Debatte bei "illner":CDU-Politiker Röttgen: Angriff auf Iran das kleinere Übel
von Torben Schröder
CDU-Politiker Röttgen sagt, beim Bewerten des Iran-Angriffs gehe es um das Abwägen von "Übeln". Völkerrechtskonforme Mittel seien entglitten, so Politikwissenschaftlerin Scheller.
Sehen Sie hier die Sendung maybrit illner vom 4. März 2026.
04.03.2026 | 61:55 minWar der Angriff Israels und der USA auf Iran vom Völkerrecht gedeckt? Da kann man, sagt der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen in einer Sonderausgabe der ZDF-Sendung "maybrit illner", durchaus anderer Ansicht sein.
Es geht um die Abwägung von Übeln.
Norbert Röttgen, CDU-Politiker
Das kleinere Übel sei mit dem Angriff gewählt worden. Den Angriff zu unterlassen, weil er nicht vom Völkerrecht gedeckt ist, würde zu einer Art Existenzgarantie für das iranische Terrorregime führen, das Röttgen als "Völkerrechtswidrigkeit in Staatsform gegossen" bezeichnet. Entscheidend sei, dass eine Perspektive für Iran entstehe.
Das Völkerrecht sieht, wie die Politikwissenschaftlerin Bente Scheller sagt, durchaus andere Mechanismen vor: "Wir haben völkerrechtskonforme Mittel, um solche Fälle zu handhaben. Es ist uns in den letzten Jahren und Jahrzehnten entglitten, diese auch zu nutzen." Ob die mit dem Angriff verknüpften Ziele in Iran erreicht würden, sei nicht klar - es könne auch schlimmer werden.
Die USA und Israel greifen Iran an, Teheran antwortet mit Raketen- und Drohnenangriffen. Die militärische Eskalation verschärft die Spannungen im Nahen Osten – doch die Folgen sind global.
04.03.2026 | 7:59 minWie geht es weiter in Iran?
Die Entwicklung, die sich jetzt schon abzeichnet, ist, dass Iran in eine Militärdiktatur rutscht.
Mariam Lau, Journalistin
Ob wir und ob die iranische Bevölkerung dann besser dastehen würden, sei zweifelhaft, sagt die Journalistin Mariam Lau ("Die Zeit").
Nicht die Stärke des iranischen Regimes sei der Grund des Angriffs zu diesem Zeitpunkt gewesen. Er sei vielmehr deshalb erfolgt, weil das iranische Regime und ihre Partner derzeit so geschwächt seien wie lange nicht mehr.
"Wir wissen nicht, dass alles schlecht wird", betont Röttgen. Wenn der Krieg zu Ende ist, stelle sich die Frage, ob Deutschland und Europa zur Stelle seien. Die Einheit des Staates Iran sollte gewahrt werden, betont der CDU-Politiker. Es sei nicht sinnvoll, einzelne Volksgruppen wie beispielsweise Kurden zu bewaffnen:
Wir wollen keinen Bürgerkrieg in diesem Land.
Norbert Röttgen, CDU-Politiker
Iran bleibt stark abgeschottet, das Internet ist eingeschränkt. Dennoch dringen Stimmen nach dem Tod Ali Chameneis nach außen – zwischen Trauerbekundung und großer Freude.
04.03.2026 | 4:16 minEindeutig ist laut Röttgen, dass die Bundeswehr sich mit Blick auf die Verfassung nicht militärisch beteiligen könne. Die Frage des präventiven Angriffs sei für Israel, nach jahrzehntelanger, sehr konkreter Bedrohung durch Iran, indes eine völlig andere.
US-General: Überleben für das Regime bereits ein Sieg
Iran sei, wie der US-General Ben Hodges, ehemaliger Oberkommandeur der US-Armee in Europa, ausführt, aktuell noch in der Lage, seine Kommandostruktur aufrecht zu erhalten und auch weit reichende Angriffe in ihrer Region durchzuführen. Man sei vermutlich auf den Angriff vorbereitet gewesen, mitsamt einer dezentralen Struktur für den Ausfall der Führung. Die Revolutionsgarden hätten zurzeit die Macht.
Chameneis Tod zwingt das Regime in Teheran zum Umbruch. Doch wer rückt an die Spitze und welche Strategie verfolgen die Mullahs, um ihre Macht zu behalten?
04.03.2026 | 2:13 minFür das Regime sei ein Überleben bereits ein Sieg. "Deswegen greifen sie all die verschiedenen Länder in der Region an - um den Krieg auszuweiten", sagt Hodges.
Disruptionen in Wirtschaft oder Reiseverkehr könnten, so das mutmaßliche Kalkül dahinter, dazu führen, dass der Druck auf die USA steigt, den Krieg zu beenden.
Öl als Kriegsziel der USA?
Ein mögliches Kriegsziel der USA sei der Zugang zum iranischen Öl - beziehungsweise China davon fernzuhalten. Dass US-Präsident Trump sich bezüglich der Ziele bislang nur vage äußere, schüre jedenfalls diesen Verdacht, sagt Hodges. Die Ziele der USA und Israels seien wohl zumindest nicht perfekt aufeinander ausgerichtet.
Wirtschaftlich und politisch ist der Iran wichtiger Partner Chinas. Doch die Verbindung zwischen beiden Ländern ist asymmetrisch: Iran braucht China viel dringender als umgekehrt.
04.03.2026 | 3:06 minDie Folgen der Auseinandersetzung für die Weltwirtschaft sind nach Ansicht des Finanzwissenschaftlers Lars Feld noch nicht zu beziffern. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Nöte hänge von der Dauer ab. Die Märkte hätten etwa vier Wochen eingepreist. Der Ölpreis habe sich derzeit eingependelt. Auf Dauer könne ein deutlicher Anstieg sich spürbar auf die Inflation auswirken.
Die USA benötigen die Ölreserven des Iran derzeit nicht wirklich.
Lars Feld, Finanzwissenschaftler
"Es geht vor allem um China", sagt Feld. Die USA strebten Hegemonie gegenüber der Achse China-Russland an.
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