Talk in "Langer Nacht der Wirtschaft":Was ein Hebel für wirtschaftliche Erholung sein kann
von Richard Luttke
Deutschlands Wirtschaft stockt. In der "Langen Nacht der Wirtschaft" wurde deutlich: Die aktuellen Probleme reichen tief. Aber die Experten sehen einen Hebel.
Von Rentenfragen bis KI: Die Gäste diskutieren die Kosten der Arbeit, den Strukturwandel, die Insolvenzen und kulturelle Blockaden – und suchen nach Wegen aus der Krise.
21.01.2026 | 20:45 minZölle - nach eigener Aussage das Lieblingswort von US-Präsident Donald Trump - halten Europas Politik und Wirtschaft seit Monaten in Atem. Neueste Eskalation: Der US-Präsident droht mit einem zusätzlichen Zoll für diejenigen Länder, die sich seinen Grönland-Plänen in den Weg stellen. All das sorgt auch in der deutschen Wirtschaft für zusätzliche Unsicherheit in ohnehin angespannten Zeiten.
In der "Langen Nacht der Wirtschaft" im ZDF machte IG Metall-Chefin Christiane Benner deutlich, dass sich viele Beschäftigte Sorgen um ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft machten. Mit Blick auf Trumps jüngste Drohungen betonte sie:
Es ist wichtig, dass die EU eine geschlossene Antwort findet.
Christiane Benner, Chefin der IG Metall
Dem pflichtete auch Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hanno Beck von der Hochschule Pforzheim bei. Wenn die Europäer immer weiter nachgäben, seien die langfristigen Folgen für die Wirtschaft womöglich teurer als die kurzfristigen.
Wie passt die schlechte Stimmung zur wirtschaftlichen Lage? Gäste aus Gewerkschaft, Wissenschaft und Handwerk diskutieren Arbeitsmarkt, Handel, Inflation und Zukunftsperspektiven.
21.01.2026 | 23:20 minVeränderungen nicht erst seit Trump nötig
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, verwies auf strukturelle Schwächen in Deutschland, die weit über die aktuelle Zollpolitik hinausgingen. Investitionen und Wachstum lägen seit Jahren unter dem Niveau anderer Länder. Dittrich konstatiert:
Die Menschen wissen, dass Veränderungen notwendig sind.
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks
Aus seiner Sicht fehlten jedoch bislang ausreichend wirksame politische Antworten.
Der ZDH-Präsident sprach von einem "stillen Sterben" vieler Handwerksbetriebe, ausgelöst durch Bürokratie und ausbleibende Investitionen. Dazu fehlten Innovationen und klare Rahmenbedingungen.
Die lange Nacht der Wirtschaft ordnet die Lage ein. Im Fokus: Die nötige Transformation, Abhängigkeiten und offene Fragen zur Zukunft von Arbeit, Industrie und Wohlstand in Deutschland.
21.01.2026 | 73:44 minAuch Quentin Gärtner, ehemaliger Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, kritisierte den Fokus der Politik. Investitionen in Bildung und Zukunftsfelder seien entscheidender als kurzfristige sozialpolitische Projekte.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner warb trotz der schwierigen Ausgangslage für Optimismus: Sie glaube daran, "dass wir die Weichen noch richtig stellen können". Ziel sei, den industriellen Kern zu halten und "auf dieser Grundlage wieder zu wachsen".
Deutschlands größter Seehafen schläft nie: 110 Millionen Güter werden jährlich umgeschlagen. Weit über die Hälfte der Ein- und Ausfuhren geht über den Seeweg, der größte Teil davon über Hamburg.
21.01.2026 | 18:58 minBildung und Investitionen als Lösung
Als zentralen Hebel für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung rückte die Runde die Bildungspolitik in den Mittelpunkt. Quentin Gärtner stellte einen direkten Zusammenhang zwischen Bildungsstand und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit her. Wenn langfristig schlechter ausgebildete Menschen in den Arbeitsmarkt kämen, werde auch die Wirtschaft darunter leiden. Entsprechend dringend sei eine höhere Priorisierung von Bildung durch die Politik.
Weltweit werden Handelswege riskanter: Klimawandel, politische Konflikte und Angriffe auf See erschweren den Transport. Wie Deutschlands größtes Transportunternehmen Hapag-Lloyd damit umgeht.
20.01.2026 | 3:11 minOb Bildung oder Bürokratie - es bleibt vor allem ein Befund: Die wirtschaftlichen Probleme sind erkannt, an Warnungen mangelt es nicht. Einigkeit herrscht darüber, dass weder kurzfristige Programme noch einzelne Reformen ausreichen werden.
Wir müssen investieren, wir müssen innovieren, wir müssen schneller werden.
Christiane Benner, Chefin der IG Metall
Insgesamt brauche es eine Vision für Deutschland und entschlossenes Handeln in Politik und Wirtschaft.
Richard Luttke ist Redakteur beim ZDF-Magazin WISO.
Mehr zur "Langen Nacht der Wirtschaft"
Verbraucher | WISO:Deutschland in der Wirtschaftskrise
Video23:20Verbraucher | WISO:Metallbetriebe vor Herausforderungen
von Markus Wolsiffer, Andrea Meuser, Isabel de la VegaVideo20:48Verbraucher | WISO:Hamburger Hafen: Drehscheibe des Welthandels
von Britta Hilpert, Martin Niessen, Sven RiekenVideo18:58Verbraucher | WISO:Deutsche Autobranche im Wandel
von Cornelia Schiemenz, Franziska WunderlichVideo20:44Verbraucher | WISO:Trump, Zölle und die Folgen für Europa
Video20:50
Mehr zum Thema Wirtschaft
- Exklusiv
Zahlen zur Lage in Deutschland:ZDF-Wirtschaftsbarometer: Nur wenige erwarten Aufschwung
von Dennis Bergermit Video8:33 Zölle beeinflussen deutsche Wirtschaft:Ein Jahr Trump: Exporte in die USA deutlich gesunken
von Mario Shabavizmit Video4:20- Interview
Ökonom Stelter zur Krise der Wirtschaft:"Wir müssen die Notbremse ziehen"
mit Video1:26 Konjunkturprognose:IWF rechnet mit mehr Wachstum für Deutschland
mit Video0:33