"Engpass im Angebot an Bio-Eiern":Biolebensmittel: Rekordhoch bei Umsatzzahlen gemeldet
von Henning Behrens
In Deutschland boomen Biolebensmittel, wie aktuelle Zahlen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft zeigen. Was besonders gefragt ist und warum es Engpässe bei Bio-Eiern gibt.
In Berlin öffnet die Internationale Grüne Woche am Freitag ihre Tore für Besucherinnen und Besucher. Die Messe für Lebensmittel und Agrarprodukte feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen.
16.01.2026 | 0:22 minBiolebensmittel sind so gefragt wie nie: Zum Start der Grünen Woche in Berlin hat der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) neue Umsatzzahlen von Bio-Lebensmitteln veröffentlicht. Und die sind im Jahr 2025 mit 18,3 Milliarden Euro Umsatz auf ein Rekordhoch gestiegen.
Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des BÖLW, sagt dazu am Rande der Grünen Woche in Berlin: "Die Menschen greifen stark zu Bio." Im vergangenen Jahr wurden acht Prozent mehr Biolebensmittel verkauft - das sei ein neuer Höchststand, teilt auch der Deutsche Bauernverband (DBV) mit.
Unterschiede zwischen Bio- und konventionellen Landwirtschaftsbetrieben
"2024/2025 haben Bio-Landwirtinnen und -Landwirte im Schnitt höhere Gewinne als konventionelle Landwirte eingefahren. Allerdings sind das Durchschnittswerte. Landwirtinnen und Landwirte sind Unternehmer, die unterschiedlich gut am Markt performen", sagt Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des BÖLW.
1926 fand die erste Grüne Woche als kleine regionale Ausstellung in Berlin statt. Seitdem sind 100 Jahre vergangen. Ein Blick zurück auf die Entwicklung der Landwirtschaftsmesse.
16.01.2026 | 5:29 minBesonders stark nachgefragt seien etwa Bio-Schweinefleisch und auch Bio-Eier aus Deutschland, so Röhrig weiter. Schaut man allerdings auf die einzelnen Bundesländer oder noch eine weitere Ebene hinunter, auf die Kommunen, dann werden deutliche Unterschiede sichtbar.
Beispiel in Dormagen: Wie ist die Lage in den Kommunen?
So zum Beispiel in Dormagen bei Köln am Rhein. Hier steht der Rheinfelder Hof, ein konventioneller Legehennen-Betrieb. Bio-Eier werden in dem kleinen Hoflädchen auf dem Gelände nicht angeboten. Die Nachfrage dafür ist zu gering, sagt die Hofbetreiberin Bianca Diamant-Heiles. Denn: "Zwischen dem Preis eines 10er-Packs Eiern aus Bodenhaltung und Bio-Eiern liegt der Unterschied mindestens bei einem Euro. Das ist für viele Menschen hier einfach zu teuer".
Derzeit liegen die Preise für ein Zehnerpack Bio-Eier zwischen 3,20 Euro und 5 Euro. Für die Landwirtin aus Dormagen ist die große Bio-Nachfrage, die aus den Zahlen hervorgeht, nicht nachvollziehbar. Ihr Legehennen-Betrieb läuft sehr gut.
Seit 100 Jahren gibt es die Grüne Woche - die weltgrößte Agrar- und Ernährungsmesse hat nun wieder ihre Tore geöffnet. ZDF-Reporterin Sabine Platz berichtet von der Berliner Messe.
16.01.2026 | 9:25 minBÖLW: Derzeit Engpass bei "Bio-Eiern aus Deutschland"
Dass in Dormagen allerdings kaum noch Bio-Eier in den Regalen der Supermärkte zu finden sind, kann Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nachvollziehen.
Nicht aber, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher diese nicht mehr leisten könnten. Er erklärt: "Tatsächlich gibt es derzeit einen Engpass im Angebot an Bio-Eiern aus Deutschland - insbesondere auch durch die Vogelgrippe. Das heißt: Hier fehlt nicht die Nachfrage, sondern das Angebot".
