Aus meiner Sicht hat die Ampelkoalition den Riesenfehler begangen, nicht zu erkennen, dass der Koalitionsvertrag nicht mehr auf die Probleme gepasst hat, also dass der sich quasi überholt hat. Das ist hier auch der Fall, zumindest in der Priorisierung.
Die Bundesregierung muss sehen, dass sie die Priorität voll aufs Wirtschaftswachstum legt.
Dirk Jandura, BGA-Präsident
Das bedeutet radikaler Bürokratieabbau, wir müssen mit den Energiekosten runter, die Arbeitskosten sind zu hoch, der Arbeitsmarkt ist zu unflexibel und auch die Unternehmenssteuern müssen runter. Das sind Themen, die liegen seit Jahren auf dem Tisch.
ZDFheute: Jetzt würde Friedrich Merz sagen, genau das packt er an.
Jandura: Aber in homöopathischen Dosen hilft uns das nicht, es muss schneller gehen.
Das Interview führt Bernd Benthin, Korrespondent im Hauptstadtstudio.
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