Was über Trumps Grönland-Deal bisher bekannt ist

Europäer einigen sich mit den USA:Was über Trumps Grönland-Deal bisher bekannt ist

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Die Nato, die Europäer und Trump haben im Streit um Grönland eine Einigung erzielt, wie Trump bekannt gegeben hat. Was bisher über die mögliche Einigung bekannt ist.

Ulf-roeller

Beim Grönland-Deal geht es um den Ausbau der Arktis-Sicherheitsarchitektur. "Dass die Amerikaner Militärbasen bekommen, ist eine Sache, die noch nicht ganz klar ist" - Ulf Röller, ZDF-Korrespondent.

22.01.2026 | 3:59 min

Nach wiederholten Drohungen im Konflikt um Grönland hat US-Präsident Donald Trump seine angedrohten Strafzölle gegen mehrere europäische Staaten zurückgezogen. Seine Begründung: Er habe sich mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte auf die Rahmenbedingungen für ein künftiges Abkommen mit Bezug auf Grönland und die gesamte Arktisregion geeinigt, schrieb Trump am Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social.

Trump verzichte deshalb auf die für den 1. Februar angekündigten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder, erklärte der US-Präsident weiter. Dänemark und andere Staaten atmeten auf. Was ist über den möglichen Deal bisher bekannt?

Donald Trump attends World Economic Forum in Davos

Nach Trumps Rede in Davos gibt es Bewegung: Der US-Präsident spricht von ersten Schritten zu einem möglichen Grönland-Deal. Ein überraschendes Signal nach einem Tag voller Kritik an Europa.

22.01.2026 | 2:39 min

Ruttes zentrale Rolle bei der Einigung

Das Lob gilt wohl dem Nato-Generalsekretär Rutte, der die letzten Tage sehr intensiv mit dem Trump-Team an einem Kompromiss gearbeitet hat.

Ulf Röller, ZDF-Brüssel-Korrespondent

Rutte sei ein "sogenannter Trump-Versteher", erklärt ZDF-Brüssel-Korrespondent Ulf Röller. Zwar werde oft kritisiert, dass Rutte "ein bisschen zu nett zu Trump" sei, doch dieses Mal habe sich das ausgezahlt.

Rutte sagte zuvor dem Sender "Fox News", er halte die Einigung für ein "sehr gutes Ergebnis" und schob nach: "Es gibt noch viel zu tun." Man habe vereinbart, an der Frage zu arbeiten, was die Nato gemeinsam zum Schutz der gesamten Arktisregion beitragen könne. Es gebe viel zu tun, um sicherzustellen, dass alles Notwendige zu Land, zu Wasser und in der Luft unternommen werde, um diesen wichtigen Teil der Welt und des Nato-Gebiets zu schützen.

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22.01.2026 | 22:01 min

Röller: Ausbau von Sicherheitsarchitektur

Die Europäer und die Nato haben Röller zufolge "Trump Zusicherungen gemacht, die sie vorher auch schon gemacht hatten". Man wolle die Sicherheitsarchitektur in der Arktis "wesentlich" ausbauen. Ferner solle militärisch mehr investiert werden. Auch mögliche Militärbasen für die USA sind im Gespräch.

Dazu berichtet auch die "New York Times" unter Berufung auf Regierungsbeamte, Teil der Diskussion sei, dass Dänemark den Vereinigten Staaten die Souveränität über kleine Gebiete Grönlands übertragen könnte, auf denen die USA dann Militärstützpunkte errichten könnten. In dem Bericht klang aber auch durch, dass wohl vieles noch im Fluss ist.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet unter Berufung auf Nato-Kreise, dass Rutte im Gespräch mit Trump einen Vorschlag eingebracht haben soll, der zum einen eine neue Überwachungsmission der Nato im hohen Norden und zum anderen die Übernahme von Militärbasen in Grönland durch die USA vorsieht. Der Plan orientiere sich der "FAZ" zufolge am Vorbild britischer Militärbasen auf Zypern.

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Die Rede von Bundeskanzler Merz ist eine Reaktion auf Donald Trump - "ohne Trump wirklich zu erwähnen", sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondent Mathis Feldhoff. Merz habe die Werte des Westens betont.

22.01.2026 | 8:43 min

"Eine Sache, die noch nicht ganz klar ist, aber die wohl auch ausgehandelt sein soll: Dass bei zukünftigen Investitionen und Gewinnen die Amerikaner sehr gut beteiligt werden", berichtet Röller.

