Spargel: Krieg im Nahen Osten verteuert die Produktion

Landwirte in Brandenburg:Krieg im Nahen Osten verteuert die Spargelproduktion

Marcus Groß | ZDF-Reporter in Falkenberg / Elster in Brandenburg

von Marcus Groß, Brandenburg

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Der Iran-Krieg trifft Brandenburgs Bauern kurz vor der Ernte: Diesel und Dünger werden teurer. Was das für Verbraucher bedeutet.

Von einem Überladewagen wird der Dünger Kornkali in einen Düngerstreuer geladen, um den späteren Anbau von Kartoffeln vorzubereiten.

Auch die Landwirte kommen durch den Iran-Krieg unter Druck: Nicht nur Diesel, sondern auch der Dünger ist deutlich teurer geworden.

06.04.2026 | 1:33 min

Landwirt Ernst-August Winkelmann steht zwischen den Spargelreihen und beobachtet die Ernte. Um ihn herum heben Maschinen die Plastikfolie von den Dämmen. So können die Erntehelfer den Spargel besser stechen.

Auf 800 Hektar baut Winkelmann in Brandenburg Spargel an. Bis Ende der Saison, Ende Juni, werden seine rumänischen Erntehelfer rund 5.000 Tonnen des edlen Gemüses ernten.

Als Landwirt ist er breit aufgestellt: Gastronomie, Mutterkühe, Heidelbeeren, Kartoffeln, Hofladen, Direktvermarktung. In seinen Biogasanlagen produziert er mehr Strom als er verbraucht. Doch einen Rohstoff produziert er nicht selbst: Treibstoff für seine Maschinen und den Transport.

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Aus dem hessischen Weiterstadt berichtet ZDF-Reporter Markus Wolsiffer zum Saisonstart der Spargelernte von dem 100 Jahre alten, traditionsreichen Spargelhof der Familie Meinhardt.

19.03.2026 | 4:22 min

Diesel: 200.000 Euro Mehrkosten bis Saisonende

Seit Ausbruch des Iran-Kriegs beobachtet Winkelmann die Dieselpreise mit Sorge. Um 30 bis 50 Cent pro Liter sind sie seitdem gestiegen.

Unsere Mehrkosten allein an der Stelle: um die 200.000 Euro.

Ernst-August Winkelmann, Landwirt

Der Betrieb braucht 500.000 bis 600.000 Liter Diesel in den kommenden Monaten - eine massive Mehrbelastung. Den Spargelpreis einfach erhöhen? Geht nicht. "Unseren Spargelpreis macht der Markt. Das geht nach Angebot und Nachfrage", sagt er.

Dünger als zweiter Kostentreiber

Rund 60 Kilometer entfernt, ein anderer Landwirtschaftsbetrieb. Lilian Guzmán Pfeiffer ist Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Groß Machnow.

Sie steht am Rande eines Feldes. "Die Wintergerste braucht Nährstoffe", sagt sie, "das Frühjahr war kalt." Einer ihrer Mitarbeiter bringt mit dem Pflug Mikronährstoffe flüssig in den Boden. "Ohne Dünger weniger Erträge" - so einfach ist die Rechnung.

Bild zum Reel: Gemüseverbrauch in Deutschland

Die Spargelzeit beginnt. Das Video zeigt, wie viel Spargel die Menschen in Deutschland verbrauchen - und was ihr Lieblingsgemüse ist.

04.04.2026 | 0:20 min

"Wer jetzt kaufen muss, hat eine ganz unschöne Situation"

In einer riesigen Halle der Agrargenossenschaft lagern unter einer Plane 800 Tonnen mineralischer Stickstoffdünger - der "Goldstaub" des Betriebs. Auf 2.000 Hektar betreiben sie in Groß Machnow Ackerbau. Die Preise für Mineraldünger liegen aktuell 40 bis 50 Prozent über den Vorjahrespreisen.

"Wer jetzt kaufen muss", sagt Guzmán Pfeiffer, "hat eine ganz unschöne Situation - weil er zusätzlich noch auf die Erzeugerpreise trifft, die seit der letzten Ernte sehr niedrig sind. Die Gewinnmarge wird für die Betriebe immer kleiner."

In Groß Machnow haben sie den Dünger bereits im Vorjahr eingelagert, doch viele Landwirte haben diese Kapazitäten nicht. Sie müssen zu den derzeitigen Preisen kaufen.

Nadelöhr Hormus: globale Abhängigkeiten

Für Peter Feindt von der Humboldt-Universität Berlin liegen die Ursachen für die Preissteigerungen auf der Hand: "Ein Drittel der Rohstoffe für Mineraldünger läuft weltweit durch die Straße von Hormus." Beim Öl ist es rund ein Fünftel der weltweiten Produktion. Feindt beschäftigt sich mit Agrarökonomie und Ernährungspolitik.

Benzinpreise an einer Tankstelle in München sind zu sehen.

Wegen der weiter hohen Spritpreise steht die Koalition unter Druck: Weitere Maßnahmen zur Entlastung werden gefordert.

03.04.2026 | 1:44 min

"Ungefähr die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittelproduktion ist auf Mineraldünger angewiesen", sagt er.

Wenn dieser Mineraldünger ausfällt, führt das bei uns zu steigenden Preisen - und in ärmeren Ländern zu Hunger.

Prof. Dr. Peter Feindt, Humboldt-Universität Berlin

Was Verbraucher tun können

Dass gestiegene Produktionskosten irgendwann bei Verbrauchern ankommen, ist unausweichlich. Trotzdem rät Feindt zur Wachsamkeit: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beobachtete er, wie Unternehmen gestiegene Energiepreise für Preiserhöhungen nutzten - auch ohne eigene erhebliche Kostensteigerungen.

Sein Rat: Preise beobachten. Wer merkt, dass Lebensmittel teurer werden, kann auf andere Produkte ausweichen.

Marcus Groß ist Korrespondent im ZDF-Studio in Brandenburg.

Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 06.04.2026 ab 19 Uhr.

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