Klingbeil zu Trumps Kehrtwende im Grönland-Streit: "Abwarten"

Interview

Grönland-Streit:Klingbeil zu Trumps Kehrtwende: "Schwarz auf weiß abwarten"

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Trump lenkt im Streit um Grönland ein - in Europa wächst die Hoffnung auf Entspannung. Vizekanzler Lars Klingbeil ordnet die Kehrtwende ein und warnt vor vorschnellen Schlüssen.

Schaltgespräch mit Lars Klingbeil

Es sei die Mischung aus wachsender Kritik aus den USA und die klare Haltung der Europäer gewesen, die bei Donald Trump etwas verändert hätten, so Vizekanzler Lars Klingbeil.

21.01.2026 | 7:09 min

Nach Tagen der Eskalation und scharfer Drohungen gegen Dänemark und Grönland deutet sich im Streit mit den USA eine Entspannung an. US-Präsident Donald Trump hat nach Gesprächen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte eine Kehrtwende gemacht. In Europa wächst die Hoffnung, dass die Krise damit beigelegt ist.

Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) warnte im ZDF heute journal vor vorschneller Erleichterung.

US-Präsident Donald Trump spricht während eines Empfangs mit Wirtschaftsführern am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos am 21. Januar 2026. Das Weltwirtschaftsforum findet vom 19. bis 23. Januar 2026 in Davos statt.

In Davos vollzieht Trump eine Wende, was Grönland betrifft. Er hofft auf einen Deal zur Abwehr von Russland und China und die Strafzölle gegen EU-Staaten lässt er auch fallen.

22.01.2026 | 2:48 min

Klingbeil plädiert für Vorsicht

Nach dem "Hin und Her der letzten Tage" müsse man "wirklich erstmal abwarten", sagte Klingbeil. Er habe die Äußerungen Trumps verfolgt, entscheidend seien aber die konkreten Vereinbarungen.

Ich habe noch nicht schwarz auf weiß gesehen, wie die genauen Absprachen sind. Das ist jetzt alles sehr frisch.

Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)

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Trumps Kehrtwende zu Grönland sei "eine Sensation", so ZDF-Korrespondent Röller. Ein Rahmenvertrag beinhalte den Verzicht auf Strafzölle und ein Raketenschutzschild, so Röller.

22.01.2026 | 4:14 min

Druck aus Europa und Nervosität in den USA

Trumps Einlenken führt Klingbeil auf eine Mischung aus internationalem Druck und wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit in den USA zurück. In Davos habe er Gespräche mit Investoren geführt, "die eine wachsende Unsicherheit sehen, was die Investitionen in den USA und die Finanzstabilität in den USA angeht".

Zugleich habe es auch in den USA selbst deutliche Kritik an Trumps Kurs gegeben. Außerdem habe die klare Haltung Europas Wirkung gezeigt. "Und ich denke, das hat auch etwas bei Donald Trump verändert", so Klingbeil. Es sei richtig gewesen, dass Europa deutlich gemacht habe, an der Seite Grönlands und Dänemarks zu stehen und staatliche Souveränität zu verteidigen.

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"Trump hat nicht bekommen, was er wollte", so ZDF Reporterin Bates zur Grönland-Wende Trumps. Demokraten und Republikaner beurteilen Trumps Wende in den USA unterschiedlich.

22.01.2026 | 2:26 min

Klingbeil: Europa muss Konsequenzen ziehen

Trotz der Entspannung im Grönland-Streit warnt Klingbeil eindringlich davor, sich in Europa nun zurückzulehnen. Die vergangenen Tage hätten gezeigt, welche Folgen ein Durchziehen Trumps hätte haben können.

Ein Fehler darf jetzt nicht passieren: Dass wir uns in Europa jetzt zurücklehnen und sagen, jetzt ist das ja alles nochmal gut gegangen, ist ja gar nicht so schlimm.

Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)

Eine Spielfigur vom Donald Trump im Schnee

Der US-Präsident eskaliert den Streit um Grönland immer weiter. Er will die Insel mit ihren wertvollen Rohstoffen um jeden Preis haben. Damit brüskiert er nicht nur die Grönländer.

21.01.2026 | 6:27 min

Europa soll "sicherer Hafen" werden

Die Lehre aus dieser Situation sei, dass Europa "endlich vorankommen müsse". Klingbeil berkräftigte, Europa müsse wettbewerbsfähiger, verteidigungsfähiger und handlungsfähiger werden. Der Binnenmarkt müsse gestärkt und der Kapitalmarkt vorangebracht werden, um Investoren ein klares Signal zu senden. Europa solle sich als "sicherer Hafen" positionieren.

Die Krise habe gezeigt, wie verletzlich Europa sei - und wie dringend Reformen seien. Entscheidend sei nun, die richtigen Lehren aus den Ereignissen zu ziehen.

Das Interview führte Marietta Slomka, zusammengefasst hat es Fränzi Meyer.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 21.01.2026 um 21:45 Uhr.

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