Bundesregierung kritisiert Israels Gesetz zur Todesstrafe

Terrorstraftaten gegen den Staat Israel:Bundesregierung kritisiert Israels Gesetz zur Todesstrafe

|

Israel hat einen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen gebilligt. Die Bundesregierung kritisiert das Gesetz und warnt vor Diskriminierung von Palästinensern.

30.03.2026, Israel, Jerusalem: Itamar Ben-Gvir (M), rechtsextremer Polizeiminister von der Partei Otzma Jehudit, und Abgeordnete feiern, nachdem das israelische Parlament in der Knesset einen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen gebilligt hat.

Das israelische Parlament hat für die Einführung der Todesstrafe für Terroristen gestimmt. Kritiker werfen dem Parlamentsbeschluss vor, rassistisch zu sein.

31.03.2026 | 0:24 min

Die Bundesregierung hat die Entscheidung des israelischen Parlaments zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen kritisiert. "Verständlicherweise ist Israel nach dem 7. Oktober hart gegen den Terrorismus vorgegangen", teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin mit.

Das gestern verabschiedete Gesetz sieht die Bundesregierung aber mit großer Sorge.

Stefan Kornelius, Regierungssprecher

Die Ablehnung der Todesstrafe sei ein grundsätzliches Merkmal der deutschen Politik. Die Bundesregierung sei zusätzlich besorgt, dass ein solches Gesetz "wohl ausschließlich auf Palästinenser in den palästinensischen Gebieten Anwendung finden würde", fügte Kornelius hinzu. Deshalb bedauere die Bundesregierung "die Entscheidung der Knesset".

Nach dem neuen Gesetzentwurf droht die Todesstrafe künftig Personen, die töten "mit dem Ziel, einem israelischen Staatsbürger oder Einwohner zu schaden, aus der Absicht, die Existenz des Staates Israel zu beenden".

Das israelische Parlament hatte den höchst umstrittenen Vorstoß des rechtsextremen Ministers für innere Sicherheit, Itamar Ben-Gvir mit knapper Mehrheit gebilligt. Es sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend, sie muss bei Verurteilung binnen 90 Tagen durch Erhängen durch einen Gefängniswärter vollstreckt werden.

Quelle: KNA/dpa/ZDF


Der deutsche Botschafter in Israel Steffen Seibert

Die neue ZDF-Doku "Die Diplomaten" gibt seltene Einblicke in die deutsche Außenpolitik - und zeigt ihre Grenzen. Botschafter Seibert wird etwa mit der israelischen Siedlungspolitik konfrontiert.

23.03.2026 | 1:22 min

Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien hatten bereits vor der Abstimmung "tiefe Besorgnis" über den Gesetzentwurf geäußert und die Todesstrafe als unmenschlich, erniedrigend und wirkungslos bezeichnet. Ihre Aufforderung, die Pläne aufzugeben, blieb jedoch erfolglos.

EU-Kommission kritisiert Israels Gesetz zur Todesstrafe

Auch die EU-Kommission hat die Entscheidung des israelischen Parlaments zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen deutlich kritisiert. Der Beschluss stelle zusammen mit dem diskriminierenden Charakter des Gesetzes einen "deutlichen Rückschritt" dar, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde.

Die Entscheidung sei "sehr besorgniserregend" und eine negative Entwicklung bei der Achtung der Menschenrechte. Man lehne die Todesstrafe unter allen Umständen ab und habe darüber auch mit Israel gesprochen.

Presseschau

“Alle Staaten, die sich als zivilisiert angehen, haben die Todesstrafe ausgesetzt, kommentiert Josefine Fokuhl vom Handelsblatt Israels kontroverse Entwürfe zur Gesetzesreform der Todesstrafe.“

31.03.2026 | 4:15 min

Experte: Zwang zur Todesstrafe widerspricht demokratischen Prinzipien

Aus dem Zwang zur Verhängung der Todesstrafe ergibt sich nach Ansicht von Experte Amir Fuchs vom israelischen Demokratie-Institut ein juristisches Problem. Dem israelischen TV-Sender N12 sagte Fuchs:

So etwas gibt es in keiner demokratischen Rechtsordnung: Eine Todesstrafe, die zwingend ist.

Amir Fuchs, Demokratie-Institut Israel

Und weiter: "Es muss immer einen Ermessensspielraum für das Gericht oder die Staatsanwaltschaft bei der Strafbeantragung geben", sagte er.

Angehörige von palästinensischen Gefangenen demonstrieren  gegen die Entscheidung des israelischen Parlaments zur Einführung der Todesstrafe

Angehörige von palästinensischen Gefangenen demonstrieren gegen die Entscheidung des israelischen Parlaments zur Einführung der Todesstrafe.

Quelle: dpa

Kann das Gesetz noch gekippt werden?

Das neue Gesetz gehöre daher für ihn zu "den Dingen, die Gerichte in der Regel aufheben". Selbst in demokratischen Staaten mit Todesstrafe, wie den USA, gebe es keine Todesstrafe als Zwang. Das neue Gesetz richte sich ausschließlich gegen Terroristen, die Juden angreifen, erklärte Fuchs weiter.

Seinen Worten zufolge würde diese Bestimmung einer gerichtlichen Überprüfung wegen Diskriminierung nicht standhalten. Eine Klage des israelischen Bürgerrechtsverbands liegt bereits beim höchsten Gericht.

Vertreter der Opposition hatten den Mitgliedern von Benjamin Netanjahus rechtsreligiöser Regierung vorgeworfen, sie schadeten mit dem Gesetz wissentlich und ohne Not dem internationalen Ansehen Israels - obwohl es auch ihnen klar sei, dass das höchste Gericht es mit hoher Wahrscheinlichkeit kippen werde.

Anne Brühl | ZDF-Reporterin in Tel Aviv

Ab sofort müssen Tötungsdelikte gegen Israel “mit dem Tod bestraft werden“, so ZDF-Reporterin Anne Brühl aus Tel Aviv. Doch das Gesetz richte sich “fast ausschließlich gegen Palästinenser“.

31.03.2026 | 3:25 min

Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "Israel beschließt Todesstrafe für Terroristen" am 31.03.2026 ab 08:30 Uhr und im ZDF-Morgenmagazin.

Mehr Nachrichten aus Israel

  1. Luftangriffe treffen die Qasmiya‑Brücke, einen zentralen Übergang über den Litani, der den Südlibanon mit dem Norden verbindet, aufgenommen am 23.03.2026

    Verteidigungsminister Katz:Israel kündigt Kontrolle des Südlibanon an

    mit Video2:43

  2. Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem, hält am 29.03.2026 in Jerusalem einen Gebetsgottesdienst zum Palmsonntag ab, nachdem die traditionelle Palmsonntagsprozession vom Ölberg aufgrund von Beschränkungen für Großversammlungen und des Konflikts der USA und Israels mit dem Iran abgesagt worden war.

    Grabeskirche in Jerusalem:Netanjahu: Kardinal soll "sofortigen Zugang" erhalten

    mit Video0:30

  3. Steffen Seibert, aufgenommen am 13.05.2025 in Jerusalem (Israel)

    Seiberts Kritik an Siedler-Gewalt:Diplomatischer Eklat um deutschen Israel-Botschafter auf X

    von Oliver Klein und Nils Metzger
    mit Video1:22

  4. Nahostkonflikt - Westjordanland

    Mehrere Palästinenser verletzt:Erneut Siedlergewalt im besetzten Westjordanland

    mit Video0:23