Iran-Krieg:Klingbeil: Habe "erhebliche Zweifel" in Völkerrechtsfrage
Vizekanzler Lars Klingbeil bezweifelt, dass das Vorgehen der USA und Israels gegen Iran im Einklang mit dem Völkerrecht geschieht. Zu den Kriegszielen gebe es viele offene Fragen.
Vizekanzler und Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland, Lars Klingbeil (SPD). (Archiv)
Quelle: ImagoNach dem Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus hat Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) Zweifel an der Strategie der USA im Iran-Krieg geäußert. Es gelte dringend, die Verhandlungen wiederaufzunehmen. Im ZDF-Interview versprach der Finanzminister auch, gegen Abzocke der Mineralölkonzerne vorzugehen.
Sehen Sie das Interview oben im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte Klingbeil...
... zum Treffen zwischen Trump und Merz im Weißen Haus
Zunächst einmal sei wichtig, dass Merz überhaupt bei Trump war, betonte Klingbeil. Er frage sich allerdings auch:
Was ist eigentlich die amerikanische Strategie?
Lars Klingbeil
In den vergangenen Tagen habe die US-Regierung unterschiedliche Kriegsgründe genannt, ebenso wie unterschiedliche Ziele - "und das ist schon etwas, das mir auch zunehmend Sorge macht".
Bei dem Treffen im Weißen Haus sollten Zölle im Mittelpunkt stehen, doch dann dominiert der Angriff auf Iran. Merz betont gemeinsame Interessen, aber warnt vor den Folgen des Kriegs.
04.03.2026 | 2:10 minDa der gesamten Region aktuell ein "Flächenbrand", eine Destabilisierung, drohe, sei es in der Verantwortung der Amerikaner, dort wieder für Ruhe zu sorgen.
Und ich fordere alle auf, schnell wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das ist eine Verantwortung, die alle in der Region tragen.
Lars Klingbeil
... zur Völkerrechtsfrage beim Angriff auf Iran
Außenminister Johann Wadephul (CDU) habe gerade deutlich gemacht, dass sein Ministerium prüfe, ob die völkerrechtliche Grundlage für den Angriff der USA und Israels auf Iran gegeben war.
Ich hab da erhebliche Zweifel dran.
Lars Klingbeil
Klingbeil nannte in diesem Zusammenhang auch das Vorgehen der USA in Venezuela sowie die Drohungen gegen Grönland. Zwar trauere er der iranischen Führung, die für Gräueltaten gegen die eigene Bevölkerung verantwortlich sei, "keine Träne nach". "Und trotzdem sollten wir als Deutschland, sollten gerade wir Europäer ein großes Interesse daran haben, dass eine regelbasierte Ordnung, dass Normen, dass Regeln in dieser Welt eingehalten werden", mahnte der Vizekanzler.
Israel und USA fliegen weiter Luftangriffe auf Iran. Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel und greift wieder US-Stützpunkte in Golfstaaten an.
04.03.2026 | 1:53 minEs gebe viele ungeklärte Fragen, die die Amerikaner nun beantworten müssten: "Wie wird das jetzt eigentlich in den nächsten Monaten? Gibt es dort wirklich Stabilität? Was muss passieren, damit die Lage der Menschen im Iran noch besser wird, damit man selbst entscheiden kann, wie es dort weiter geht?", zählte Klingbeil auf. Dabei gelte es die Zivilbevölkerung zu schützen.
... zu den gestiegenen Diesel- und Benzinpreisen
Der Konflikt um Iran macht sich in Deutschland beispielsweise an der Tankstelle bemerkbar, der Diesel-Preis stieg bereits über zwei Euro pro Liter. Sein Finanzministerium beobachte diese Entwicklung "sehr genau", versprach Klingbeil im Interview.
Die Bundesregierung plant laut Bundeswirtschaftsministerin Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung von Autofahrern. Neben Benzin stieg zuletzt vor allem der Dieselpreis.
04.03.2026 | 0:22 minEr habe Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gebeten, zu prüfen, wie man den Mineralölkonzernen "den Riegel vorschieben" könne, "die gerade versuchen aus dieser Situation in meinen Augen Profit zu schlagen".
Es darf keine Abzocke auf dem Rücken der Verbraucherinnen, der Pendler, der Unternehmen in diesem Land geben.
Lars Klingbeil
"Das halte ich für unanständig und deswegen finde ich auch, muss Politik hier Lösungen finden und da sind wir jetzt dran", ergänzte Klingbeil.
Das Interview führte ZDF-Moderator Andreas Klinner. Zusammengefasst hat es ZDFheute-Redakteurin Anja Engelke.
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