Ohne Subventionen der EU geht es nicht:Wie kleine Bauernhöfe ums Überleben kämpfen
von Sophie Rittau
Viele Landwirte üben ihren Beruf aus Überzeugung und mit Leidenschaft aus. Doch gerade in kleineren Betrieben ist die Frage nach der Wirtschaftlichkeit oft belastend.
Den Hof übernehmen oder weggehen und eine Existenz außerhalb der Landwirtschaft aufbauen - diese Frage treibt viele Hof-Erben um. Oft eine schwere Entscheidung zwischen Tradition und Zukunft.
02.02.2026 | 10:05 minSophias Arbeitstag beginnt früh morgens im Melkstand. Danach arbeitet sie in der hofeigenen Käserei, auf ihrer Kuhweide und kümmert sich um den Hofladen. Feierabend hat sie erst, wenn andere längst zu Hause sind - und steht am nächsten Morgen pünktlich wieder im Stall. Auch am Wochenende. Sophia ist Landwirtin aus Überzeugung, aufgewachsen zwischen Stall und Weide.
Noch leitet ihr Vater den kleinen Demeter-Hof der Familie im Hunsrück in Rheinland-Pfalz. Doch in diesem Jahr wird sie den Betrieb übernehmen. Gern möchte sie ausschließlich von dem leben, was ihre Felder und Tiere hergeben. Doch das ist für kleine Höfe wie ihren kaum realistisch.
Finanziell ist es einfach sehr, sehr schwierig. Kein Landwirt hat zu viel Geld. Man ist unheimlich abhängig von den Geldern der EU.
Sophia, Hoferbin
Vier Familienbetriebe kämpfen mit den Herausforderungen der Landwirtschaft, mit Preisdruck und Ernte-Risiken. Ferkelzüchter Simon Donhauser will den Hof in die Zukunft führen.
04.12.2025 | 26:30 minEU-Subventionen notwendig fürs Überleben der Bauernhöfe
Ohne die Subventionen der Europäischen Union würde Sophias Hof nicht überleben. Da geht es ihr wie vielen Bauernhöfen in Deutschland. Diese finanziellen Hilfen sind für die meisten kleinen Betriebe kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil des Einkommens.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung machten Subventionen im Wirtschaftsjahr 2023/2024 rund 33 Prozent des landwirtschaftlichen Einkommens aus. Bei Klein- und Nebenerwerbsbetrieben liegt dieser Prozentsatz noch deutlich höher.
Geld von der EU für die Landwirtschaft
EU-Subventionen sind öffentliche Geldzahlungen der Europäischen Union an landwirtschaftliche Betriebe. Sie gehören zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Die GAP ist eines der größten Förderprogramme der EU. Es soll die Landwirtschaft wirtschaftlich stabilisieren und die Versorgung mit Lebensmitteln sichern.
Ein zentraler Bestandteil sind Direktzahlungen. Landwirte erhalten sie, wenn sie landwirtschaftliche Flächen bewirtschaften und bestimmte Vorgaben einhalten.
Landwirtschaft ist stark von Wetter, Weltmarktpreisen und politischen Auflagen abhängig. Die Zahlungen sollen Betriebe finanziell absichern und sind als Einkommensstützung definiert.
Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich halbiert
In 25 Jahren hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland nahezu halbiert, im Jahr 2000 waren es noch circa 458.000 Betriebe, im Jahr 2024 nur noch rund 255.000. Der Rückgang verläuft in den letzten Jahren zwar langsamer, der Trend aber bleibt.
Wie kann die Landwirtschaft in der EU bis 2030 zu 25 Prozent Bio sein - darum ging es beim Organic Summit in Kopenhagen. Dänemark ist mit 12 Prozent Vorreiter.
20.08.2025 | 1:34 minDie bewirtschaftete Fläche allerdings ist nahezu gleichgeblieben: 2010 waren es 16,7 Millionen Hektar, 2024 dann 16,6 Millionen Hektar. Die Fläche konzentriert sich mittlerweile auf wenigere, größere Betriebe. Denn die können oft günstiger produzieren.
Moderne Technik lohnt sich häufig erst ab einer gewissen Größe.
Prof. Dr. Alfons Balmann, Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)
Zuschläge für kleine Betriebe bisher fast ohne Wirkung
Wenn kleinere Betriebe unrentabel seien, liege es häufig daran, dass sie technologisch abgehängt worden sind, erklärt Agrarökonom Alfons Balmann vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO). Balmann forscht seit Jahren zum Strukturwandel in der Landwirtschaft.
Barbara Steinberger hätte einen gutbezahlten Job annehmen können, entschied sich aber für den elterlichen Hof. Als Betriebsleiterin meistert sie Aussaat, Social-Media und Generationenkonflikte.
04.12.2025 | 25:28 minZwar sollen kleinere Betriebe unterstützt werden, etwa durch Zuschläge für die ersten Hektare und spezielle Förderungen für Junglandwirte. Die Entwicklung hält das jedoch bisher kaum auf: Weiterhin übernehmen größere Betriebe Flächen von kleineren Betrieben, die teilweise oder ganz aufgeben.
Seit 2023 ist ein Teil der Direktzahlungen an Umwelt- und Klimaleistungen gebunden. In Deutschland fließen 23 Prozent der EU-Direktzahlungen in Öko-Regelungen. Darin sieht Agrar-Experte Alfons Balmann eine Chance, die Vergabe von EU-Geldern stärker an Leistungen zu koppeln und beispielsweise umweltfreundliches Wirtschaften zu belohnen.
Bäume auf dem Acker, Wasserrinnen auf dem Feld – mit neuen Formen der Landnutzung reagieren Landwirtinnen und Landwirte auf den Klimawandel.
04.12.2025 | 29:45 minDirektzahlungen könnten Biohöfen helfen
"Wenn man zukünftig die EU-Gelder für konkrete Umweltmaßnahmen zahlen würde, dann wäre es keine Subvention, sondern eine Kompensation für die erbrachte Umweltleistung", führt Alfons Balmann aus. Eine Kompensation, von der Bio-Landwirtin Sophia aus dem Hunsrück profitieren könnte.
Ich würde unheimlich gerne auf die Prämien und auf die Subventionen verzichten, wenn es irgendwie möglich wäre.
Sophia, Hoferbin
Biobäuerin Sophia würde gerne allein mit ihrer Arbeit genug Gewinn erwirtschaften. Dass das bisher nicht funktioniert, ist ein Konflikt, mit dem sie in ihrem Alltag leben muss, weil sie den Beruf der Landwirtin nicht aufgeben will.
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