Sánchez: "Nein zum Krieg" gegen Iran:Nach Trump-Kritik: Spanien irritiert über Merz' Zurückhaltung
Nach Trumps Kritik an Spanien vermisste Madrid klare Worte von Merz. Außenminister Albares zeigte sich "überrascht", Regierungschef Sánchez bekräftigte sein "Nein zum Krieg".
Kein anderer europäischer Regierungschef verurteilt den Angriff auf Iran so deutlich, wie Pedro Sánchez. US-Präsident Trump droht nun, den Handel mit dem EU-Land zu stoppen.
04.03.2026 | 1:31 minDie spanische Regierung hat trotz der Drohungen von US-Präsident Donald Trump ihre Ablehnung der Angriffe auf Iran bekräftigt. Die Position lasse sich in vier Worten zusammenfassen: "Nein zu dem Krieg", sagte Regierungschef Pedro Sánchez. Außenminister José Manuel Albares zeigte sich "überrascht", dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zunächst öffentlich zur Kritik von US-Präsident Donald Trump geschwiegen habe.
"Wenn man mit einem anderen Land eine Währung, eine gemeinsame Handelspolitik und einen gemeinsamen Markt teilt, erwartet man dieselbe Solidarität, die Spanien beispielsweise gegenüber Dänemark gezeigt hat, als es aufgrund Dänemarks Bestrebungen, seine territoriale Integrität in Grönland aufzugeben, zu Zolldrohungen kam", sagte Albares dem spanischen TV-Sender RTVE.
Bei dem Treffen im Weißen Haus sollten Zölle im Mittelpunkt stehen, doch dann dominiert der Angriff auf Iran. Merz betont gemeinsame Interessen, aber warnt vor den Folgen des Kriegs.
04.03.2026 | 2:10 minTrump verärgert über Haltung Spaniens
Trump hatte bei einem Treffen mit Merz Kritik an den Regierungen von Spanien und Großbritannien geübt. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", sagte Trump im Weißen Haus mit Blick auf die US-Angriffe auf Iran. "Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen." Vor laufenden Kameras ging Merz im Weißen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein.
Später trat der Bundeskanzler der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte Merz vor der Presse, Spanien sei Mitglied der Europäischen Union:
Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Es gebe keinen Weg, Spanien besonders schlecht zu behandeln. Diese Äußerungen wurden in spanischen Medien als Versuch von Merz gewertet, sein anfängliches Schweigen gegenüber Trump zu korrigieren.
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04.03.2026 | 1:53 minAlbares zog einen Vergleich zwischen Merz und dessen Vorgängern im Amt. "Seit wir in der Regierung sind, haben wir drei Bundeskanzler erlebt: Merkel, Scholz und jetzt Merz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Merkel oder Scholz solche Aussagen getroffen hätten; damals herrschte eine andere proeuropäische Stimmung", sagte Albares.
Sánchez: Iran-Krieg ist eine "Katastrophe"
Regierungschef Sánchez sagte in einer Ansprache mit Blick auf den Iran-Krieg, seine Regierung werde sich nicht "an etwas mitschuldig machen, das der Welt schadet und unseren Werten und Interessen widerspricht, nur aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen". Er kritisierte auch, dass die Ziele der Streitkräfte der USA und Israels im Krieg gegen den Iran "nicht klar" seien.
Der Regierungschef bezeichnete den Krieg als "Katastrophe". Seine Linksregierung hatte den Vereinigten Staaten nicht erlaubt, in Spanien gelegene Militärstützpunkte für den Krieg gegen den Iran zu nutzen.
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Ein Sprecher der EU-Kommission teilte am Mittwoch mit, Brüssel werde "sicherstellen, dass die Interessen der Europäischen Union gewahrt werden" und sei solidarisch mit allen Mitgliedstaaten. Die Kommission sei "im Rahmen der gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln". Trump müsse sich zudem an eine Handelsvereinbarung mit der EU aus dem vergangenen Sommer halten.
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