Spätfröste in Ostdeutschland:Billigere Spargel-Konkurrenz - nicht nur aus Polen
von Jan Meier und Leonie Schleißing
Kalte Nächte und Spätfröste erschweren ostdeutschen Spargelbauern den Saisonstart. Zu Ostern kommt das Gemüse auf einem Markt in Berlin aus Niedersachsen, Bayern und Polen.
Spargel gehört für viele zum Frühling dazu.
Quelle: dpa22 Euro kostet das Kilo Spargel: Hohe Preise für das begehrte Gemüse sind um diese Jahreszeit nicht ungewöhnlich. "Aber über 20 Euro, das ist schon etwas üppig", sagt Marktbesucherin Ines Saager: "Ich denke, eine große Familie kann sich das gar nicht leisten."
Die Spargelzeit beginnt. Das Video zeigt, wie viel Spargel die Menschen in Deutschland verbrauchen - und was ihr Lieblingsgemüse ist.
04.04.2026 | 0:20 minDie Händler auf dem Wochenmarkt in Berlin-Köpenick rechnen erst ab Mitte April mit größeren Mengen aus der Region - dann dürften auch die Preise etwas sinken.
Der allermeiste Sparge, der hier in der Region verkauft wird, kommt aus Brandenburg. In diesem Jahr, zum schwierigen Saison-Beginn, greifen die Händler zunächst auf Spargel aus den andern beiden deutschen Anbaugebieten, Niedersachsen und Bayern, zurück.
Nach und nach wollen sie ihn durch Spargel aus Beelitz und anderen Brandenburger Regionen ersetzen. Ergänzend gibt es jetzt und die ganze Saison hindurch auch Spargel aus Polen.
Große Nachfrage nach deutschem Spargel
Spargel gehört für viele zum Frühling dazu. Doch das "königliche" Gemüse war schon immer schwer anzubauen: viel Handarbeit, spezielle Böden und lange Standzeiten der Felder. Zudem war er kaum haltbar und musste frisch verzehrt werden. Deshalb konnten sich das "weiße Gold" nur der Adel und wohlhabende Bürger leisten.
Die Produktionsbedingungen für Spargel sind nicht einfacher geworden: Spätfröste und Trockenperioden infolge des Klimawandels machen den Anbau aufwändiger und teurer. Wie für andere Agrarbetriebe kommen gestiegene Kosten für Dünger und Diesel hinzu.
Viele Betriebe klagen zudem über Personalmangel, was die Ernte zusätzlich verteuert. Einen besonders großen Anteil haben die Lohnkosten für Erntehelfer, die sich mit dem gestiegenen Mindestlohn zu Jahresbeginn 2026 von 12,82 auf 13,90 Euro pro Stunde weiter erhöht haben.
Aus dem hessischen Weiterstadt berichtet ZDF-Reporter Markus Wolsiffer zum Saisonstart der Spargelernte von dem 100 Jahre alten, traditionsreichen Spargelhof der Familie Meinhardt.
19.03.2026 | 4:22 minVor allem kleine Betriebe gaben Spargelanbau auf
In Brandenburg, einer der bekanntesten Spargelregionen Deutschlands, schrumpft die Anbaufläche: Im letzten Jahr nahm sie um weitere 160 Hektar auf rund 3.400 Hektar ab.
Auch deutschlandweit geht der Trend in dieselbe Richtung: Vom Höhepunkt im Jahr 2018 sank die Fläche von 28.500 auf ca. 22.500 Hektar im vergangenen Jahr. Deutschland bleibt aber Europas bedeutendster Produzent. Und innerhalb Deutschlands bleibt der Spargel flächenmäßig das bedeutendste Gemüse.
Das sonnige Wetter sorgt zu Ostern für ausreichend Spargel. Erste Lieferungen werden laut Anbauverband Mitte März erwartet. Bruch- und Suppenspargel sei für unter 10 Euro je Kilo zu haben.
06.03.2026 | 0:24 minPolens Anbaufläche hat sich vervierfacht
Im Nachbarland Polen ging die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung: Immer mehr Betriebe, vor allem in den Regionen rund um Gubin und Wielotów, bauen Spargel an. Von 2015 bis 2020 hat sich die Anbaufläche mehr als vervierfacht. Die Gründe: Exportnachfrage und vergleichsweise niedrige Produktionskosten.
Auf dem Wochenmarkt in Berlin-Köpenick wird am Gründonnerstag polnischer Spargel angeboten. Marktbesucherin Ines Saager greift zu: Mit rund 20 Euro pro Kilo ist der "Jumbo-Spargel" zwar immer noch teuer, aber etwas günstiger als die deutsche Ware. Saager ist pragmatisch: "Ich habe ein paar Stangen genommen. Lieber etwas weniger essen oder an weniger Tagen."
Spargel aus Spanien und Griechenland
Doch in Polen steigen die Lohnkosten, fehlen Arbeitskräfte, nimmt die Konkurrenz aus Spanien und Griechenland zu. Die Folge: In Polen stagniert seit einigen Jahren die Größe der Anbaufläche. So ist auch in diesem Jahr Importware aus Spanien, Griechenland und sogar Mexiko im Handel: Discounter bieten Spargel aus dem Ausland teilweise für weniger als 10 Euro pro Kilogramm an.
Kunden wie Petra Abendschön legen weiter Wert auf Regionalität und sind bereit, dafür zu zahlen.
Der Anbau macht so viel Arbeit. Ich glaube schon, dass der Preis gerechtfertigt ist.
Petra Abendschön, Marktbesucherin
"Mit der Zeit wird der Spargel billiger. Und ich muss ihn jetzt noch nicht kaufen", sagt sie. Letztendlich kauft sie für sich und ihren Mann doch etwas, aber eine kleinere Menge - für jeden vier Stangen. So lässt sich die Spargelsaison trotz der hohen Preise bereits vorsichtig einläuten.
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