Vier Familienbetriebe kämpfen mit den Herausforderungen der Landwirtschaft, mit Preisdruck und Ernte-Risiken. Ferkelzüchter Simon Donhauser will den Hof in die Zukunft führen.
04.12.2025 | 26:30 minZu wenige Biolandwirte? Landwirt kritisiert Rahmenbedingungen
Doch das starke Umsatzwachstum sowie die steigende Nachfrage werden für die Branche zunehmend zum Problem. Denn die heimische Produktion stagniert und kann den steigenden Bedarf kaum noch bedienen.
Gibt es zu wenige Biolandwirte? Landwirt Reinhard Mosler aus Neuenkirchen-Seelscheid hat es drei Jahre lang ausprobiert. Dann, 2010, war Schluss mit Bio. Unangekündigte Kontrollen durch die Verbände, hohe Kosten für biokonforme Umbaumaßnahmen und Bußgelder im vierstelligen Bereich haben ihn zum Ausstieg gezwungen, sagt er.
Wie kann die Landwirtschaft in der EU bis 2030 zu 25 Prozent Bio sein - darum ging es beim Organic Summit in Kopenhagen. Dänemark ist mit 12 Prozent Vorreiter.
20.08.2025 | 1:34 minHinzu käme die gewaltige Macht des Lebensmittelhandels. "Die Bioproduzenten und Erzeugergemeinschaften werden untereinander ausgespielt und das geht immer zu Lasten der Betriebe", so der Landwirt. Fest steht, in der Bio-Branche wird bei vielen Betrieben gut verdient, Tendenz steigend.
Der Hauptunterschied zwischen Bio-Eiern, Eiern aus Freilandhaltung und Eiern aus der Bodenhaltung liegt in den Haltungsbedingungen, dem Platzangebot und der Fütterung: Bodenhaltung bedeutet Stallhaltung ohne Auslauf.
Hier werden maximal 9 Hennen pro Quadratmeter gehalten. Freilandhaltung erlaubt den Auslauf im Freien, jedoch mit konventionellem Futter, während Bio-Eier das beste Tierwohl bieten mit mehr Platz, Bio-Futter und garantiertem Freilandzugang mit mehr Auslauffläche, oft mit Verbands-Siegeln (Demeter, Bioland), die sogar noch strengere Standards voraussetzen.
- Stall: Hennen leben ganzjährig im Stall, oft in Volieren (mehrstöckige Ställe)
- Platz: Bis zu 9 Hennen teilen sich einen Quadratmeter Stallfläche
- Auslauf: Kein Zugang ins Freie, kein Tageslicht oder frische Luft
- Futter: Konventionelles Futter
- Stall: Mehr Platz als Bodenhaltung (bis zu 9 Hennen pro Quadratmeter), aber weniger als Bio
- Auslauf: Zugang zu einem Freigelände (mindestens 8 Quadratmeter pro Huhn), wo sie scharren und picken können
- Futter: Konventionelles Futter, auch mit gentechnisch veränderten Komponenten und Pestiziden
- Kennzeichnung: Startet mit der Ziffer 1 auf dem Ei
- Stall: maximal 6 Hennen pro Quadratmeter, mit Sitzstangen und Einstreu
- Auslauf: Zugang zu Freiflächen (mindestens 4 Quadratmeter pro Huhn) mit Strukturen (Bäume, Sträucher) für Deckung.
- Futter: Ausschließlich Bio-Futter, gentechnikfrei
- Verbands-Bio (Demeter, Bioland etc.): Noch höhere Standards, mehr Platz, mehr eigener Futteranbau, oft Hähne erlaubt
- Kennzeichnung: Startet mit der Ziffer 0 und trägt das EU-Bio-Siegel (und eventuell Verbands-Siegel)
Die Zahl auf dem Ei (0, 1, 2) gibt die Haltungsform an. Der Code auf den Eiern für Bodenhaltung beginnt mit 2, der Code für die Freilandhaltung beginnt mit 1, und der Code auf den Eiern für Biohaltung beginnt mit 0.
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