Kanzler Merz: Sind in einer "neuen Welt der Großmächte"

Bundeskanzler hält Rede in Davos:Kanzler Merz: Sind in einer "neuen Welt der Großmächte"

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Bundeskanzler Merz hat in seiner Rede in Davos von einer "neuen Welt der Großmächte" gesprochen. Diese Welt sei kein kuscheliger Ort, man könne sie aber gestalten.

Friedrich Merz vor blauem Hintergrund am Rednerpult in Davos

Bundeskanzler Merz hat in seiner Rede in Davos von einer "neuen Welt der Großmächte" gesprochen. Diese Welt sei kein kuscheliger Ort, man könne sie aber gestalten.

22.01.2026 | 22:01 min

Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU hat die Europäer aufgerufen, sich schnell auf die veränderten politischen Machtverhältnisse in der Welt einzustellen. Russlands Angriff auf die Ukraine habe eine neue Ära eingeleitet, die aber über diesen Aggressionskrieg hinaus und viel weiter gehe, sagte der Kanzler beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

China habe es in die Reihen der Großmächte geschafft. Die USA würden in ihrer Vormachtrolle herausgefordert und veränderten ihre Außen- und Sicherheitspolitik drastisch.

Donald Trump attends World Economic Forum in Davos

Nach Trumps Rede in Davos gibt es Bewegung: Der US-Präsident spricht von ersten Schritten zu einem möglichen Grönland-Deal. Ein überraschendes Signal nach einem Tag voller Kritik an Europa.

22.01.2026 | 2:39 min

Merz: "Welt ist kein kuscheliger Ort"

"Wir sind in eine Zeit der Großmachtpolitik eingetreten", sagte Merz. "Die neue Welt der großen Mächte ist auf Macht, Stärke und - wenn nötig - auch Gewalt ("force") gegründet. Sie ist kein kuscheliger Ort", sagte der Kanzler.

Diese Situation sei kein unveränderliches Schicksal, machte der Kanzler deutlich. "Um zu bestehen, müssen wir uns mit einer harschen Realität auseinandersetzen und den Kurs mit klarem Realismus bestimmen."

Deutschlands Kanzler Friedrich Merz beim Weltwirtschaftsforum in Davos, 21. Januar 2026.

Die Staats- und Regierungschefs der EU beraten in Brüssel über Trumps Grönland-Kurs. Thema sind mögliche Reaktionen, sollten sich die USA nicht an die Vereinbarung halten.

22.01.2026 | 0:23 min

Merz: "Dieser Welt sind wir nicht ausgeliefert"

"Dieser Welt sind wir nicht ausgeliefert. Wir können sie gestalten", mahnte der Kanzler. Er rief dazu auf, "auf unsere eigenen Stärken" zu setzen. Man investiere massiv in die eigene Sicherheit, mache die Wirtschaft wettbewerbfähig und man halte in Europa zusammen. "Diese Welt wird uns Härten und Gefahren zumuten. Das spüren Sie und das spüren wir alle." Der CDU-Vorsitzende betonte:

Für unsere Souveränität werden wir mit Festigkeit eintreten und unsere Nachbarn in Europa können sich auf unsere Solidarität verlassen.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Merz forderte, "bei allem Frust und Ärger der letzten Monate" die transatlantische Partnerschaft "nicht voreilig abzuschreiben".

Heescher

Die Grönländer sind teilweise erleichtert über den Rahmen-Deal. Gleichzeitig heißt es: "Wir kennen diesen Donald Trump – er sagt heute das eine und morgen das andere‘“, sagt Winnie Heescher in Nuuk/Grönland.

22.01.2026 | 1:49 min

Merz: Auch USA auf Vertrauen der Nato angewiesen

Zudem hat Merz eine verstärkte Unterstützung aus Deutschland für die militärische Absicherung in der Arktis zugesichert. Er bekräftigte die Rolle der Nato. Der Kanzler sagte:

Wir werden die Prinzipien beibehalten, auf denen die transatlantische Partnerschaft gegründet ist, vor allem Souveränität und territoriale Integrität.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Er begrüßte im Streit um Grönland, dass die USA die Bedrohung durch Russland in der Arktis ernst nähmen. Die Bedrohung sei Teil der Rivalität von Großmächten und ziele auf Europa wie die USA. "Wir teilen die Überzeugung, dass wir als europäische Nato-Verbündete mehr zur Sicherung im Hohen Norden als Nato machen müssen. Das ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse", sagte Merz.

Wir machen das im Rahmen der Nato. Wir werden mehr machen.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Außerdem betonte er, dass das Vertrauen, auf dem die Nato fußt, "kostbar" sei. Denn "im Zeitalter der Großmächte" würden auch die USA auf dieses Vertrauen angewiesen sein. "Autokratien mögen Untertanen haben. Demokratien haben Partner und verlässliche Freunde". An diesem Satz wolle man sich orientieren und "hartnäckig dafür arbeiten, dass dies nicht in Vergessenheit gerät", sagte Bundeskanzler Merz.

Mathis Feldhoff vor dem Brandenburger Tor

Die Rede von Bundeskanzler Merz ist eine Reaktion auf Donald Trump - "ohne Trump wirklich zu erwähnen", sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondent Mathis Feldhoff. Merz habe die Werte des Westens betont.

22.01.2026 | 8:43 min

ZDF-Korrespondent: "Rede im konzilianten Ton"

ZDF-Hauptstadtkorrespondent Mathis Feldhoff ordnet nach der Rede bei ZDFheute live ein:

Ich glaube, es war eine harte Rede im konzilianten Ton. Es war eine Rede gegen Trump - ohne Trump wirklich zu erwähnen. Der Name Trump fiel genau zweimal in dieser Rede.

Mathis Feldhoff, ZDF-Hauptstadtkorrespondent

Merz habe die Werte des Westens betont, dessen Souveränität und Integrität. Der Kanzler hat seine Rede auch in Teilen auf Deutsch gehalten. Die Rede sei somit nicht nur "eine Botschaft an die Welt und Europa gewesen (...), sondern auch an die innenpolitische Situation in Deutschland", sagt Feldhoff. Denn in Deutschland sei in jüngster Zeit immer wieder gefragt worden: "Ist Friedrich Merz vielleicht zu weich gegenüber Donald Trump?"

Ulf Röller auf vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Aus Sicht von ZDF-Korrespondent Ulf Röller handelte es sich bei Merz' Rede in Davos "in der Sache" um "eine klassische Anti-Trump-Rede". Den Präsidenten habe er jedoch "nicht klar angegriffen."

22.01.2026 | 11:30 min

Röller: "In der Sache eine klassische Anti-Trump-Rede"

Aus Sicht von ZDF-Brüssel-Korrespondent Ulf Röller "ist sehr deutlich geworden (…), dass das, was Merz gemacht hat, in der Sache eine klassische Anti-Trump-Rede war". Der Kanzler habe deutlich gemacht, dass er das, was Trump wolle, zurückweise und auch für gefährlich halte, so Röller bei ZDFheute live im Nachgang der Rede.

Dies hat Merz laut Röller aber "nur inhaltlich deutlich gemacht".

Er hat den Präsidenten nicht klar angegriffen.

Ulf Röller, ZDF-Brüssel-Korrespondent

Eine Spielfigur vom Donald Trump im Schnee

Der US-Präsident eskaliert den Streit um Grönland immer weiter. Er will die Insel mit ihren wertvollen Rohstoffen um jeden Preis haben. Damit brüskiert er nicht nur die Grönländer.

21.01.2026 | 6:27 min

Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichte ZDFheute live am 22.01.2026 ab 09:20 Uhr.

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