Ex-Kanzleramtschef :Schmidt bei "Lanz": Trump mag "Strong Men"
von Felix Rappsilber
Die EU solle Trump gegenüber Stärke demonstrieren, fordert Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD). Denn der US-Präsident sei "sehr klar auf die eigenen Interessen ausgerichtet".
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 22. Januar 2026 in voller Länge.
22.01.2026 | 74:34 minZunächst hatte US-Präsident Donald Trump in Davos "nur ein Stück Eis" gefordert und damit seinen territorialen Anspruch auf Grönland bekräftigt. Wenige Stunden später die Kehrtwende: Trump sieht von zuvor angedrohten Strafzöllen gegen Deutschland, Dänemark und weitere EU-Staaten ab. Er habe mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte den Rahmen für ein Abkommen über Grönland gesetzt.
Wolfgang Schmidt, ehemaliger Kanzleramtsminister unter Olaf Scholz, forderte am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" Klarheit im Umgang mit dem US-Präsidenten: "[Trump] mag die 'Strong Men'. Er mag die, die auch Stärke demonstrieren. Und ich glaube, das ist auch (...) der Weg, den wir gehen sollten."
Nach der Wiederwahl Trumps sei klar gewesen:
Der Mann ist anders als normale Politikerinnen und Politiker, ist unberechenbarer und ist sehr klar auf die eigenen Interessen ausgerichtet.
Wolfgang Schmidt, ehemaliger Kanzleramtsminister
Das hat es in 77 Jahren NATO nicht gegeben – Europa gegen Amerika. Wir erleben eine Kraftprobe, die die westliche Wertegemeinschaft vor scheinbar unlösbare Probleme stellt.
22.01.2026 | 28:39 minSchmidt: Trump versteht EU nicht
Schmidt beklagte, dass der amerikanische Präsident kein Verständnis für die Europäische Union habe: "'Warum ist man nicht stolzer Deutscher, stolzer Franzose, stolzer Pole?' (...)."
Dass wir freiwillig Macht an so eine 'komische supranationale Institution' abgeben, das ist etwas, was er nicht versteht, im Sinne von: 'Warum tut ihr das?'
Wolfgang Schmidt, ehemaliger Kanzleramtsminister
Er erklärte: "Wir sind 27, wir müssen uns einigen. Die Zollpolitik ist eine Sache, die von der Europäischen Kommission gemanagt wird."
Deswegen müsse man die unterschiedlichen Interessen der 27 Mitgliedsstaaten auf einen Nenner bringen. Erst dann könne die Kommissionspräsidentin verhandeln. Aus Sicht des US-Präsidenten sei die EU ein "komisches, globalistisches Gebilde".
Trotz der wieder einkassierten Zolldrohungen von US-Präsident Trump wollen die Staats- und Regierungschefs zusammenkommen. Es soll um die transatlantischen Beziehungen gehen.
22.01.2026 | 2:24 minStark: "America first" mehrheitsfähig
Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur der "Zeit", erklärte: Das Gefühl, dass die Globalisierung nicht gut für die USA sei und Kriege in "Ländern, die der normale Amerikaner gar nicht richtig kennt", hätten zu einer "extrem nationalistischen Fokussierung geführt".
Die Agenda "America first" und "Make America great again" sei nicht nur bei Trumps "Die-hard-Anhängern", sondern in den USA "wirklich mehrheitsfähig". Stark sagte:
Das bedeutet, dass der Rest der Welt immer erst mal ein potenzieller Gegner oder jedenfalls ein Gegenüber ist, dem man nicht so wahnsinnig viel vertraut.
Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur der "Zeit"
Die USA seien "nicht mehr das gleiche Land": "Das Land möchte jemanden wie Donald Trump an seiner Spitze haben. Es möchte auch diese Gemeinheiten gegen die liberalen Eliten sehen und spüren und hören."
US-Präsident Donald Trump fährt einen Knallhart-Kurs auch gegenüber jahrzehntelangen Verbündeten. So fällt Europas Reaktion auf seine bisherige Politik aus.
01.05.2025 | 45:20 minAdler: Immer neue Unverschämtheit
Trumps Agenda werde jeden einzelnen Tag und häufig nicht mal mit einem, sondern mit mehreren Themen gesetzt, merkte Journalistin Sabine Adler an. Die immer neue Unverschämtheit, die über die Welt ausgegossen werde, sei "echt atemberaubend". Sie sagte:
Woher nimmt dieser Mann diese Energie? (...) Kommt das wirklich aus ihm allein heraus oder wird er da, wer weiß wie, gefüttert und in die Spur geschickt?
Sabine Adler, Journalistin
Venezuela, Grönland: US-Präsident Trump sucht nach neuen Einflusszonen. Statt der alten Weltordnung will er eine der Großmächte. Deutschland hält sich mit Kritik zurück - man braucht Trump.
11.01.2026 | 4:46 minSchmidt antwortete, dass Trumps Stabschefin Susie Wiles und sein stellvertretender Stabschef Stephen Miller Ideologen seien. Er betonte: "Dann ist es aber schon sehr stark [Trump], der auch seine Vorstellungen hat."
Dabei hoppe er "von einem Thema zum nächsten". Es gebe Berichte, dass seine Aufmerksamkeitsspanne "nicht so riesig groß" sei: "Dann gibt es aber den Apparat, der das in seinem Sinne fortführt."
US-Politiker Newsom kritisiert die europäischen Reaktionen auf Trumps Grönland-Drohungen scharf. Der Gouverneur von Kalifornien fordert mehr Haltung und betont den Ernst der Lage.
20.01.2026 | 0:56 minDie rechtskonservative Denkfabrik Heritage Foundation hatte das "Project 2025" als radikales politisches Programm für die USA erarbeitet. Die Ziele: US-Bundesinstitutionen schwächen, die Macht des US-Präsidenten ausweiten. Trump habe im Wahlkampf zwar bestritten, damit etwas zu tun zu haben, aber: "Wenn man mal guckt, was ist davon erledigt, sieht man: Das hat ziemlich viel mit seinem Plan zu tun."
Mehr zu Donald Trump
Ringen um Eigenständigkeit:Kein "Weiter so" - EU-Gipfel sucht neue Antworten auf Trump
mit Video2:24Präsident der Ukraine spricht in Davos:Selenskyjs Weckruf an Europa: Warnung vor Selbsttäuschung
Henner Hebestreit, Kiewmit Video3:03Unterzeichnungszeremonie in Davos:Trumps "Friedensrat" offiziell gegründet: "Aufregender Tag"
mit Video1:36Europäer einigen sich mit den USA:Was über Trumps Grönland-Deal bisher bekannt ist
mit Video3:59