Da geht es um die Seltenen Erden, die man irgendwann mal in der Arktis fördern will.

Ulf Röller, ZDF-Brüssel-Korrespondent aus Davos

Weber

Europa wird von Trump vorgeführt, weil es eigene strategische Ziele vermissen lässt. "Die europäischen Chefs sollten für uns definieren, was denn unsere Ziele in Grönland sind" - Manfred Weber EVP-Vorsitzender im Europäischen Parlament.

22.01.2026 | 6:56 min

Grönland-Vertrag soll neu verhandelt werden

Darüber hinaus erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen, dass Trump und Rutte sich auf eine Neuverhandlung des Grönland-Vertrags von 1951 verständigt haben sollen. Das 75 Jahre alte Abkommen über die US-Militärpräsenz auf der zu Dänemark gehörenden Insel solle neu ausgehandelt werden. Europäische Staaten sollen demnach eine größere sicherheitspolitische Rolle in der Arktis einnehmen.

Die Frage der Souveränität Grönlands kam Rutte zufolge "nicht mehr auf". Stattdessen könnte sich Trump nun mit einer Neuverhandlung des Vertrags von 1951 zufrieden geben. Weitere Einzelheiten der Vereinbarung vom Mittwoch blieben zunächst unklar.

Emely-Haber

Es soll einen Rahmen-Deal zum Grönland-Konflikt geben. "Die Lehre für uns ist, dass eine konsequente und selbstbewusste Reaktion einer Umsteuerung auslösen kann" Emily Haber ehem. Botschafterin in den USA.

22.01.2026 | 4:38 min

"Golden Dome" für Grönland?

Zudem sollen die USA ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben anderer Länder in Grönland erhalten. Auch das geplante US-Raketenabwehrsystem "Golden Dome" wolle man berücksichtigen, das Trump auf der weltgrößten Insel errichten will.

Diesbezüglich betonte die dänische Ministerpräsidentin Frederiksen:

Das Königreich Dänemark möchte einen konstruktiven Dialog mit seinen Verbündeten über Möglichkeiten zur Stärkung der Sicherheit in der Arktis, einschließlich des amerikanischen Golden Dome, fortsetzen, sofern dies unter Wahrung unserer territorialen Integrität geschieht.

Mette Frederiksen, Ministerpräsidentin Dänemark

Armin-Coerper

Russlands Außenminister Sergej Lawrow verglich Grönland mit der Krim. "Man sieht sich hier in Russland bestätigt, dass man aus solchen Motiven heraus Anspruch auf ein anderes Land zu erheben kann" - ZDF-Korrespondent Armin Coerper aus Moskau.

22.01.2026 | 3:17 min

Röller sieht transatlantisches Verhältnis "nachhaltig zerstört"

"Jetzt sieht es erstmal so aus: Die Tarife sind weg, die Strafzölle die Trump angedroht hat. Und man hat wohl eine Rahmenvereinbarung, mit der man arbeiten kann", analysiert ZDF-Korrespondent Röller.

Allerdings: Wenn man mit einigen europäischen Delegierten hier spricht, sagen die: 'Okay wir atmen durch, aber Trump ist Trump, wer weiß, was morgen gilt'.

Ulf Röller, ZDF-Brüssel-Korrespondent aus Davos

US-Präsident Donald Trump spricht während eines Empfangs mit Wirtschaftsführern am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos am 21. Januar 2026. Das Weltwirtschaftsforum findet vom 19. bis 23. Januar 2026 in Davos statt.

In Davos vollzieht Trump eine Wende, was Grönland betrifft. Er hofft auf einen Deal zur Abwehr von Russland und China und die Strafzölle gegen EU-Staaten lässt er auch fallen.

22.01.2026 | 2:48 min

Auch wenn es nun zu einer ersten Einigung gekommen ist, sieht Röller das transatlantische Verhältnis "zwischen Amerika und der EU nachhaltig zerstört". In der Beziehung brauche man Verlässlichkeit, die es mit Trump nicht gebe. "Diese Unverlässlichkeit muss man sagen, strahlt dann eben auch auf andere Themen aus" - etwa in Sachen Ukraine.

Quelle: AFP, dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtet das ZDF in vielen Sendungen, zuletzt im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF am 22.01.2026 ab 05:30 Uhr sowie sowie bei ZDFheute live am 22.01.2026 ab 09:20 Uhr.

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