Umstrittenes Freihandelsabkommen:Mercosur: Was der Deal für die EU-Wirtschaft bringt
von Henning Behrens
Das Abkommen gehe zu ihren Lasten, sagen die deutschen Bauern. Die Wirtschaft werde gestärkt, prophezeien Experten. Das sind die Erwartungen.
Die EU-Kommission will trotz der Blockade des EU-Parlaments und noch vor der Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof das Mercosur-Abkommen vorläufig anwenden.
23.01.2026 | 1:23 minUnterzeichnet ist es, in Kraft noch nicht: Das Mercosur-Abkommen hat aber bereits mächtig Wirbel ausgelöst. Denn die geplante Freihandelszone zwischen der EU und den Mercosur-Staaten ist Fluch und Segen zugleich. Vor allem die Landwirtschaft fühlt sich als Opfer.
Importe aus Südamerika erhöhen Druck auf Bauern
Sind die Landwirte die Bauernopfer des Abkommens? "Ja", sagt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. "Das Abkommen hat eine wichtige Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Der Agrarteil von Mercosur ist unausgewogen und geht zulasten der europäischen Landwirtschaft. Dieser Teil ist schlichtweg inakzeptabel." Durch das Abkommen könnten die südamerikanischen Landwirte ihre Produkte viel günstiger anbieten und der Deutsche Landwirt habe das Nachsehen.
Auch die Verbraucher hätten deutliche Nachteile durch den Deal, so Rukwied weiter. Diese würden dann Produkte auf den Teller bekommen, die sie sonst ablehnen würden. Hintergrund sind die Vorschriften zum Pflanzenschutz, die hier in Deutschland viel strenger sind als in Südamerika.
In Straßburg haben Tausende Landwirte gegen das Mercosur-Abkommen protestiert. Sie fürchten Konkurrenz durch günstige Importe aus Südamerika. Die Entscheidung des EU-Parlaments steht noch aus.
20.01.2026 | 0:29 minChance für Stärkung der deutschen Wirtschaft
Ob die Bauern auf ihrem Rücken eine Stärkung der deutschen Wirtschaft austragen müssen, das kann auch Lisandra Flach, Leiterin des ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, nicht klar beantworten. Fest stehe jedoch: Durch das Mercosur-Abkommen werde die deutsche Wirtschaft gestärkt.
"Erstens, die Rahmenbedingungen für Exporte verbessern sich und deutsche Exporteure können sich einen größeren Marktanteil in den Mercosur-Staaten sichern", so Flach. "Zweitens sinken gleichzeitig die Kosten für die Vorprodukte, was die deutsche Wirtschaft stärkt." Zudem könnte das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten die Einbußen aus der US-Zollpolitik zumindest teilweise kompensieren.
Das Beispiel Bayer
Auch vom Weltwirtschaftsforum in Davos kommen immer wieder Zeichen, dass Europa sich im neuen geopolitischen Zeitalter anpassen muss. "Nun ist es an der Zeit, auf diese Worte auch Taten folgen zu lassen, sagt Matthias Berninger, Leiter Politik & Nachhaltigkeit beim Bayer-Konzern. "Wir setzen uns dafür ein, das Abkommen so schnell wie möglich vorläufig in Kraft zu setzen. Das wäre jetzt das richtige Zeichen europäischer Stärke und geopolitischer Handlungsfähigkeit."
Für Bayer und die deutsche Wirtschaft biete das Abkommen große Chancen - für die essenzielle Rolle der Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel genauso, wie für die internationale Zusammenarbeit mit einer entscheidenden Weltregion, so Berninger.
Trotz geplanter Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof könnte das EU-Mercosur-Abkommen schon im März vorläufig starten. ZDF-Börsenexpertin Stephanie Barrett berichtet.
22.01.2026 | 1:04 minRiesenchance für die EU
Das Beispiel USA macht deutlich, wie schwierig die internationalen Beziehungen geworden sind. "Auch der Umgang mit China ist nicht ganz leicht," sagt Samira Sultan, Außenhandelsexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft. "Da ist es eben wichtig, dass die EU nicht alleine und isoliert dasteht, sondern Partnerschaften in der Welt hat. Und da wären die Mercosur-Staaten ein wichtiger Baustein."
Seit 25 Jahren ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten angedacht. Es soll zahlreiche Zölle schrittweise abschaffen und neue Handelsmöglichkeiten zwischen der EU und Ländern in Südamerika eröffnen. Das Abkommen hat aber noch keine Rechtssicherheit. Das Europaparlament hatte die Ratifizierung verzögert, um sie rechtlich vom Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen.
In Paraguay soll das Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur-Staaten und der EU unterzeichnet werden. Nach über 25 Jahren Verhandlungen entsteht damit die größte Freihandelszone der Welt.
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