Krieg gegen Iran:Warum Netanjahus Zukunft auf dem Spiel steht
Der Krieg mit Iran sei für Israels Ministerpräsident Netanjahu eine Chance, sich an der Macht zu halten, sagt ein Experte. Denn noch in diesem Jahr stehen in Israel Wahlen an.
Nahost-Konflikt: Israel startet neue Angriffswellen auf Iran, während auch Israel selbst weiter beschossen wird.
04.03.2026 | 3:07 minSpätestens Ende Oktober muss in Israel gewählt werden. Für Langzeit-Regierungschef Benjamin Netanjahu sei der Krieg mit Iran deshalb auch eine Chance, sich weiter an der Macht zu halten, sagt Politikwissenschaftler Emmanuel Navon von der Universität Tel Aviv:
Ist der Krieg gegen Iran ein Erfolg für Israel, wird er auch zum politischen Sieg für Netanjahu.
Emmanuel Navon, Politikwissenschaftler in Tel Aviv
"Diese Offensive stärkt zweifellos das mit seinem Slogan vom 'totalen Sieg' verbundene Image, das Netanjahu pflegen möchte", analysiert auch Michael Horowitz, ein unabhängiger Experte für Geopolitik. "Er möchte zeigen, dass es sich dabei nicht um einen Wahlkampfspruch handelt, sondern um die Realität."
Der Iran übt mit Gegenangriffen auf Israel und US-Stützpunkte in der Golfregion Vergeltung. Thomas Reichart und Isabelle Tümena berichten.
04.03.2026 | 2:19 minNetanjahu selbst sagte nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei durch die US-israelischen Angriffe, die engen Beziehungen zu Washington hätten ihm ermöglicht, "das zu tun, was ich seit 40 Jahren angestrebt habe: dem terroristischen Regime einen entscheidenden Schlag zu versetzen".
Netanjahu nach Krieg in Gaza unter Druck
Der Regierungschef will sich durch den Krieg ganz klar als starker Mann profilieren. Der Krieg im Gazastreifen nach dem Angriff der radikalislamischen palästinensischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat Netanjahu viel Popularität gekostet. Kritiker werfen ihm vor, sich der Verantwortung für das Versagen des Staats zu entziehen, der den brutalen Überfall nicht verhinderte.
Netanjahu, Chef der rechten Likud-Partei, ist 76 und war insgesamt mehr als 18 Jahre lang Regierungschef. Er gilt als politisches Stehaufmännchen und hat zahlreiche Krisen überstanden. Seit dem Sommer, nach dem Austritt der ultraorthodoxen religiösen Parteien aus seiner Koalition, hat er jedoch keine Mehrheit mehr im Parlament. Außerdem ist er wegen mutmaßlicher Korruption angeklagt - ein Verfahren, in dem er sich Begnadigung durch den Präsidenten erhofft.
In Gaza und im Westjordanland scheint Israels Regierung die Politik einer gezielten Vertreibung zu verfolgen. Was das für die Palästinenser bedeutet, zeigt das Beispiel von Tulkarem.
25.02.2026 | 8:01 minPolitologe: Netanjahu wird Parlamentswahl vorziehen
Die Parlamentswahl muss spätestens am 27. Oktober stattfinden. Netanjahu werde die Abstimmung jedoch vorziehen, ist sich Politikwissenschaftler Navon sicher. "Angesichts des Jahrestags des 7. Oktobers wird er nicht bis Oktober warten."
Nach dem Angriff der Hamas an diesem Datum 2023 habe Netanjahu am Boden gelegen, "aber seither hat er nach und nach das Blatt gewendet", sagt der Politologe. Er verweist auf die israelischen Angriffe, die nicht nur der Hamas, sondern auch der Hisbollah und bereits im Juni auch Teheran schwer zusetzten.
Nach Attacken der libanesischen Hisbollah-Miliz schlägt Israel mit Angriffen auf Hisbollah-Ziele im Libanon zurück.
04.03.2026 | 2:29 minIsrael: Likud-Partei führt in Umfragen
In den Umfragen führt Netanjahus Likud-Partei derzeit wieder, eine Mehrheit im Parlament hätte der Regierungschef mit seinen derzeitigen Koalitionären aber immer noch nicht. Das könnte sich bei einem von ihm angestrebten klaren Sieg über den Iran ändern.
Ob Netanjahu tatsächlich innenpolitisch Kapital aus dem Krieg schlagen kann, hänge stark davon ab, wie lange dieser noch dauert, analysiert Horowitz.
Die Akzeptanz der Bevölkerung für einen langen Krieg mit vielen Opfern in Verbindung mit den hohen Lebenshaltungskosten ist nach wie vor extrem gering.
Michael Horowitz, Experte für Geopolitik
Während des Krieges im vergangenen Juni töteten iranische Raketen 30 Menschen in Israel. Seit Beginn der Angriffe am Samstag sind es nun auch schon mindestens zehn Todesopfer.
"Die Siege Israels sind in erster Linie der Armee und der Widerstandsfähigkeit der Zivilbevölkerung zu verdanken, die es dem Land ermöglichten, den längsten Krieg seiner Geschichte an vielen Fronten gleichzeitig zu führen", sagt Horowitz. "Dadurch steigt die Popularität der Armee, aber nicht unbedingt die Netanjahus."
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