Mercosur-Abkommen: Was die Freihandelszone bringen soll

"Mittel gegen die Deindustrialisierung":Mercosur-Abkommen: Was soll die Freihandelszone bringen?

Klaus Weber

von Klaus Weber

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Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wird endlich unterzeichnet. Was bedeutet es für die Wirtschaft in Europa und in Deutschland?

Frank Bethmann spricht in der Schalte zum Mercosur-Abkommen.

Nach 25 Jahren Verhandlungsdauer haben die EU-Staaten dem Mercosur-Abkommen mehrheitlich zugestimmt. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann ordnet die Reaktionen ein.

09.01.2026 | 1:50 min

Schneckentempo ist Höchstgeschwindigkeit dagegen: Nach 25 Jahren zäher Verhandlungen wird mit dem Mercosur-Abkommen nun ein Wirtschaftsraum verbunden, der über 700 Millionen Verbraucher umfasst. Der größte Freihandelsraum weltweit.

Laut Handelsökonom Gabriel Felbermayr war es allerhöchste Eisenbahn: "Die EU ist nicht mehr der wichtigste Handelspartner Südamerikas. Das war einmal. Wir sind längst von China überholt worden."

Es ist sozusagen schon 5 nach 12. Aber ohne Abkommen würden wir noch stärker abrutschen, zumal nun auch noch die USA mit Macht auf die Märkte drängen.

Gabriel Felbermayr, Direktor am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung

Das Abkommen ist auch ein eindeutiger Fingerzeig gegen die protektionistische Zollpolitik von Donald Trump. Denn es beinhaltet alles, wofür westliche Handelspolitik steht. Im Kern sieht der Deal zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay nämlich den Wegfall der meisten Zölle vor.

Eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten hat heute dem Mercosur-Abkommen zugestimmt. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen entsteht so die größte Freihandelszone der Welt.

Mit dem Mercosur-Abkommen zwischen der EU und Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay entsteht die größte Freihandelszone der Welt.

09.01.2026 | 1:05 min

Mercosur-Abkommen: EU verspricht sich deutliche Export-Steigerung

Die EU-Kommission verspricht sich davon eine Steigerung der EU-Exporte in die südamerikanischen Länder von bis zu 39 Prozent. Dadurch könnten 440.000 Jobs in Europa entstehen.

Bei vielen der - oft kleinen und mittleren - 12.500 deutschen Betriebe, die in die Region liefern, dürfte Erleichterung aufkommen. "Das ist ein echter Meilenstein, besonders in diesen Zeiten", glaubt auch Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands.

Das Mercosur-Abkommen wird auf beiden Seiten des Ozeans zu mehr Wachstum und Wohlstand führen.

Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands

Tatsächlich hat Südamerika eine junge Bevölkerung und deshalb wird es dort künftig mutmaßlich mehr Wachstum geben als in Europa.

Die Freihandelszone zwischen EU und südamerikanischen Mercosur-Staaten steht für 17 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleitung und 32 Prozent der globalen Exporte.

Handelsexpertin: Unabhängigkeit bei Rohstoffen könnte sich verbessern

Zudem wird Europa sich bei den Lieferketten unabhängiger machen, denn künftig werden wohl auch viele Rohstoffe aus Südamerika zu uns kommen. Diversifizierung ist das Stichwort.

"Lateinamerika und die Mercosur-Staaten haben Rohstoffe, die für Europa besonders wichtig sind. Somit könnte man hohe Abhängigkeiten von China reduzieren", sagt deshalb Claudia Schmucker, Handelsexpertin von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Auch die berühmten "seltenen Erden" werden bei diesen Rohstoffen dabei sein, die man besonders für Batterien und Elektromotoren braucht.

Welche Branchen vom Abkommen profitieren

"Von dem Mercosur-Abkommen profitieren daher zentrale deutsche Industriesektoren wie die Automobilbranche, der Maschinen- und Anlagenbau, sowie Chemie und Pharma", meint Schmucker. Zwar entfallen nicht alle Zollschranken, aber die Mercosur-Staaten verlieren durch das Abkommen die Möglichkeit, die aktuell angewandten Zölle auf die im WTO-Recht erlaubten Höchstwerte zu setzen.

Florian Neuhann

Der freie Welthandel steht aktuell unter Druck: durch Zölle, geopolitische Spannungen und Kriege. Hat die Globalisierung noch eine Chance?

24.11.2025 | 43:30 min

Das bringt Planungssicherheit für Unternehmen. Auch Gabriel Felbermayr, Direktor am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, glaubt, dass die klassischen Exportbranchen, die bisher in Südamerika mit hohen Zöllen belegt seien, die größten Profiteure des Abkommens werden. Grundsätzlich sei das EU-Mercosur-Abkommen sogar "ein Mittel gegen die Deindustrialisierung, das die Steuerzahler*innen nichts kostet".

Zankapfel Landwirtschaft: Bedenken der Bauern groß

Da die Mercosur-Staaten hauptsächlich Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte nach Europa schicken werden, war und ist dieser Bereich am stärksten umkämpft in der Debatte. Der Widerstand der EU-Bauern ist nach wie vor hoch. Dabei ist die Kommission den Bedenken der Landwirte weit entgegengekommen, erklärt Bettina Rudloff, Agrarökonomin von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

So sinken etwa Zölle deutlich bei Milchprodukten und bei Wein auf Mercosur-Seite.

Bettina Rudloff, Agrarökonomin

"Umgekehrt werden auf der Seite von EU-Importen Sorgen vor großer Konkurrenz dadurch abgefedert, dass nur begrenzte Mengen zollvergünstigt in den Markt kommen, und diese steigen auch nur langsam über die Zeit an", ergänzt Rudloff.

Traktoren auf der Autobahn

Nach 25 Jahren Verhandlungen wird das Mercosur Abkommen in Kürze beschlossen. Die heimischen Landwirte sorgen sich um billige Importe aus Südamerika.

08.01.2026 | 1:49 min

Um sich etwa vor dem gefürchteten Rindfleisch aus dem Mercosur zu schützen, wurde eine Zollsenkung für begrenzte 99.000 Tonnen definiert.

Wie könnten die Auswirkungen für Verbraucher ausfallen?

Der Anstieg neuer Importmengen im Vergleich zur aktuellen Situation wird aber auf deutlich darunter geschätzt und macht insgesamt etwa 1,2 Prozent des EU-Verbrauchs aus. Ob nun also ausgerechnet das Fleisch für Verbraucher billiger wird, ist fraglich.

Dennoch glaubt man unter Experten auch an Vorteile für uns Konsumenten. In Ernährungsfragen bestehe zwar kein unmittelbares mengenmäßiges Versorgungsrisiko für die EU, dennoch könne "das Abkommen die Preise insgesamt und auch für Lebensmittel senken und die Erschwinglichkeit ist eine wichtige Dimension sicherer Versorgung", glaubt Bettina Rudloff.

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, unter anderen das ZDF heute journal am 09.01.2026 ab 22:45 Uhr und die heute-Nachrichten am 09.01.2026 ab 19:00 Uhr. 

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